Allein in Münster werden über 100 Gottesdienste gefeiert
Heiligabend: Das Fest der vollen Kirchen

Münster -

Heiligabend ist eigentlich nur der Auftakt des Weihnachtsfestes, das am Vorabend des ersten Weihnachtstages beginnt. Doch für die meisten ist dieser Vorabend zum eigentlichen Festtag geworden: An Heiligabend sind die Kirchen traditionell überfüllt. In Münster werden über 100 Gottesdienste gefeiert.

Montag, 24.12.2018, 09:00 Uhr
In den Kirchen der Stadt werden Heiligabend über 100 Gottesdienste gefeiert. Fast alle sind außergewöhnlich gut besucht – wie hier die Christmette im Dom (Archivbild von 2014).
In den Kirchen der Stadt werden Heiligabend über 100 Gottesdienste gefeiert. Fast alle sind außergewöhnlich gut besucht – wie hier die Christmette im Dom (Archivbild von 2014). Foto: Wilfried Gerharz

Wegen Überfüllung geschlossen? Auf keinen Fall! Das überregional beachtete Beispiel der evangelischen Kirchengemeinde Essen-Haarzopf, die für ihre Heiligabend-Gottesdienste nach Engpässen im Vorjahr nun ein Eintrittskartensystem einführt, dürfe in Münster nicht Schule machen. Da sind sich Stadtdechant Jörg Hagemann vom katholischen Stadtdekanat und Superintendent Ulf Schlien vom evangelischen Kirchenkreis einig.

„Wir sind offen und einladend“, sagt der Superintendent. „Dann müssen wir auch mit dem Risiko leben: Wenn es voll ist, ist es voll.“ Und der Stadtdechant hält überfüllte Kirchen allenfalls für ein „logistisches Problem“: „Manchmal gibt es in den Windfängen keine Stehplätze mehr“, berichtet Hagemann. Deshalb ist das Angebot am 24. Dezember so groß. Allein im Stadtdekanat Münster werden 53 Gottesdienste gefeiert, vom Krippenspiel um 14.30 Uhr in St. Stephanus bis zum Pontifikalamt um 23 Uhr im Dom. Der Kirchenkreis bietet in der Region Münster 48 Gottesdienste aller Formen an.

„Wir legen großen Wert darauf, dass es ein Angebot gibt, dass zu den Menschen passt“, sagt Pfarrer Hagemann. So gibt es Gottesdienste für Familien mit größeren und kleineren Kindern, musikalische oder ökumenische Gottesdienste. Und sogar der Einsatz von Weihrauch wird in der Broschüre des Stadtdekanats vermerkt, um niemanden vom Gottesdienstbesuch abzuhalten: „Es geht immer darum, die frohe Botschaft zu verkünden.“

Ein Kind wird geboren – das ist wohl der Grund, warum Weihnachten so populär ist, meint Hagemann: „Es ist für die Menschen oft schwer zu verstehen, was andere Festtage mit ihrem Leben zu tun haben.“ Aber warum gerade Heiligabend – und nicht der erste oder zweite Weihnachtstag? Superintendent Schlien meint, dass dies eine sehr deutsche Spezialität sei: „In Großbritannien zum Beispiel wird am 25. Dezember gefeiert.“ In Deutschland sei Heiligabend einfach der traditionelle Familientag, um mit den engsten Angehörigen zu feiern, buchstäblich nach Hause zu kommen. Außerdem, so gibt Stadtdechant Hagemann zu bedenken, sehen viele Menschen Heiligabend inzwischen als Höhepunkt und Abschluss des Weihnachtsfestes an: „Es wird ja schon seit Ende November gefeiert.“

Heiligabend ist der Vorabend des erstens Weihnachtstages. Das wissen aber im Grunde nur noch die traditionellen Kirchgänger – die am 24. Dezember üblicherweise in der Minderheit sind. Da mag es Spannungen geben, weil nicht mehr alle Gottesdienstbesucher mit dem liturgischen Ablauf vertraut sind, meint Superintendent Schlien. Aber die früher üblichen mahnenden Worte an Kirchenferne („U-Boot-Christen“, weil sie so selten auftauchen) würde es heute nicht mehr geben.

Jörg Hagemann sagt es so: „Ich gebe zu, dass ich mich tierisch auf die Leute freue!“

 

 

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