Aktion „Blickpunkt Menschen“ in der Pfarrei St. Lamberti
Wege gegen die Einsamkeit

Münster -

Orangene Buttons signalisieren die Gesprächsbereitschaft: Die Pfarrei St. Lamberti hat die Aktion „Blickpunkt Menschen“ gestartet. Sie soll Wege aus der Einsamkeit weisen.

Montag, 10.12.2018, 17:20 Uhr aktualisiert: 10.12.2018, 20:34 Uhr
Stellten die Aktion „Blickpunkt Menschen“ vor (v.l.): Prof. Dr. Friedrich Dieckmann (Leiter des Instituts für Teilhabeforschung an der Katholischen Hochschule NRW Münster), Prof. Dr. Susanne Boshammer (Institut für Philosophie der Universität Osnabrück), Andrea Hansen (Moderatorin), Stephan Orth (Vorstandsmitglied des Pfarreirats von St. Lamberti und Initiator der Aktion) und Prof. Dr. Thomas Reker (Ärztlicher Direktor der LWL-Klinik Münster und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie).
Stellten die Aktion „Blickpunkt Menschen“ vor (v.l.): Prof. Dr. Friedrich Dieckmann (Leiter des Instituts für Teilhabeforschung an der Katholischen Hochschule NRW Münster), Prof. Dr. Susanne Boshammer (Institut für Philosophie der Universität Osnabrück), Andrea Hansen (Moderatorin), Stephan Orth (Vorstandsmitglied des Pfarreirats von St. Lamberti und Initiator der Aktion) und Prof. Dr. Thomas Reker (Ärztlicher Direktor der LWL-Klinik Münster und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie). Foto: Maria Conlan

Wer ab sofort jemanden mit orangefarbenen Buttons in der Stadt trifft, weiß: Hier ist jemand offen, miteinander in Kontakt zu kommen. Die Anstecker sind Teil eines pastoralen Projektes der Pfarrei St. Lamberti gegen Einsamkeit, eine Hilfe, um Hemmschwellen abzubauen. Die Aktion „Blickpunkt Menschen“ startete am Sonntagabend mit einer Podiumsdiskussion zum Thema „Was uns trennt. Über Einsamkeit(en) und Lösungen“ mit Experten aus den Bereichen Psychologie, Medizin und Philosophie in der Lambertikirche.

Bislang verteilen 20 Geschäftspartner in der Stadt, zum Beispiel die Firmen Schnitzler, Marc O‘Polo, Cafe Prütt oder Krawummel, 5000 Buttons für das niedrigschwellige Angebot gegen Einsamkeit in Münster.

Stephan Orth aus dem Pfarreirat hatte die Idee, als er durch eine Studie erfuhr, dass sich jeder zehnte Deutsche häufig einsam fühle, der Großteil von ihnen zwischen 18 und 39 Jahre alt. Das mag ein Student sein, der neu nach Münster gezogen ist, jemand, der den Arbeitgeber wechselte, oder ein älterer Mensch, der schon viele Bekannte verloren hat und sich nun „unfreiwillig getrennt voneinander fühlt“, so Orth. Oft fehle der Mut, andere anzusprechen. Hier soll der Button als Hinweis auf die Gesprächsbereitschaft helfen.

Moderatorin Andrea Hansen wies darauf hin, dass für viele Obdachlose ein Problem sei, von anderen übersehen zu werden. Prof. Dr. Susanne Boshammer (Philosophie) sprach über die unterschiedlichen Gründe für Einsamkeit. Die innere Einstellung dazu sei entscheidend dafür, ob diese als Mangel empfunden werde. Prof. Dr. Thomas Reker (Ärztlicher Direktor der LWL-Klinik Münster, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Diakon) lenkte den Blick auf das Stigma seelisch erkrankter Menschen, die sowieso von vielen Bereichen ausgeschlossen seien, wodurch sich Einsamkeit verstärke. Dagegen helfe das Wissen, Menschen zu haben, an die man sich wenden kann. Prof. Dr. Friedrich Dieckmann (Leiter des Instituts für Teilhabeforschung an der Katholischen Hochschule NRW Münster) fasste das Negative des Gefühls zusammen: sich nicht anerkannt und wert geschätzt zu fühlen. Manchmal können Alltagsbegegnungen helfen, wie ein Plausch beim Bäcker oder mit dem Nachbarn. Sie schafften Zugehörigkeitsgefühle. Boshammer betonte, dass Einsamkeitsgefühle zutiefst menschlich seien – und das beste Mittel dagegen, miteinander in Kontakt zu sein.

Orth denkt über weitere Aktionen nach, etwa Kooperationen mit Gastronomen oder weitere Fachgespräche. Zunächst freut er sich, wenn weitere Partner für die Aktion gewonnen werden können, auch in Stadtteilen.

 

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6249783?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker