Do., 13.12.2018

Münsters Liberale im Krisenmodus FDP stolpert über Aufnahmepraxis

Da war noch alles in Ordnung (v.l.): Für das Superwahljahr 2017 stellten sich Dietmar Uhlenbrock, Sandra Wübken und Jörg Berens zur Wahl. Alle waren offenbar auch an einem übernommenen Beschluss zur Aufnahme von Neumitgliedern beteiligt, der seit vielen Jahren gegen die Satzung der Partei verstößt.

Da war noch alles in Ordnung (v.l.): Für das Superwahljahr 2017 stellten sich Dietmar Uhlenbrock, Sandra Wübken und Jörg Berens zur Wahl. Alle waren offenbar auch an einem übernommenen Beschluss zur Aufnahme von Neumitgliedern beteiligt, der seit vielen Jahren gegen die Satzung der Partei verstößt. Foto: axr

Münster - 

Münsters FDP verstößt seit vielen Jahren bei der Aufnahme neuer Mitglieder offenbar gegen die Parteisatzung. Jetzt gibt es erste Konsequenzen.

Von Dirk Anger

Die FDP in Münster, die sich wegen der Aufnahme von 21 nicht existierenden Personen einem Schiedsverfahren des Landesverbandes gegenübersieht, bleibt im Krisenmodus: Der Kreisverband hat nach Informationen unserer Zeitung offenbar seit vielen Jahren neue Mitglieder nicht satzungskonform aufgenommen. In diesem Zuge hat die stellvertretende Kreisvorsitzende Sandra Wübken jetzt ihren Rücktritt erklärt. Sie tritt zugleich aus der Partei aus, wie sie dem Vorstand in einem Brief mitteilt.

Wie lange bei Münsters FDP die offenbar gegen die Parteisatzung verstoßende Aufnahme-Praxis von Mitgliedern in die Vergangenheit zurückreicht, wird nach Informationen unserer Zeitung gerade geklärt. Zuletzt wurde diese 2016 unter dem damaligen Vorsitzenden Jörg Berens durch Übernahme eines Beschlusses des vorherigen Vorstands genauso bestätigt. Demzufolge sollte der Mitgliederbetreuer direkt über die Aufnahme von Neulingen entscheiden. Die maßgebliche Parteisatzung sieht dagegen einen Beschluss des Kreisvorstands über Neuaufnahmen vor.

Die stellvertretende Vorsitzende Sandra Wübken übernimmt nach eigenen Worten die politische Verantwortung für „die fehlerhafte Aufnahme mehrerer Mitglieder“. Zu ihrer Rolle nimmt sie in dem Brief ebenfalls Stellung: „Ich habe – so wie es damalige Praxis war – die Namen der Mitglieder einer Überprüfung im Internet unterzogen. Leider habe ich in diesem Zusammenhang die Überprüfung der Beitragsangaben versehentlich außer Acht gelassen.“ Da sie im Internet keine negativen Einträge finden konnte, habe sie schließlich eigenverantwortlich die Aufnahmen durch den Kreisgeschäftsführer veranlasst, schreibt Wübken. Zugleich beklagt sie „persönliche Anfeindungen“ in der Partei. Der aktuelle Kreisvorstand unter Vorsitz von Manuel Lascasas bedauert Wübkens Entscheidung in einem Brief an die Mitglieder „zutiefst“. Sie habe in den vergangenen elf Jahren den guten Ruf der FDP in Münster maßgeblich mitgestaltet.

Unterdessen sieht sich der Kreisvorstand mit dem vom FDP-Landesverband angestrengten Schiedsgerichtsverfahren konfrontiert. Wer die 21 nicht existierenden Personen als Mitglieder im Internet angemeldet hat, lässt sich wohl nicht mehr klären. Ob und inwieweit eine satzungskonforme Aufnahme von Neumitgliedern in Münster diesen Vorgang verhindert hätte, ist unklar.



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