Überraschungsfund im Antiquitätenladen
Verschollene Stadtwappen wieder da

Münster -

Der Münsteraner Klaus Grause hat einen überraschenden Fund in einem Antiquitätenladen gemacht. Er entdeckte zwei alte gusseiserne Platten mit den Stadtwappen von Münster und Osnabrück. Bei seinen Recherchen kam er dem Schöpfer der Kunstwerke auf die Spur.

Samstag, 22.12.2018, 10:00 Uhr
Die beiden Brüder Klaus (l.) und Heinz Grause vor dem gusseisernen Plattenpaar mit den Stadtwappen von Münster und Osnabrück.
Die beiden Brüder Klaus (l.) und Heinz Grause vor dem gusseisernen Plattenpaar mit den Stadtwappen von Münster und Osnabrück. Foto: kal

Sie waren verschollen, jahrzehntelang. Wo genau sich die beiden gusseisernen Platten mit den Stadtwappen von Münster und Osnabrück befanden, ist unklar. „Der Inhaber des Antiquitätengeschäftes, in dem ich sie entdeckt habe, sagte zunächst, dass sie von einem Bauernhof in Sendenhorst stammen – wollte davon jedoch später nichts mehr wissen“, erinnert sich Klaus Grause. „Vielleicht wollte er ja die Quelle einfach nicht nennen.“ Was mit der Geschichte der Platten zu tun haben könnte. Doch dazu später mehr.

Klaus Grause hatte früher eine Galerie an der Ecke Salzstraße/Promenade. Als er 2011 schwer krank wurde, musste er sie aufgeben. Nach der Genesung verbrachte er die Zeit damit, Antikmärkte und Museen zu besuchen. Sein Bruder Heinz bestärkte ihn darin – „er ist auch ein Liebhaber von Antiquitäten“, sagt Klaus Grause.

Zwei Stadtwappen entdeckt

Eines Tages entdeckte er in einem Geschäft in der Innenstadt die beiden Stadtwappen. Sie waren in einem schlechten Zustand. Klaus Grause überzeugte seinen Bruder, die jeweils 45 Kilogramm schweren gusseisernen Platten zu kaufen. „Da hast Du ja jetzt etwas, zu dem Du recherchieren kannst“, sagte Heinz Grause.

Und das tat der Bruder dann auch. Er sprach mit Kunstexperten und Archivaren, nahm Kontakt zum Stadtarchiv, zum Stadtmuseum und zum Landesmuseum auf. Einen entscheidenden Schritt weiter brachte ihn der frühere Leiter des Staatsarchivs in Münster, Prof. Dr. Hans-Joachim Behr.

„Da haben Sie zweifelsohne einen interessanten Fund gemacht“, sagte Behr zu Klaus – und lenkte die Spur auf einen Grafiker aus Münster, mit dem er mal zusammengearbeitet hatte: Waldemar Mallek. „Das ist sein Stil“, so Behr.

Kunstwerke nach Kriegsende geplündert

Mallek lebte von 1906 bis 1998. 1931 ließ er sich in Münster als Gebrauchsgrafiker nieder, beschäftigte sich mit Heraldik, also Wappenkunde. In den folgenden Jahren machte er Karriere, schuf unter anderem das Wappen der Stadt Münster auf dem Briefkopf des Oberbürgermeisters.

Für die im Jahr 1940 geplante Reichausstellung wurde neben 50 weiteren Künstlern auch Waldemar Mallek mit einem Auftrag versehen. Klaus Grause vermutet, dass er aus diesem Anlass die beiden gusseisernen Platten schuf. Ausgestellt wurden sie jedoch nie. Die Ausstellung wurde nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges abgesagt. Die bereits fertigen Kunstwerke wurden auf Schloss Wöbbel in Ostwestfalen ausgelagert. Nach Kriegsende kamen etliche abhanden, im Klartext: Sie wurden geplündert. Gerieten dabei die Stadtwappen in die Hände jener Person, die sie später an einen Antiquitätenhändler in Münster verkaufte?

Nebenbei: „Die Wappen wurden auch schon mal dem Stadtmuseum angeboten“, hat Klaus Grause auf Nachfrage erfahren. Das Museum war nicht interessiert, die entsprechende E-Mail wurde gelöscht. Wer damals der Anbieter war, kann damit laut Grause nicht mehr nachvollzogen werden.

Weiteres Vorgehen ungewiss

Wie auch immer – die beiden Brüder haben sich inzwischen liebevoll um die vermutlich aus den 1930er-Jahren stammenden Platten gekümmert. Sie ließen sie aufwendig restaurieren, das münsterische Wappen wurde sogar mit Blattgold versehen.

Wie es nun mit den Platten weitergeht, ist ungewiss. „Ich könnte sie am Kamin anbringen“, sagt Heinz Grause. Doch viel lieber würde er sie an einem Ort zeigen, wo sie von vielen Menschen gesehen werden. „Das neue Restaurant im Stadthaus 1 wäre doch ein toller Ort“, sagt Heinz Grause.

Ein Wappen der beiden Friedensstädte Münster und Osnabrück in einem Restaurant, das den Namen „1648“ tragen wird – das ist doch eigentlich gar keine schlechte Idee.

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