Umfrage zu Ernährungs- und Einkaufsverhalten
Für Gutes wird gern mehr bezahlt

Münster -

Sage mir, wie du isst, und ich sage dir, wer du bist: Ernährung und das Kaufverhalten bei Lebensmitteln haben bisweilen den Status von Glaubensfragen erreicht. Wo kaufen FDP-Wähler? Wer geht in den Biomarkt? Und was ist jungen Menschen wichtig? Das Münster-Barometer unserer Zeitung hat interessante Ergebnisse zutage gefördert. [Mit Video]

Samstag, 15.12.2018, 13:00 Uhr
Umfrage zu Ernährungs- und Einkaufsverhalten: Für Gutes wird gern mehr bezahlt
Foto: Marcel Kusch/dpa

Die beliebteste Anlaufstelle der Münsteraner für den Lebensmitteleinkauf ist der klassische Supermarkt. Gemeint sind damit Filialen etwa der Ketten Rewe oder Edeka. Das gilt für die gesamte Bevölkerung – unabhängig von Alter und Einkommen und politischer Orientierung. Dies ist sehr eindeutig Ergebnis des jüngsten Münster-Barometers, der regelmäßig von unserer Zeitung bei der Forschungsgruppe Bema am Institut für Soziologie der Universität Münster in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage.

83 Prozent der Münsteraner geben an, immer oder häufig in den klassischen Supermärkten zu kaufen. Am zweitliebsten steuern die Münsteraner Discounter, wie Lidl oder Aldi an, die mit besonders günstigen Preisen werben.

Entfernung zum Supermarkt ist wichtiges Kriterium

Dabei erklärt lediglich rund ein Viertel der Münsteraner, beim Lebensmitteleinkauf auf besonders günstige Preise zu achten. Gleichzeitig betonen rund 89 Prozent der in Telefoninterviews Befragten, dass sie für guten Geschmack gern etwas mehr Geld ausgeben. Auch diese Aussage zieht sich durch alle Bevölkerungsgruppen.

Auch Münsteraner mit einem unterdurchschnittlichen Einkommen unterschreiben zu über 70 Prozent diese Aussage. Auffällig: Besonders jüngere Münsteraner unter 40 Jahren sagen, sie geben für guten Geschmack gern mehr aus. Gleichzeitig sind sie auch Gruppe, die am stärksten auf günstige Preise achtet.

Wichtig ist den Münsteranern außerdem beim Einkauf der Aspekt der gesunden Ernährung (rund 70 Prozent) und die Nähe zum Geschäft. Rund 58 Prozent machen davon wesentlich abhängig, wo sie ihre Lebensmittel einkaufen. Knapp 40 Prozent achten immer oder häufig beim Einkauf auf Bio- und Öko-Prüfsiegel.

Ernährungs- und Einkaufsverhalten in Zahlen

1/8
  • Der klassische Supermarkt ist bei den Münsteranern am beliebtesten. Gefolgt von den günstigeren Discountern wie Aldi oder Lidl. Immerhin knapp 40 Prozent der Befragten kaufen ihre Lebensmittel auf dem Wochen- und 20 Prozent auf dem Biomarkt. Letzterer ist vor allem bei Frauen und Menschen mit überdurchschnittlichem Einkommen beliebt.

    Foto: Lisa Stetzkamp (Grafik)
  • Wie es sich für die Fahrradhauptstadt gehört, ist die Leeze das Verkehrsmittel Nummer eins beim Einkauf. Immerhin jeder dritte Münsteraner wohnt aber nicht weit vom nächsten Markt entfernt und geht auch mal zu Fuß einkaufen.

    Foto: Lisa Stetzkamp (Grafik)
  • Die Münsteraner sind sich größtenteils einig: Gutes Essen darf auch gerne etwas mehr kosten. Vor allem die jüngeren Münsteraner unter 40 Jahren stimmen der Aussage zu.

    Foto: Lisa Stetzkamp (Grafik)
  • Hier gehen die Meinungen auseinander: Während eine große Gruppe vor allem auf günstige Preise achtet, geben genauso viele Münsteraner an, nicht nach der Schnäppchen-Methode einkaufen zu gehen.

    Foto: Lisa Stetzkamp (Grafik)
  • Auf ein Öko- und Bio-Siegel achten etwa 65% der Münsteraner. Nur jedem Zehnten ist das Siegel gleichgültig.

    Foto: Lisa Stetzkamp (Grafik)
  • Nur jeder vierte Münsteraner ist von Tierschutz genervt, jeder zweite hält ihn für sehr wichtig.

    Foto: Lisa Stetzkamp (Grafik)
  • Möchte ich für einen Lebensmitteleinkauf einen weiten Weg auf mich nehmen? Die Münsteraner sind sich größtenteils einig und sagen: Nein, das muss nicht sein.

    Foto: Lisa Stetzkamp (Grafik)
  • Vielleicht nur ein Vorurteil, vielleicht eine Selbstüberschätzung: In der Studentenstadt Münster geben besonders viele Menschen an, auf eine gesunde Ernährung zu achten.

    Foto: Lisa Stetzkamp (Grafik)

Obgleich gesunde Ernährung einen sehr hohen Stellenwert bei den Münsteraner beim Lebensmitteleinkauf besitzt, ist für eine deutlich kleinere Menge der Wochenmarkt (38 Prozent) oder ein Biomarkt (22 Prozent) die bevorzugte Einkaufsadresse. Münsteraner mit überdurchschnittlichem Einkommen sind hier überproportional vertreten.

Frauen kaufen öfter im Biomarkt

Was viele Untersuchungen ermittelt haben, bestätigt sich auch beim Münster-Barometer: Frauen achten stärker auf gesunde Ernährung. Dementsprechend kaufen sie auch deutlich häufiger in Biomärkten ein als Männer. Letztere wiederum gehen häufiger als Frauen zum Discounter.

So erledigen Münsteraner ihren Lebensmitteleinkauf

Wie erledigen die Münsteraner ihre Lebensmitteleinkäufe? Die Antwort: Dafür benutzen die meisten – wie übrigens für andere Wege in der Stadt auch – bevorzugt das Fahrrad. 58,3 Prozent der Befragten fahren „immer“ (23,4 Prozent)  oder „häufig“ (34,9 Prozent) mit dem Fahrrad zum Lebensmitteleinkauf.

Zweitliebstes Vehikel beim Weg zum Lebensmittelladen ist das Auto. Zusammen fast 50 Prozent nutzen es Immer (22,7 Prozent) oder häufig (27,1 Prozent).  Deutlich weniger Münsteraner (34,8 Prozent) gehen meistens zu Fuß, um einzukaufen. 10,2 Prozent tun das immer, 24,2 Prozent häufig. Mit dem Bus hingegen wird sehr selten zum Lebensmitteleinkauf gefahren: 6,7 Prozent sagen, dass sie dies immer (1,9 Prozent) oder häufig (4,8 Prozent) tun.

Diejenigen, die den Bus benutzen, sind hautsächlich ältere Menschen über 65 Jahre. Freuen und jüngere Leute unter 40 Jahren fahren zu ganz großen Teil mit dem Fahrrad.

Die überwiegende Mehrheit kauft selbst für den Haushalt Lebensmittel ein (83,7 Prozent), Frauen  (91,3 Prozent) noch mehr als Männer (71,2 Prozent).

...

Der Wochenmarkt hat deutlich mehr ältere Kunden, fast 48 Prozent der über 65-Jährigen kaufen hier „immer“ oder „häufig“ ein, aber nur 22 Prozent der unter 40-Jährigen. Die Jüngeren steuern zu einem besonders hohen Anteil (62 Prozent) bevorzugt Discounter an, sind hier häufiger treue Kunden als Ältere.

22,2 % der Münsteraner neigen zu Fleischverzicht

Wie viele Münsteraner sind Vegetarier? Die Frage „Essen Sie üblicherweise vegetarisch?“ bejahten 22,2 Prozent der Befragten. Die Bema-Forschungsgruppe, die die Studie in Münster durchführt,  ist sich darüber klar, dass auf diese Weise auch sogenannte „Flexitarier“ die Möglichkeit hatten, hier ja zu sagen. Flexitarier verzichten weitgehend auf Fleisch, lassen aber etwa den Braten  nicht liegen, wenn er bei einer Einladung serviert wird.

Nach einer Umfrage der Allensbacher Marktanalyse bezeichnen sich bundesweit aktuell etwa acht Prozent der Bevölkerung über 14 Jahren als Vegetarier. Nach dem Münster-Barometer gilt: Jüngere neigen eher dazu, sich vegetarisch zu ernähren als Ältere. Aber selbst 18 Prozent der über 65-Jährigen in Münster verzichten nach eigener Aussage üblicherweise auf Fleisch. Frauen (25 Prozent)  bevorzugen deutlich häufiger vegetarische Ernährung als Männer (17,6 Prozent). Wähler der Grünen und der Linken verzichten viel häufiger auf Fleisch als Anhänger von CDU und FDP.

...

Auch die politische Orientierung spielt beim Lebensmitteleinkauf der Münsteraner eine Rolle. Anhänger der Grünen bevorzugen erwartungsgemäß etwas stärker den Biomarkt, Wähler der CDU sind hier deutlich unterrepräsentiert. Wer die FDP wählt, meidet Discount-Märkte, SPD-Wähler kaufen hier verstärkt „immer“ ein.

Link zu Ernährungsexperiment

In dem Ernährungs-Special "Das Essperiment" der Zeitungsgruppe Münsterland, das kürzlich mit dem Journalistenpreis Münsterland ausgezeichnet wurde, gibt es weitere Informationen rund um das Thema Ernährung, Trends und Einkaufsverhalten. Zum Special geht es hier .

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6259339?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker