Stärke und Schönheit aus eigener Kraft
Kunsthalle zeigt erstmals in Deutschland: Mary Beth Edelson

Münster -

Simpel sei die Welt, männlich und gut? In Zeiten, da die Sehnsucht nach schlichten Erklärungen allüberall wieder die Patriarchen (von Xi Jinping über Viktor Orbán bis zu Donald Trump) an die Macht schwemmt, präsentiert Merle Radtke eine feministische Künstlerin der ersten Generation: Mary Beth Edelson (Jahrgang 1933).

Freitag, 14.12.2018, 10:35 Uhr aktualisiert: 14.12.2018, 14:51 Uhr
Leonardos Abendmahl: Eine Ikone. Ein Symbol männerdominierter Kunst und Religion. Mary Beth Edelson überschreibt die Botschaft mit Köpfen von Künstlerinnen, sprengt gar den Rahmen.
Leonardos Abendmahl: Eine Ikone. Ein Symbol männerdominierter Kunst und Religion. Mary Beth Edelson überschreibt die Botschaft mit Köpfen von Künstlerinnen, sprengt gar den Rahmen. Foto: Gerhard H. Kock

In ihrer ersten Ausstellung setzt die neue Leiterin der Kunsthalle Münster damit zugleich ein deutliches Zeichen einer eigenen, souveränen Handschrift. Merkel und AKK dürfte das freuen.

Denn Mary Beth Edelson arbeitet sich nicht an Männern ab, sondern sucht bereits in den 70ern nach ureigenen Stärken, Haltungen und Ansichten. Als Frau. Es beginnt mit dem selbstverständlichen Überschreiben männlicher Bilder. Leonardos Abendmahl nimmt Edelson als Symbol männerdominierter Kunst und Religion. Sie überschreibt die Ikone nicht nur mit Köpfen von Künstlerinnen, sondern umrahmt es zudem und titelt, diese seien lediglich einige der vielen lebenden Künstlerinnen Amerikas. 

Mary Beth Edelson in der Kunsthalle Münster

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  • Foto: Gerhard H. Kock
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  • Mary Beth Edelson in der Kunsthalle Münster Foto: Gerhard H. Kock
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Ein Botschaft an die Gesellschaft: „Wir Frauen sind viele.“ Und an die Frauen: „Wir sind viele.“ Lediglich eine Arbeit reibt sich kritisch an Männerherrschaft. In den symbolischen Auslöschungen des Patriarchats widmet sie berühmte Gemälde um, die martialische Taten „bedeutender“ Männer behandeln. Auf Rembrandts „Anatomie des Dr. Tulp“ umstehen nun Ärztinnen den Leichnam, den Rahmen bildet allerdings männliches Töten.

Mary Beth Edelson holt die eigenständige Stärke der Frau auch aus den Mythen und der Natur. In den 70ern geht sie in die Natur, fotografiert dort ihre Rituale und übermalt in der Serie „Woman Rising“ schließlich ihren nackten Körper witzig ironisch mit einer Gottesanbeterin (die bekanntlich ihre Männchen frisst) oder antiken Figuren wie der Baubo, die durch das Entblößen ihres Geschlechts selbst Götter milde stimmt.

Mary Beth Edelson überträgt das Motiv der Göttinnen später auf Filmstars oder Pin-up-Girls und verbindet diese mit spirituellen Naturgottheiten. Gleichsam schlägt sie einen Bogen von den steinzeitlichen Muttergöttinnen bis hin zu Wonder Woman. Denn für Edelson ist Emanzipation nicht nur Rückbesinnung und Vergegenwärtigung, sondern auch Kampf. Die Werkgruppe der schießenden Frauen verbildlicht dies metaphorisch. Auf einem raumhohen, durchschimmernden Chiffon-Vorhang sitzt Filmstar Gena Rowlands friedlich am Schminktisch, aber im Spiegel hat sie eine Waffe in der Hand.

Wer die Ausstellung besichtigt, sollte Zeit mitbringen, um die detailreichen Bilder zu erfassen.

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Die Ausstellung wird am Freitag (14. Dezember) um 19 Uhr in der Kunsthalle Münster, Hafenweg 28, eröffnet. Der Eintritt ist frei.

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