Interview mit Spielzeugverkäufer Christian Thiemeyer
Per Kinderblick ins Paradies

Münster -

Nach Weihnachten stellt sich bei Christian Thiemeyer eine „gewisse Zufriedenheit“ ein. Für Kunden hat der Verkäufer einen entscheidenden Tipp, wie der Spielzeugkauf richtig Spaß macht.

Samstag, 22.12.2018, 18:00 Uhr
Christian Thiemeyer arbeitet in der Technik-Abteilung des Kinderkaufhauses Mukk.
Christian Thiemeyer arbeitet in der Technik-Abteilung des Kinderkaufhauses Mukk. Foto: Matthias Ahlke

Seit drei Jahren verkauft Christian Thiemeyer Spielzeug beim Kinderkaufhaus Mukk. Der 41-jährige Münsteraner und Preußen-Fan ist unter anderem für den Technik-Bereich und den Online-Shop mitverantwortlich. Über den Faktor Zeit beim Weihnachtseinkauf, digitale Wunschzettel, moderne Drachen und warum er selbst zu Hause mittlerweile Spielzeug hat, darüber sprach Thiemeyer mit unserem Redakteur Björn Meyer.

Herr Thiemeyer, welcher ist Ihr Lieblingsweihnachtssong?

Thiemeyer: Ehrlich gesagt höre ich nicht viel Weihnachtsmusik. Früher wurde hier im Laden Weihnachtsmusik gespielt, aber das machen wir nicht mehr, irgendwann kann das ja auch nervig werden. Wir haben genug Trubel hier, alleine schon an den Spielstationen. Es gibt überall etwas auszuprobieren. Da wird es dann schon laut genug. Musik spielen wir dann höchstens an Heiligabend.

Wird denn an Heiligabend wirklich noch Spielzeug gekauft?

Thiemeyer: Da ist schon durchaus noch was los. Die großen Geschenke sind natürlich schon besorgt, aber Kleinigkeiten werden auch kurz vor dem Fest noch gekauft.

Kommen die Kunden denn auch schon mal mit den Wunschzetteln der Kinder an?

Thiemeyer: Ja, das passiert. Häufig sind das Bilder, die aus einem Spielzeugkatalog ausgeschnitten sind oder aber – die moderne Variante – per Handy abfotografiert.

Wie oft müssen Sie privat Spielzeug besorgen?

Thiemeyer: Das hält sich in Grenzen. Für die Familie schon, aber bei Freunden kommt das eigentlich nicht vor. Allerdings habe ich mittlerweile selbst eine Carrera-Bahn zu Hause.

Ist das schon seit Kindertagen ein Hobby?

Thiemeyer: Ehrlich gesagt erst seitdem ich hier arbeite. Klar, mein Bruder hatte früher auch so eine Bahn, allerdings nicht von Carrera. Aber als Hobby habe ich es erst als Erwachsener entdeckt. Früher hatte ich auch mal eine Modelleisenbahn, aber die ist heute aus den Spielwaren-Abteilungen kom­plett verschwunden und nur noch im Fachhandel für Eisenbahnen zu finden. Kinder wollen heute mehr Action.

Wohin geht denn der Trend beim Spielzeug?

Thiemeyer: Viele Kunden fragen nach Sachen, mit denen Kinder aktiv etwas machen können. Etwas bauen oder eben richtig Action machen können. Dinge, um die Kinder weg von Spielkonsole, TV und Handy zu bringen. Selber fahren, statt nur auf der Konsole. Auch Gesellschaftsspiele sind nicht verloren gegangen. Viele Menschen wollen zusammen spielen.

Was sollten Eltern und Großeltern denn lieber nicht kaufen?

Thiemeyer: Ich will da nichts Konkretes nennen. Aber man sollte sich schon überlegen, wie sinnvoll manche Spielsachen sind. Für Spielsachen, die über Generationen hinweg gespielt werden können, lohnt es sich sicher, auch etwas mehr Geld auszugeben.

Und Sie persönlich – eher Lego oder Playmobil?

Thiemeyer: Ich war ein Lego-Kind.

Matchbox oder Siku?

Thiemeyer: Siku. Die haben hochwertige und viele originalgetreue Sachen. Kinder wollen genau das, was sie draußen auch sehen. Genau den Bagger von der Baustelle oder den Traktor vom Feld.

Monopoly oder Cluedo?

Thiemeyer: Monopoly.

Und Puzzle oder Zauberwürfel?

Thiemeyer: Eher Puzzle, einen Zauberwürfel hatte ich nie.

Freuen Sie sich eigentlich, wenn Weihnachten vorbei ist?

Thiemeyer: Es ist schon eine anstrengende Zeit, aber auch eine, in der man vielen Kunden weiterhelfen kann. Das macht natürlich auch Freude. Ich würde sagen, zwölf Monate könnte man das nicht durchhalten, aber trotzdem verspürt man nach der Weihnachtszeit eine gewisse Zufriedenheit.

Was sollten Kunden beim Weihnachtseinkauf auf keinen Fall machen?

Thiemeyer: Ich möchte die Frage gerne herumdrehen. Häufig ist da eine gewisse Ungeduld zu spüren. Alles soll schnell gehen. Dabei geht es doch um die Kinder, unsere Zukunft, nicht um Hektik. Ich denke, die Kunden sollten sich Zeit für eine Beratung nehmen, sich umschauen und das Ganze aus Kindersicht betrachten. Hier geht es um Spielzeug, und das soll doch Spaß machen.

Was würden Sie denn einem Zehnjährigen kaufen, wenn Sie noch kein Geschenk hätten?

Thiemeyer: Ich würde einen Quadrocopter kaufen. Das ist jetzt nicht unbedingt ein Geschenk nur für Kinder, sondern sollte mit Erwachsenen gemeinsam ausprobiert werden. Und genau das ist es doch, hier können Vater und Sohn oder auch Mutter und Tochter gemeinsam etwas machen. Die lassen sich per Bewegungssensor ganz leicht per Handbewegungen bedienen. Heutige Drohnen sind die Drachen von früher – wobei man sagen muss, dass es Drachen natürlich auch noch gibt.

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