So., 09.12.2018

Ballettsaal wird zum „Playground“ für Tänzer und Schauspieler Eindrucksvoll eingespielt

Tänzer und Schauspieler des münsterischen Theaters entwickelten in „Playground“ spontan auf der Bühne eine gemeinsame Choreographie und gemeinsame Geschichten.  Tänzer und Schauspieler des münsterischen Theaters entwickelten in „Playground“ spontan auf der Bühne eine gemeinsame Choreographie und gemeinsame Geschichten.

Tänzer und Schauspieler des münsterischen Theaters entwickelten in „Playground“ spontan auf der Bühne eine gemeinsame Choreographie und gemeinsame Geschichten.  Tänzer und Schauspieler des münsterischen Theaters entwickelten in „Playground“ spontan auf der Bühne eine gemeinsame Choreographie und gemeinsame Geschichten. Foto: Oliver Berg

Münster - 

Unter dem Titel „Play­ground“ lädt das Tanztheater Münster drei- bis viermal im Jahr zu einem spartenübergreifenden Improvisationsabend in den Ballettsaal. Donnerstagabend war es wieder so weit.

Von Helmut Jasny

Wie es sich für einen Spielplatz gehört, kugeln erst mal alle über den Boden und testen aus, was sie anstellen könnten. Vereinzelt treten dann Paare oder kleinere Gruppen miteinander in Aktion – ganz unverbindlich, wie es scheint, später mit deutlichem Impetus. Da wird eine Mensch über die Bühne geschleift, zwei andere liefern sich ein Gefecht. Wieder andere posieren ganz unverblümt, wahrend einige erst mal schauen, wie sich die Sache so entwickelt. Aber irgendwann ist jeder dabei, und als Zuschauer weiß man nicht mehr, wo man zuerst hinschauen soll in dem ganzen Gewimmel.

Unter dem Titel „Play­ground“ lädt das Tanztheater Münster drei- bis viermal im Jahr zu einem spartenübergreifenden Improvisationsabend in den Ballettsaal. Donnerstagabend war es wieder so weit. Ein Dutzend Tänzerinnen und Tänzer, flankiert von Schauspielern und einem Musiker, wagten sich aufs glatte Parkett der Improvisation und bewiesen, dass sich auch ohne Probe und vorherige Absprache eine tolle Aufführung gestalten lässt.

Einen gewissen Werkstattcharakter hat das Ganze durchaus. Das ergibt sich schon aus dem Ballettsaal als Veranstaltungsort und den Sitzreihen an drei Seiten. Gleichzeitig schafft das aber auch eine Nähe und Unmittelbarkeit, die kein großes Haus bietet. Zumindest könnte sich dort keine Tänzerin an die Beine der Zuschauer schmiegen, um Schutz vor zwei allzu übermütigen Kampfhähnen zu suchen. Kein Hemd fliegt derart eindrucksvoll als Geist durch die Luft, wie wenn es direkt vor einem geschieht. Dass eine Tänzerin den Fotografen mitten in der Vorstellung zu einem Selfie animiert, ist auch nicht unbedingt üblich.

Eindrucksvoll ist dabei, wie gut eingespielt das Ensemble des Theaters ist. Setzen zwei Tänzer zu einem Pas de deux an, öffnen ihnen die anderen sofort den Raum. Auf diese Weise kristallisieren sich immer wieder neue Schauplätze heraus, um dann genauso nahtlos wieder eins mit dem Ganzen zu werden. Trotzdem verändert sich alles: Hüte, Perücken und Röcke vom Ausmaß eines Zirkuszelts sind Verkleidung und Requisit gleichermaßen. Eine Tänzerin ist erblindet, weil sie ihren Kapuzenpulli plötzlich falsch herum anhat. Und als der Tanz gegen Ende lateinamerikanisches Temperament entwickelt, legt sogar der bis dahin so seriöse Pianist eine heiße Sohle aufs Parkett.



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