Fr., 14.12.2018

Ratsenscheid Büros statt Wohnungen: Amt zieht in York-Kaserne

Das Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit soll in die York-Kaserne umziehen.

Das Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit soll in die York-Kaserne umziehen. Foto: Oliver Werner

Münster - 

Mit Beginn des kommenden Jahres verlagert die Stadt Münster das Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit, das derzeit im Stadthaus 3 am Albersloher Weg untergebracht ist, in die York-Kaserne nach Gremmendorf. 178 Arbeitsplätze sollen dorthin verlagert werden.

Von Klaus Baumeister

Die Entscheidung fiel im nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung am Mittwochabend. Und sie wurde mit den Stimmen von CDU und Grünen getroffen, ohne dass ein Vertreter der beiden Fraktionen etwas sagte.

Also: Mit Beginn des kommenden Jahres verlagert die Stadt Münster das Amt für Grünflächen, Umwelt und Nachhaltigkeit, das derzeit im Stadthaus 3 am Albersloher Weg untergebracht ist, in die York-Kaserne nach Gremmendorf. 178 Arbeitsplätze sollen dorthin verlagert werden.

Für 300 000 Euro möchte die Stadtverwaltung zwei große Gebäudeblöcke umbauen und dann für einen Zeitraum von drei Jahren bis fünf Jahren nutzen.

„Wohnungspolitische Katastrophe"

Was auf vier Seiten im nüchternen Verwaltungsdeutsch beschrieben wird, markiert zugleich eine „wohnungspolitische Katastrophe“, so ein Insider.

Der Grund: Die York-Kaserne, für deren Erwerb die Stadt Münster sechs Jahre benötigte, wurde in der Vergangenheit immer und immer wieder als zentraler Beitrag der Stadt zur Linderung der Wohnungsnot präsentiert. 3000 Wohnungen sind geplant – bislang aber nur dem Papier nach, denn aktuell befindet sich auf dem Kasernengelände auch noch die Zentrale Unterbringungs-Einrichtung (ZUE) des Landes NRW für Flüchtlinge.

Wie in Ratskreisen zu hören ist, war es die „blanke Not“, die die Stadt zu diesem spektakulären Schritt bewogen habe. Für die seit Jahren kontinuierlich steigende Mitarbeiterzahl fehlt buchstäblich der Platz. Zuletzt scheiterten die Bemühungen, Büroflächen am Dahlweg anzumieten.

Büros könnten lange in York-Kaserne bleiben

Besonders die „technischen Ämter“, die im Stadthaus 3 untergebracht sind, platzen aus allen Nähten. „Da der Raumbedarf im Stadthaus 3 nicht mehr gedeckt werden kann, sind Auszüge von Organisationseinheiten erforderlich, heißt es in dem Beschluss.

Dem Vernehmen nach soll die Regelung gelten, bis das immer wieder diskutierte Stadthaus 4 gebaut ist. Da hierfür bislang nicht einmal ein Standort existiert, geschweige denn ein Konzept oder eine Finanzierung, halten Ratsmitglieder es für möglich, dass Büros bis weit in das nächst Jahrzehnt hinein auf dem Gelände der York-Kaserne bleiben – und damit die von der Stadt so vehement geforderte Schaffung von Wohnungen in Teilen blockiert wird.

Entscheidung mit verheerender Wirkung

Das Grünflächenamt übernimmt die Gebäudeblöcke 12 und 14, die bislang vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) genutzt wurden. Als die frühere Eigentümerin der Kaserne, die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben, im Frühjahr des vergangenen Jahres laut darüber nachdachte, die beiden Gebäudeblöcke aus dem Verkaufspaket herauszunehmen, um sie langfristig dem BAMF zur Verfügung zu stellen, gab es einen Aufschrei bei der Stadt. Sie sah ihre wohnungspolitischen Ziele gefährdet. Nicht zuletzt deshalb, so heißt es hinter vorgehaltener Hand, „ist die symbolische Wirkung der aktuellen Entscheidung verheerend“.  

: Chronologie: Münster und die Kasernen



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