Mo., 10.12.2018

„Schweinachtsmann“ in der Waldorfschule Heitere Schlittenfahrt

Münster - 

Die Christenheit feiert Weihnachten als verheißungsvollstes aller Feste. Da wundert der Freudentaumel entfesselter Konsum­euphorie wenig. Als versuche sie, irgendwie an die Botschaft vom ewigen Leben anzuknüpfen. Der „Schweinachtsmann“ ist deren gewiefter Diplomat: Im Konzertsaal der Waldorfschule feierte die Evergreen-Show der „6-Zylinder“ die obligatorische Adventspremiere – von den zahlreichen Kindern mit Jubel begrüßt.

Von Günter Moseler

Die Szenerie hält auf Tradition: Rechts das Tischchen mit Spitzendecke und Adventskranz, ein rustikaler Holzstuhl und eine altdeutsche Stehlampe komplettieren die heimelige Atmosphäre (viel) früherer Tage. Die Kinder – die meisten auf den ersten Blick haarscharf dem treuen Glauben ans Christkind entwachsen – lauschten andächtig Henrik Leidreiters Einführung über „keksähnliche Plätzchen mit Marzipan-Nase“ und erkannten schnell „Jingle Bells“ („Nicht aufzeigen, wir sind hier nicht in der Schule!“). Schon klingelte es fröhlich aus allen Goldkehlchen.

Feierlich entzündete Leidreiter unter strenger Aufsicht eine Adventskerze („Wie viel darf ich? Zwei?“ – Neeeeeeeeein!“), gab einen Hinweis auf Gebäckverkauf zugunsten der Kinderkrebshilfe. Dann nahm der 6-Zylinder-Bass das Buch von Jörg Hilpert/Felix Janosa zur Hand und ließ Anfangszeilen vom Schweinachtsmann durch den Saal schwingen, als hätte er sie aus Meerestiefen geborgen. Da huschten die restlichen Mitspieler hinter verschleierten Stellwänden hervor, intonierten ein flottes Liedchen, verschwanden wieder und kehrten als Weihnachtsmänner und Engel(chen) zurück,, die um den Posten des hauptamtlichen Weihnachtsmanns stritten, denn der war gerade unpässlich. Primär-Qualifikation: „Dick muss er sein!“ So kommt das arglose Schwein zu seiner Berufung, verkennt allerdings die Regeln seiner Zunft, rutscht durch den Schornstein und findet es „herrlich dreckig“. Der gertenschlanke Thomas Michaelis bewies als Schweinachtsmann folgerichtig beträchtliche Leibesfülle, die Steckdosennase hüpfte bei jedem Wort und jedem Rülpser mit.

Das Quintett demonstrierte mit ihrer Comedy-Schlittenfahrt die hohe Kunst des A-cappella-Gesangs („War das nicht der Weihnachtsmann, der da um die Ecke kam?“), surfte rasant in polyphonen Stimmführungen und Modulationen durch Höhen und Tiefen eleganter Arrangements, in denen auf Stippvisite auch Bachs berühmtes „Air“ anklang. Irgendwann kapitulierte der Schweinachtsmann: Der Job sei „zu anstrengend“. Darauf nahte der Kinderchor der Astrid-Lindgren-Schule, und in Hochstimmung gelang ein weihnachtlicher Ausklang ohne Weihrauchnebelschwaden.



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