Hilfe ukrainischem Hospiz
Hilfe auf Augenhöhe

Münster -

Hospiz hilft Hospiz: Heike Bönninghausen vom Johannes-Hospiz hat nach einem Besuch in einem ukrainischen Hospiz Spenden gesammelt. Die Hilfe wirkt. Doch jetzt passiert noch mehr.

Mittwoch, 19.12.2018, 18:00 Uhr aktualisiert: 19.12.2018, 19:10 Uhr
Bilder aus dem ukrainischen Hospiz schauen sich Michael Roes (v.l.), Ludger Prinz, Andreas Stähli und Heike Bönninghausen an.
Bilder aus dem ukrainischen Hospiz schauen sich Michael Roes (v.l.), Ludger Prinz, Andreas Stähli und Heike Bönninghausen an. Foto: Björn Meyer

Als Heike Bönninghausen im Sommer von einer Hospitation beim Hospiz im ukrainischen Iwano-Frankiwsk wiederkam, da wollte sie helfen. Weil sie gesehen hatte, mit welch geringen Mitteln die Kollegen in der Ukraine auskommen mussten. Und weil sie beobachten konnte, mit welchem Einsatz sie das taten. Bönninghausen wandte sich damals an die Geschäftsführung des Johannes-Hospizes und via unserer Zeitung auch an die Öffentlichkeit.

„Wir haben viele Rückmeldungen bekommen. Fast 4000 Euro haben Münsteraner gespendet, dazu haben wir Sachmittel von Firmen erhalten“, erzählt Bönninghausen.

Doch es passierte noch mehr. Denn nach ihren Erzählungen entschied sich auch die Leitung des Johannes-Hospizes, sich die Hospizarbeit in der Ukraine mal genauer anzusehen. Durch Dr. Andreas Stähli, Leiter der Akademie am Johannes-Hospiz, bestanden bereits Kontakte. „Die wollten wir vertiefen“, sagt Michael Roes, Leiter des stationären Hospizes, der gemeinsam mit Heike Bönninghausen und Geschäftsführer Ludger Prinz die Reise in die Ukraine antrat.

Ärmlichste Verhältnisse

Man sei auf vieles vorbereitet gewesen, aber letztlich nicht auf das, was die Delegation aus Münster erwartete. Auf der einen Seite ärmlichste Verhältnisse. „Das sah aus wie nach dem Krieg“, sagt Roes und konkretisiert: „Betten aus den 40er-Jahren und Löcher in den Wänden.“

Auf der anderen Seite aber waren die Münsteraner auch überrascht: „Es lief alles sehr strukturiert, hochmotiviert, mit viel Eigeninitiative und Improvisationskünsten“, sagt Prinz.

Für ihn stand fest, dass man mehr helfen möchte. Und das ist gar nicht so einfach. Denn auch die Hospizarbeit in Deutschland ist auf Spenden angewiesen. Doch Prinz stellt klar: „Es gibt bestimmt Ressourcen, die wir hier nicht ausschöpfen und Kontakte, die wir herstellen können.“

Kollegialität steht im Vordergrund

Dringendste Aufgabe derzeit ist die Beschaffung von 35 mechanischen Betten. Prinz schrieb unter anderem die St.-Franziskus-Stiftung an und ist zuversichtlich, die Betten auch zusammenzubekommen. Danach wird es darum gehen, diese in die Ukraine zu bringen.

Eins aber ist den Münsteranern wichtig: Bei dem Kontakt in die Ukraine gehe es nicht nur um Unterstützung. Es sei eindeutig auch eine Kollegialität auf Augenhöhe, und beide Seiten könnten, ganz unabhängig von den finanziellen Mitteln, voneinander lernen. „Hospizeinrichtungen in Europa tun gut daran, sich zu vernetzen“, findet Dr. Andreas Stähli.

In der Ukraine hat man das offenbar verstanden. Als die Münsteraner aus dem Johannes-Hospiz dort eintrafen, waren nicht nur hochrangige Vertreter der Universität vor Ort, sondern auch das Fernsehen. „Wir haben große Wertschätzung erfahren, aber das beinhaltet auch eine große Verantwortung“, sagt Michael Roes.

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