Ausverkauf am Hafen ohne Ausschreibung
Schwarz-Grün ist von Verkaufspraxis überzeugt

Münster -

Erst hat sich Schwarz-Grün bedeckt gehalten, jetzt haben die Fraktionschefs aber doch zum Ausverkauf von Stadtwerke-Grundstücken am Hafen Stellung bezogen.

Samstag, 15.12.2018, 16:00 Uhr aktualisiert: 15.12.2018, 16:29 Uhr
Eine intransparente Grundstücksvergabe am Hafen beklagen nicht nur SPD und Linke. 
Eine intransparente Grundstücksvergabe am Hafen beklagen nicht nur SPD und Linke.  Foto: Matthias Ahlke

Der Ausverkauf von Stadtwerke-Grundstücken am Hafen – mindestens ein Dutzend Immobilien wurden in den zurückliegenden 15 Monaten ohne Ausschreibung zur Verkaufsreife gebracht – ist zuletzt bei SPD und Linken auf Kritik gestoßen. Dagegen sieht das Ratsbündnis aus CDU und Grünen derzeit keinen dringenden Handlungsbedarf, diese Verkaufspraxis zu ändern. „Die Angelegenheit steht derzeit in der CDU-Ratsfraktion nicht auf der Tagesordnung“, teilte Ratsfraktionschef Stefan Weber auf Nachfrage mit.

Er verteidigte zugleich das bisherige Vorgehen: „Der Verkauf von Grundstücken ohne Ausschreibung kann zweifellos sinnvoll sein, um nicht dem Kriterium des Höchstpreises anheimzufallen.“ Städtebauliche Qualität mit menschlichem Lebensumfeld lasse sich nicht immer mit der Vergabe nach Höchstpreisen erreichen, sagte Weber zur derzeitigen Praxis, die bei Vertretern von Hafen-Initiativen wegen mangelnder Transparenz kritisch beäugt wird. Hinter vorgehaltener Hand halten es auch CDU-Ratsvertreter für schwierig, dass sie in der Vergangenheit Grundstücksgeschäfte, die im Stadtwerke-Aufsichtsrat durchgewunken worden waren, zur Abstimmung vorgelegt bekamen. „Was sollen wir dann noch machen?“

Grünen-Fraktionschef Otto Reiners hält aus Gründen der Stadtentwicklung eine Grundstücksvergabe ohne Ausschreibung für sinnvoll. „Nur so kann der gestalterische Anspruch der Kommune berücksichtigt werden“, erklärte Reiners. Im Übrigen stellt sich aus seiner Sicht das Thema nicht mehr: „Zum heutigen Zeitpunkt hat sich die Frage erübrigt, da für fast alle Flächen in den letzten Jahren eine städtebauliche Entwicklung erfolgte.“

Abriss der Osmo-Hallen: Wie sich das Gesicht des Hafens ändert

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  • Abschied von den Osmo-Hallen: Ein großer Teil des alten Industriegebäudes ist bereits abgerissen.

    Foto: Oliver Werner
  • Auf der freien Fläche am Wasser plant die LVM einen Gebäudekomplex mit Büros, Restaurants und Wohnungen. Auf dem Nachbargrundstück (rechts) wollen Andreas Deilmann und Rainer M. Kresing...

    Foto: Matthias Ahlke
  • ...Wohnungen bauen. Es handelt sich um die weißen Gebäude auf diesem Plan der Stadt Münster.

    Foto: Stadt Münster
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    Im Münster-Modell stehen die Neubauten am Hafen schon. Beim LVM-Gebäude in der Mitte sind schon viele Details zu erkennen. Links davon ist die geplante Erweiterung des Coppenrath-Verlags, rechts die des Kuhr-Speichers zu sehen. Das braune Gebäude am linken oberen Rand ist das im Bau befindliche Hafencenter.

    Foto: Oliver Werner
  • Das über die Wasserkante hinausragende Dach der Osmo-Hallen wird als Wahrzeichen des Hafens in abgeänderter Form erhalten bleiben. Darunter will die LVM eine überdachte, öffentlich zugängliche Freifläche errichten.

    Foto: Oliver Werner
  • Während der Bereich zwischen Wasserkante und Hafenweg fast schon komplett freigeräumt ist, haben die Arbeiten bei den hinteren Hallenteilen noch gar nicht begonnen.

    Foto: Oliver Werner
  • Da es für das Projekt von Deilmann und Kresing, das sich vom Hafenweg bis zur Schillerstraße erstreckt, noch kein Baurecht gebe, werde auch jetzt noch nicht abgerissen, heißt es.

    Foto: Oliver Werner
  • Die hinteren Hallenteile werden laut Deilmann-Projektentwicklung „frühestens in zwei Jahren″ abgerissen.

    Foto: Oliver Werner
  • Das LVM-Projekt ist da schon wesentlich weiter.

    Foto: Oliver Werner
  • Nur ein Teil der Halle des ehemaligen "Heaven" (im Hintergrund) steht noch.

    Foto: Oliver Werner
  • Zudem müssen noch einige Teile der Dachkonstruktion über dem Hafenweg entfernt werden.

    Foto: Oliver Werner
  • Bis Anfang September soll die alte Halle auf dem LVM-Gelände komplett demontiert sein.

    Foto: Oliver Werner
  • Auch auf der anderen Hafen-Südseite (links) ändert sich gerade einiges.

    Foto: Oliver Werner
  • Diese Lagerhalle im Eigentum der Stadtwerke verschwindet.

    Foto: Oliver Werner
  • Auch das Bürogebäude des früheren Gefahrgutlagers Lehnkering wird abgerissen. Damit wolle man Vandalismus zuvorkommen, sagt Stadtwerke-Pressesprecher Florian Adler. Für die alte Betonhalle von Lehnkering gibt es andere Pläne...

    Foto: Matthias Ahlke
  • Die Vollkorn-Bäckerei Cibaria will dort eine gläserne Backstube bauen.

    Foto: Entwurf Archplan, Visualisierung Loom
  • Wenn alles glatt läuft, soll auf der Südseite zudem ab Ende 2019 eine 700 Meer lange und bis zu 15 Meter breite Promenade entstehen. 

    Foto: Matthias Ahlke
  • Entlang der Hafenkante soll ein Geländer für Sicherheit sorgen. Clou des Entwurfs: zwei Sonnenterrassen, die über dem Wasser schweben.

    Foto: scapa - landschaftsarchitekten
  • Auf der Südseite hat sich in den letzten Jahren ohnehin schon mehr getan als gegenüber: (V.r.n.l.) Das Wolfgang-Borchert-Theater ist in den umgebauten Flechtheimspeicher gezogen. Auch der Rhenusspeicher wurde kernsaniert. Neu ist der Bürokomplex "Dock 14", in dem ein Dutzend Firmen untergebracht sind.

    Foto: Oliver Werner
  • Daneben hat der "SuperBioMarkt" eine neue Zentrale gebaut. 

    Foto: Oliver Werner
  • Schließlich hat die Hafenkäserei eine Heimat in Münster gefunden.

    Foto: Oliver Werner

Etwas reservierter zeigte sich der Grünen-Fraktionschef bei der Überführung von Erbbaurechten in Grundstückseigentum: „Generell gilt, dass bei den steigenden Bodenpreisen und den niedrigen Zinsen ein Verkauf aus der Sicht der Stadt wirtschaftlich und gestalterisch langfristig gesehen nicht immer attraktiv ist.“ Die Grünen werden „wie in der Vergangenheit sehr genau hinschauen, wenn Erbpachtgrundstücke verkauft werden“, versprach Reiners. Was sich aber weitgehend erledigt haben dürfte, wie der Grüne selbst zu erkennen gibt: „Die Stadtwerke verfügen mittlerweile auch nicht mehr über Flächen, die in Erbpacht vergeben werden könnten.“

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