Sa., 08.12.2018

Interview Abschied vom Weihnachtsmarkt fällt sehr schwer

38 Jahre hat Barbara Kamenz mit ihrer Familie traditionelle Weihnachtsdekorationen auf dem Aegidiimarkt verkauft. Nun hört sie damit auf.

38 Jahre hat Barbara Kamenz mit ihrer Familie traditionelle Weihnachtsdekorationen auf dem Aegidiimarkt verkauft. Nun hört sie damit auf. Foto: Marion Fenner

Münster - 

Seit 1980 gibt es den Weihnachtsmarkt am Aegidiihaus. Von Beginn an gehört Barbara Kamenz (62) dazu, die dort seit nunmehr 38 Jahren traditionelle Weihnachtsdekorationen verkauft. In diesem Jahr ist sie allerdings auch zum letzten Mal dabei.

Von Marion Fenner

Seit 1980 gibt es den Weihnachtsmarkt am Aegidiihaus. Es war der zweite Budenzauber in der Stadt nach dem im Rathausinnenhof. Von Beginn an gehört Barbara Kamenz (62) dazu, die dort seit nunmehr 38 Jahren traditionelle Weihnachtsdekorationen verkauft. In diesem Jahr ist sie allerdings auch zum letzten Mal dabei. Über die Veränderungen auf den Weihnachtsmärkten, ihr spezielles Sortiment und den Grund ihres Abschieds sprach sie mit unserer Redakteurin Marion Fenner.

Wie kamen Sie als 24-Jährige auf den Weihnachtsmarkt?

Barbara Kamenz: Ich war Studentin und musste mir etwas Geld dazuverdienen. 450-Euro-Jobs gab es damals noch nicht, so kam die Idee, dort für vier Wochen Weihnachtdekorationen zu verkaufen. Außerdem mag ich den traditionellen Weihnachtsschmuck.

Hat sich das Sortiment an Ihrem Stand im Laufe der Jahre verändert?

Kamenz: Eigentlich nicht, wir haben es nur erweitert. Ich habe von Beginn an auf handgemachte Räuchermännchen, Nussknacker, Schwippbögen und Pyramiden aus dem Erzgebirge gesetzt. Auch Engel in allen Variationen gehören dazu.

Stammen Ihre Waren wirklich aus dem Erzgebirge?

Kamenz: Ja, dafür bin ich am Anfang sogar zu Händlern in die DDR gefahren und habe alles persönlich ausgesucht. Ich kann Ihnen die Funktionen der Pyramiden, Räuchermännchen und Nussknacker erklären, welche Kirchen auf den leuchtenden Schwippbögen zu sehen sind, und weiß, wie alles hergestellt wurde. Das wollen auch unsere Kunden wissen, die die fachkundige Beratung schätzen.

Das ist aber auch teuer

Kamenz: Stimmt, und nicht alle Kunden wollen die höheren Preise für das echte Handwerk bezahlen, sich aber trotzdem daran erfreuen. Deshalb haben wir im Laufe der Zeit unser Angebot auch um deutlich günstigere Importware ergänzt. So haben wir für jeden Geldbeutel etwas im Sortiment.

Stehen Sie immer selbst am Stand?

Kamenz: Soweit es mir zeitlich möglich ist, bin ich da. Das ist schließlich eine Leidenschaft von mir. Wenn ich nicht kann, kommt jemand aus der Familie, der das gleiche Hintergrundwissen besitzt. Es geht uns nicht nur um das Verkaufen, sondern auch um die Weitergabe des Wissens rund um die Dekorationen.

Hat sich der Weihnachtsmarkt im Laufe der Jahre verändert?

Kamenz: Er hat sich sehr verändert. Zu Beginn wurden an allen Ständen überwiegend weihnachtliche Dinge verkauft. Heute gibt es an vielen Buden Produkte, die auf Märkten über das ganze Jahr verkauft werden. Weihnachtsspezialisten wie wir sind selten geworden.

Haben sich auch die Kunden verändert?

Kamenz: An unserem Stand nicht. Bei uns kaufen Menschen, die Freude an klassischer Weihnachtdeko haben und auch, weil sie das Produkt vor dem Kauf sehen und anfassen wollen.

Fotostrecke: Münsters Weihnachtsmarkt-Händler im Steckbrief

Kommen viele Stammkunden?

Kamenz: Einige schon, vor allem die, die sich für die echten Sammelengel interessieren und in jedem Jahr das neuste Modell dazukaufen. Aber es gibt auch eine Seniorin, die immer kommt und nur einen günstigen Engel kauft. Ich freue mich stets, wenn ich sie sehe.

Gibt es für Sie einen Lieblingsweihnachtsmarkt in Münster?

Kamenz: Das werde ich oft gefragt. Besucher, die ihren Weihnachtsmarktbummel am Aegidiimarkt starten, wollen wissen, welchen Markt sie auf jeden Fall besuchen sollen. Ich rate ihnen dann, auf jedem vorbeizuschauen, denn alle haben ihren besonderen Charme.

Und Ihr Favorit?

Kamenz: Ich finde auch alle schön, aber vielleicht ist der Giebelhüüskesmarkt an der Überwasserkirche der urigste.

Was machen Sie, wenn Sie nicht in Ihrem Weihnachtsmarktstand anzutreffen sind?

Kamenz: Wir betreiben das Schul- und Kindergartencatering Stattküche. Der Weihnachtsmarkt ist mir so sehr ans Herz gewachsen, dass ich mir in jedem Jahr diese vier Wochen dafür gegönnt habe.

Und trotzdem hören Sie nun auf . . .

Kamenz: Das fällt mir auch sehr schwer. Aber meine Kinder haben ebenfalls aus beruflichen Gründen nicht mehr die Zeit, hier mitzuhelfen. Ich kann nicht komplett vier Wochen die sonstige Arbeit im Betrieb liegen lassen. Irgendwann musste diese Entscheidung getroffen werden. Und einfach studentische Aushilfskräfte hinter die Theke stellen, die nur verkaufen und nicht beraten, das will ich nicht.

Was machen Sie im kommenden Jahr in der Vorweihnachtszeit?

Kamenz: Auf jeden Fall einen entspannten Bummel über die Weihnachtmärkte.



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