Mo., 10.12.2018

„Chor trifft Blech“ in der Überwasserkirche In einer ganz anderen Welt

Das Blechbläserensemble „brasssonanz“ sowie der Kammerchor „legato m“ unter der einfühlsamen Leitung von Phillip Gatzke.

Das Blechbläserensemble „brasssonanz“ sowie der Kammerchor „legato m“ unter der einfühlsamen Leitung von Phillip Gatzke. Foto: Moseler

Münster - 

Wer sich am Samstagabend zur Überwasserkirche vorkämpfte, dem war, als müsste man feindliche Linien überwinden. Überall Hütten wie ein Zeltdorf bei einer Belagerung, geschmückt mit Lichtern. Mittendrin in Lärm und Weihnachtsmarktgedränge erhob sich stolz die Kirche wie eine feste Burg, Tür und Tor weit offen. Es war, als hätte man eine magische Grenze überschritten – absolute Ruhe und konzentrierter Chorgesang: „Es ist ein Ros’ entsprungen“.

Von Günter Moseler

Wer die zwei Welten moderner Weihnachtszeiten im Augenblick eines Wimpernschlags erleben wollte, der hatte hier ideale Gelegenheit: Mittelschiff und Seitenschiffe umrahmten einen großformatigen Stern voll flackernder Kerzenlichter, in dessen Mitte eine Statur des gekreuzigten Jesus platziert war. Violettes und meerblaues Licht überschwemmte die Kirchenwände, auf Höhe des Altars flammte feuriges Rot die Mittelsäulen hinauf. Die mystische Farbchoreographie kontrastierte messerscharf die Hobbit-Idylle der Glühwein-, Currywurst-, Backfisch- und Champi-gnonstände, auf deren Dächern glitzernde Rentiere über endlose Lichterketten sprangen.

Das Blechbläserensemble „brasssonanz“ sowie der Kammerchor „legato m“ unter der einfühlsamen Leitung von Phillip Gatzke boten ein Programm durch vier Jahrhunderte von Michael Praetorius über Johann Sebastian Bach bis zu – Gatzke! Vorzüglich die Klangbalance zwischen den Ensembles, die dynamische Sorgfalt und klare Artikulation des Chores ebenso wie die nuancierte Tongebung der Bläser. Die vitale Impulsivität der „Ouver­ture et Air Vivement“ aus Jean-Philippe Rameaus „Dardanus“-Suite reichte bis in letzte Kirchenwinkel, Gatzkes „Kleine Pastorale“ griff den weihnachtlichen Wiegeschritt auf, die „Halleluja“-Echo-Tiraden in Mendelssohns „Weihnachten“ trug es in neunzig Sekunden in musikalische Himmelshöhen. Auch Javier Bustos „Ave Maria“ jonglierte zwischen Innigkeit und Emphase, während der Chor in Harold Darkes „In the Bleak Midwinter“ dessen üppige Vorhaltseligkeiten wie Vorboten eines Märchenwinters auskostete.

Schon sehr früh hatte das Konzert einen lyrischen Grundton etabliert, der tatsächlich an jene „alte Zeiten“ zu erinnern schien. Durch eine Fotoausstellung im linken Seitenflügel über Mondlandung, Milchstraße, „Adlernebel“ und andere Wunder unserer Galaxie wandelte man wie auf einer Planetenbahn. Kaum war man wieder draußen, herrschte anstelle von Stille regstes Treiben – und schienen beide Welten vereinbar wie nie.



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