Offensive des Ordnungsamtes
106 Platzverweise im Hamburger Tunnel

Münster -

Das Ordnungsamt hat rund um den Hauptbahnhof eine Kontrolloffensive gestartet. Seit Anfang Oktober gab es unter anderem 106 Platzverweise im Hamburger Tunnel. Die Behörde will künftig dauerhaft mehr Präsenz im Quartier zeigen.

Samstag, 01.12.2018, 10:00 Uhr
Seit Anfang Oktober hat das Ordnungsamt im Hamburger Tunnel mehr als 400 Kontrollen durchgeführt und 106 Platzverweise ausgesprochen. Die Situation hat sich nach Einschätzung der Behörde deutlich verbessert.
Seit Anfang Oktober hat das Ordnungsamt im Hamburger Tunnel mehr als 400 Kontrollen durchgeführt und 106 Platzverweise ausgesprochen. Die Situation hat sich nach Einschätzung der Behörde deutlich verbessert. Foto: kal

Das Ordnungsamt hat eine Kontroll-Offensive rund um den Hauptbahnhof gestartet – mit ersten Erfolgen. So erhielten seit Anfang Oktober im Hamburger Tunnel 106 Personen einen Platzverweis, vom Szene-Publikum wird er seitdem als Schlaflager gemieden, betont Behördenleiter Martin Schulze-Werner. Insgesamt wurden in den vergangenen sechs Wochen mehr als 1000 Kontrollen durch den Kommunalen Ordnungsdienst durchgeführt. Nicht nur die Sicherheitslage vor Ort, auch das Sicherheitsempfinden der Menschen im Quartier habe sich bereits deutlich erhöht, ist Schulze-Werner überzeugt.

Schwerpunkt: Hamburger Tunnel

Möglich wurde die Offensive, da dem Ordnungsdienst seit 1. Oktober sechs zusätzliche Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Die neu eingerichtete Bahnhofstreife ist von montags bis freitags im Zwei-Schichten-Betrieb von 6 bis 22.30 Uhr vor Ort.

Einer der Einsatzschwerpunkte war der Hamburger Tunnel . Hinterlassenschaften von Obdachlosen, die hier nächtigten, aber auch Drogenkonsum prägten hier lange das Bild. Das habe sich nun entscheidend geändert, „weil wir streng durchgegriffen haben“, so Schulze-Werner. Obdachlose seien des Tunnels verwiesen und gleichzeitig auf die sozialen Hilfsangebote in Münster hingewiesen worden, Reinigungsmaßnahmen seien intensiviert worden. Das Image einer „Kloakenröhre“ – so der Ordnungsamtsleiter – gehöre der Vergangenheit an.

19 Platzverweise am Bremer Platz

Weitere 404 Kontrollen und 19 Platzverweise gab es seit Anfang Oktober am Bremer Platz . Hier wurde das Ordnungsamt bei Verunreinigungen tätig – Drogenkonsum und -handel sind das Geschäft der Polizei.

Auch am Bahnhofsvorplatz und am Fernbusbahnhof sprachen die Streifen mehrere Platzverweise aus. Mittlerweile eher unauffällig ist laut Schulze-Werner die „kleine“ Bahnhofstraße, wo es 356 Kontrollen, aber kaum behördliche Maßnahmen gab. Bereits 2017 hatten sich Polizei und Stadt intensiv um diesen Bereich gekümmert, nachdem sich Anlieger wiederholt über Drogenhandel, Drogenkonsum und Lärm beschwert hatten. Als unfällig erwiesen sich die Bereiche rund um Schaumburgstraße, Soester Platz und Zumsandestraße.

Situation spürbar verbessert

„Die Situation rund um den Hauptbahnhof hat sich spürbar verbessert“, sagt Schulze-Werner. Ob das auf Dauer so bleiben wird, werde sich im kommenden Sommer zeigen, denn bei gutem Wetter ist die Szene rund um den Hauptbahnhof deutlich präsenter.

Auch im kommenden Jahr werden die Bahnhofstreifen ihre Arbeit fortsetzen, betont Schulze-Werner. Daran werde auch der für 2019 geplante neue Behördenschwerpunkt Aasee nichts ändern – zumal es aus der Politik das Signal gebe, dass der Kommunale Ordnungsdienst um weitere sechs Personen aufgestockt werden soll.

Einer der Einsatzschwerpunkte werden die Aaseeterrassen und die benachbarte Bastion sein, wo in diesem Sommer Shisha-Raucher und Partyvolk für viel Ärger bei Anliegern und Passanten gesorgt hatten.  

Kommentar: Ein Erfolgsmodell?

Müll, Drogen, Obdachlose – das Bahnhofsviertel ist alles andere als ein Aushängeschild. Jahrelang wurde darüber diskutiert, wie man die Situation in den Griff bekommen kann. Ein Erfolg versprechendes Gesamtkonzept fehlte.

Das scheint nun gefunden zu sein. Das personell endlich verstärkte Ordnungsamt setzt auf eine Kontroll-Offensive, die bereits nach wenigen Wochen Erfolge vorweisen kann. Zugleich ist ein Quartiersmanagement installiert worden, das auch die sozialen Aspekte der Problemlagen im Blick hat.

Repression und Sozialarbeit – aus diesem Ansatz könnte ein Erfolgsmodell werden. Genau dies ist dringend erforderlich, damit das Quartier, über das so lange diskutiert wurde, ohne dass etwas Grundlegendes geschah, die Kurve kriegt. Vor allem die verunsicherten Nachbarn haben es verdient, ihr Viertel zurück zu bekommen. Denn während nicht wenige in Verwaltung und Politik gebetsmühlenhaft beteuern, dass „die Szene“ zu einer Großstadt wie Münster einfach dazugehört, müssen die Anwohner Tag für Tag mit negativen Begleiterscheinungen leben. Martin Kalitschke

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6225731?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker