Weihnachtsinterview mit Münsters Oberbürgermeister
Markus Lewe: „Wir sind einem neuen Stadion so nah wie nie“

Münster -

Tritt Markus Lewe 2020 wieder an? Wie stellt er sich den Zukunftsthemen Konversion, Preußen-Stadion, Musikhalle? Was sagt er zum Streit in den Stadtwerken? Alles in diesem Interview!

Montag, 24.12.2018, 15:00 Uhr aktualisiert: 24.12.2018, 15:07 Uhr
Weihnachtsinterview mit Münsters Oberbürgermeister: Markus Lewe: „Wir sind einem neuen Stadion so nah wie nie“
Oberbürgermeister Markus Lewe. Foto: Oliver Werner

2018 war ein bewegendes Jahr, 2020 steht die nächste Kommunalwahl an. In diesem Spannungsfeld bewegte sich das Weihnachtsinterview mit Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe. Befragt wurde er von den Redakteuren Ralf Repöhler und Klaus Baumeister.

Herr Lewe, 2019 werden Sie zehn Jahre im Amt sein und damit die Dienstzeit Ihrer Vorgänger Jörg Twenhöven und Berthold Tillmann einholen. Wollen Sie 2020 wieder antreten? 

Lewe: Ich danke für das Angebot, hier eine so wichtige Entscheidung zu verkünden. Aber ich möchte diese Frage erst mit meiner Partei, der CDU, klären. So gehört sich das.

Wann erfolgt die Klärung?

Lewe: In Kürze.

Haben Parteifreunde Sie schon zum Weitermachen aufgefordert?

Lewe: Auf jeden Fall habe ich noch nicht das Gegenteil gehört.

Macht Ihnen das Amt noch Spaß?

Lewe: Politik soll Sinn machen. Aber die Arbeit ist auch eine Freude. Jahrelang waren wir in Rat, Verwaltung und Bürgerschaft damit beschäftigt, die Motoren der wachsenden Stadt zu starten. Jetzt laufen sie, wir sind in der operativen Umsetzung der vielen Projekte – wie der Konversion der ehemaligen Kasernenflächen zu Wohnungen oder die Modernisierung des Allwetterzoos oder das Stadion an der Hammer Straße.

Das klingt, als wollten Sie weitermachen.

Lewe: Die Bewertung überlasse ich Ihnen, aber vielleicht liegen Sie nicht ganz daneben.

Verspüren Sie ausreichend Rückhalt?

Lewe: Eindeutig ja. Politik braucht ein Gesicht.

Aber der Ton in der Politik ist rauer geworden.

Lewe: Das stimmt. Der Verlauf mancher Ratsdebatten wird beeinflusst von Parteien und Gruppierungen, deren politische Bedeutung im umgekehrten Verhältnis zu ihrem hohen Mitteilungsbedarf steht.

Die größte Fraktion im Rat meldet sich vergleichsweise selten zu Wort.

Lewe: (lacht) Deren Mitglieder wollen schneller nach Hause, um am wahren Leben teilzunehmen. Die CDU als einzige verbliebene Volkspartei kennt die größere Bandbreite der Realitäten.

Am 7. April erlebte Münster eine dramatische Amokfahrt. War das für Sie der bislang schwärzeste Tag Ihrer Amtszeit?

Lewe: Ein tragischer und trauriger Tag. Es gehörte nicht zu meiner Vorstellungswelt, dass eine solche Tat in Münster geschehen würde, ausgerechnet am Kiepenkerl-Denkmal, einem Ort traditioneller Gemütlichkeit. Es war aber auch beeindruckend, wie besonnen und hilfsbereit die Münsteraner reagiert haben. Ich denke etwa an die vielen Blutspender, aber auch an den zurückhaltenden Umgang mit sozialen Medien ohne Verbreitung von falschen Gerüchten oder Hetze. In anderen Städten bin ich oft bewundernd auf diese Reaktion Münsters angesprochen worden. 

Worüber haben Sie sich 2018 am meisten geärgert?

Lewe: Über die unvernünftige und teure Entscheidung einer Mehrheit des Rates gegen die Zentrale Ausländerbehörde. In Dortmund haben SPD und Grüne dafür gekämpft, die ZAB zu bekommen. In Münster wurde eine ganz normale Behörde mit hundert Arbeitsplätzen vertrieben, die jetzt in Coesfeld steht. Wäre die Mehrheit des Rates vernünftiger gewesen, hätte das Land die Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete aus der früheren Gremmendorfer York-Kaserne sofort abgezogen und wir könnten dort schon jetzt neue Wohnungen bauen. Nun müssen wir Millionen ausgeben, um eine Ersatzeinrichtung am Pulverschuppen zu errichten. Das alles hätten wir uns sparen können.

Wenn das alles so einleuchtend ist, warum hat es die CDU nicht geschafft, den Bündnispartner Grüne zu überzeugen?

Lewe: Fragen Sie die Grünen.

Als Oberbürgermeister sagen Sie nichts dazu? 

Lewe: Ich lasse es hier an Deutlichkeit nicht fehlen bis kurz vor der Grenze zur Unhöflichkeit. Aber es nützt ja nichts, den Kopf aus Ärger über die Verblendung und Selbstüberschätzung anderer selber auch noch in den Sand zu stecken. Deshalb habe ich gleich am nächsten Tag mit der Landesregierung verhandelt, um die Folgen für Münster und die Münsteraner so erträglich wie möglich zu machen.

Im April hat die Stadt die beiden Kasernen in Gremmendorf und Gievenbeck gekauft. War der Bund im Konversionsprozess ein fairer Verhandlungspartner?

Lewe: Fair war vom Bund, dass er 2015 die Kasernen kostenlos für Geflüchtete zur Verfügung gestellt hat. Sonst hätten wir Sporthallen in Beschlag nehmen müssen. Was die erste Phase der Verkaufsverhandlungen betrifft, hatte ich bei der zuständigen Bundesanstalt für Immobilienaufgaben das Gefühl, dass die eine Hand nicht weiß, was die andere tut. Tieferes Vertrauen in die Bima habe ich gefasst, als sie mit Paul Johannes Fietz einen neuen Vertriebschef bekam.

War nicht der Konversionsprozess dadurch geprägt, dass Bund und Land am längeren Hebel saßen?

Lewe: Es war ein hartes Stück Arbeit, dass wir allein über die Kasernenflächen verfügen können. Gerade in der Schlussphase haben wir härter verhandelt und in Berlin Druck gemacht. Das Ergebnis ist gut. Die Bedingungen für bezahlbaren Wohnraum können sich wirklich sehen lassen.

Wann werden die ersten Menschen auf die Konversionsflächen ziehen können?

Lewe: Voraussichtlich in zwei Jahren. Wir wären schon weiter und hätten viel Geld gespart, wenn eine Mehrheit im Januar 2018 für die ZAB in Münster gestimmt hätte. Die Zusammenhänge sind von außen vielleicht nicht einfach zu erkennen, aber diese Fehlentscheidung war hausgemacht.

Es kann also sein, dass die Ratsparteien 2020 in den Wahlkampf ziehen und keine Bewohner auf den Kasernenflächen begrüßen können?

Lewe: Wohnungsbau ist kein Wahlkampfgag, sondern ein Erfordernis der wachsenden Stadt.

Ist das lange Warten nicht frustrierend?

Lewe: Nein, auch wenn bei Prognosen Vorsicht die Mutter der Porzellankiste ist. Aber wir haben nun die Grundlagen geschaffen zum Bau von 3000 neuen Wohnungen für 10.000 Menschen.

Aber es war doch die Stadt selbst, die in ihrem Baulandprogramm Hunderte Wohnungen auf den Konversionsflächen für die Jahre 2017 und 2018 angekündigt hat.

Lewe: Als dieses Baulandprogramm erstellt wurde, war noch nicht bekannt, dass sich die Rahmenbedingungen ändern würden. Wegen der Flüchtlinge haben wir die Verkaufsverhandlungen gestoppt.

Chronologie: Münster und die Kasernen

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    In der kommenden Woche, am 23. März, jährt sich der  Beginn der Konversionsverhandlungen in Münster zum sechsten Mal. In dieser Woche nun wurde bekannt, dass die zentrale Unterbringungseinrichtung für  Flüchtlinge des Landes NRW, die sich derzeit in Schöppingen befindet, in die Gremmendorfer York-Kaserne verlagert wird. Also genau an den Ort, wo die Stadt Münster ein neues Wohnquartier schaffen möchte. Das ist Anlass genug, ein Stück münsterischer Geschichte aufzudröseln, bei der Wunsch und Wirklichkeit weit auseinanderliegen.

  • März 2018: Es wird bekannt, dass Coesfeld zum Standort der ZAB wird. Die münsterische York-Kaserne wird, wie die Bezirksregierung bekannt gibt, ab dem 1. Juli neuer Standort der Zentralen Unterbringungs-Einrichtung für Flüchtlinge (ZUE) mit bis zu 500 Plätzen, die derzeit in Schöppingen angesiedelt ist.

  • Januar 2018: Zu Beginn des Monats beklagt sich Markus Lewe in seiner neuen Funktion als Präsident des Deutschen Städtetages massiv darüber, dass die Bundesregierung noch immer keine verbilligten Flächen zur Förderung des Wohnungsbaus an Kommunen verkaufe. Ende des Monats lehnt der Rat mit den Stimmen von SPD, Grünen und Linken eine ZAB ab, weil sich diese Behörde primär auf Abschiebungen konzentriere.

  • Dezember 2017: Gegenüber spürbar verärgerten Ratsmitgliedern muss Oberbürgermeister Lewe erneut gestehen, dass kein unterschriftsreifer Vertrag vorliegt.

  • Oktober 2017: Die Eckpunkte eines neuen Deals werden bekannt. Um den Abzug der vom Land betriebenen Erstaufnahmeeinrichtung (EAE) auf dem Gelände der York-Kaserne festzuzurren, will sich Oberbürgermeister Markus Lewe auf den Vorschlag der Bezirksregierung Münster einlassen, dass Münster zum Standort einer Zentralen Ausländerbehörde wird. Eine heftige, sehr kontroverse Debatte setzt ein.

  • September 2017: Bei einem spektakulären Pressegespräch im münsterischen Rathaus verkünden der Finanzstaatssekretär Jens Spahn (CDU) und Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe den Durchbruch bei den Verhandlungen zwischen Stadt und Bima über die York-Kaserne. Beide nennen keine Preise, betonen aber, dass nur noch Formalien zu regeln seien und das Ergebnis dann auf die Oxford-Kaserne übertragen werde. Wenige Tage später wird ein Brief von Jens Spahn an den Bundestagsabgeordneten Hubertus Zdebel (Linke) bekannt, in dem sich Spahn deutlich zurückhaltender äußert.

  • Juli 2017: In einem Interview mit unserer Zeitung gesteht die CDU-Bundestagsabgeordnete Sybille Benning, dass es ihr entgegen der eigenen Ankündigung nicht gelungen ist, eine Veränderung des Bima-Gesetzes im Sinne der Stadt Münster herbeizuführen. Zugleich lehnt sie jede Mitschuld an der Misere in Münster ab.

  • Juni 2017: Oberbürgermeister Lewe räumt gegenüber unserer Zeitung ein, dass noch keine Aussicht auf einen kurzfristig zu erzielenden Vertragsabschluss bestehe. Er will das Thema Konversion auf „höchster Ebene“ in Berlin klären, und zwar noch vor der Bundestagswahl am 24. September.

  • März 2017: Es wird bekannt, dass die Bima Teile des Kasernen-Geländes in Gremmendorf nicht verkaufen möchte, da es unbefristet vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) genutzt werden soll. Darüber hinaus wird ein Teil der Kaserne vom Land für eine Erstaufnahme-Einrichtung (EAE) genutzt. Hier wird ein Abzug für den Verlauf des Jahres 2018 angekündigt.

  • August 2015: Es wird bekannt, dass ab Mitte August Flüchtlinge in die York-Kaserne ziehen sollen. Hintergrund ist die Flüchtlingskrise, die sich im Herbst dramatisch verschärft.

  • Juni 2015: In einem Kommentar unserer Zeitung zu den Planungen in Gremmendorf und Gievenbeck heißt es: „Bereits jetzt sind die beiden Quartiere hoffnungslos mit Wünschen überfrachtet. In der Summe sind sie unerfüllbar.“

  • April 2015: Die Stadt gibt bekannt, dass Mitte Mai eine Flüchtlingsunterkunft auf dem Gelände der Oxford-Kaserne bezugsfertig ist. Von einem Abschluss der Verkaufsverhandlungen ist bis zu diesem Zeitpunkt keine Rede.

  • November 2013: Bei einem Tag der offenen Tür auf dem Gelände der Oxford-Kaserne in Gievenbeck werden 1000 Besucher gezählt. Zeitgleich beginnt die Stadtverwaltung mit der „Leitbild-Entwicklung“ für das neue Quartier. Die öffentliche Erwartungshaltung für die 25 Hektar große, neue Siedlung steigt.

  • Oktober 2013: Es wird bekannt, dass die Bima für ein 6275 Quadratmeter großes Grundstück mit alten Britenhäusern an der Jahn­straße 6,1 Millionen Euro einnimmt. Damit ist für die Bima klar, dass Münster ein hochpreisiger Standort ist. Die Stadt erlaubt dem neuen Eigentümer großzügig eine verdichtete Bauweise. In einem Kommentar unserer Zeitung heißt es über die beiden Verhandlungspartner Bima und Stadt: „Die eine hält alle Trümpfe in der Hand und die andere kann allenfalls ,Bitte, bitte‘ sagen.“

  • August 2013: Die Bima und der Preispoker um die Kasernen in Münster werden zum Thema im Bundestagswahlkampf. Auslöser ist die Ankündigung der CDU-Kandidatin Sybille Benning, das Bima-Gesetz ändern zu wollen. SPD und Grüne wünschen ihr viel Glück dabei. Bislang sei die CDU in Berlin strikt gegen eine Änderung. Bis heute gibt es keine Reform des Bima-Gesetzes, von der Münster profitieren konnte.

  • Juni 2013: Für die York-Kaserne werden erste Zahlen genannt: 1000 Wohnungen sollen hier entstehen. Der CDU-Ratsherr Andreas Nicklas spricht von einem „Jahrhundert-Projekt“. Mit zunehmender Wohnungsnot werden die Zahlen später nach oben geschraubt. Am Ende sind es 1800 Wohnungen in Gremmendorf und 1200 in Gievenbeck.

  • April 2013: Die Euphorie in Münster ist so groß, dass Dr. Gerald Brummund von der Bima im Gespräch mit unserer Zeitung die Erwartungen dämpft: „Die Bima muss im Interesse des Steuerzahlers am Markt orientierte Preise erzielen. Verbilligungen sind rechtswidrig. Wenn die Vorgaben für die Bima geändert werden sollen, kann dies nur durch den Gesetzgeber geschehen.“

  • November 2012: Ein Tag der offenen Tür in der frei geräumten York-Kaserne lockt 700 Besucher an. Mit der Ortsbesichtigung startet ein sehr aufwendiger und öffentlichkeitswirksamer Planungsprozess mit Workshops, Diskussionsforen und Wettbewerben. Ziel ist die Schaffung eines hochattraktiven Quartiers, was auch von der Bima sehr begrüßt wird. 

  • September 2012: Oberbürgermeister Markus Lewe schwärmt gegenüber der Zeitung „Die Welt“: „Wir müssen keine Neubaugebiete erschließen, sondern bekommen zwei große Flächen in zentraler Lage zur Verfügung gestellt.“

  • März 2012: Stadt und Bima unterschreiben die Konversionsvereinbarung. Die wichtigste Passage im Wortlaut: „Gemeinsames Ziel ist eine zeitnahe zivile Nachnutzung der Konversionsflächen. In dem anstehenden Prozess orientieren sich die Beteiligten an den städtebaulichen und strukturpolitischen Zielen der Stadt sowie den Verwertungsinteressen der Bundesanstalt.“

  • Februar 2012: Es wird bekannt, dass die Briten Ende 2012 die York-Kaserne und 2013 die Oxford-Kaserne räumen werden. Die Immobilien gehen in das Eigentum der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) über. Oberbürgermeister Markus Lewe kündigt eine „Konversionspartnerschaft“ mit der Bima an und versichert: „Neue Nutzungen wird es nur in Übereinkunft mit der Stadt geben.“

  • November 2011: Mit Blick auf den angekündigten Truppenabzug der Briten erklärt Münsters Oberbürgermeister Markus Lewe: „Wir sind vorbereitet.“

  • Januar 2010: Die Bezirksrevertretung Südost berät erstmals über einen „Rahmenplan“ für Gremmendorf und Angelmodde. Mit diesem Konzept reagiert die Stadtverwaltung auf eine Ankündigung der britischen Armee, Münster verlassen zu wollen. Für die York-Kaserne kommen in der Folgezeit die Bezeichnungen „Neue Mitte Gremmendorf“ und „Gartenstadt im Grünen“ im Umlauf.

Hätte nicht die Chance bestanden, bereits vor der Flüchtlingskrise 2015 die Kasernen zu erwerben? Dann wäre die Stadt zumindest Herrin des Verfahrens gewesen.

Lewe: Leider nein. In der ersten Phase hatte die Bima eine sehr harte Verhandlungsführung. Inzwischen haben wir auch die gesetzlichen Grundlagen, dass der Bund sich von seinem Immobilienbesitz leichter trennen kann, um sozialen und städtebaulichen Aspekten Rechnung zu tragen. Dafür war Münster wegweisend.

Wie ist es der Öffentlichkeit vermittelbar, dass jetzt das Grünflächenamt in die York-Kaserne zieht?

Lewe: Das Grünflächenamt wird Gebäude nutzen, die nicht vorrangig für Wohnzwecke bestimmt sind. Wir vermeiden mit der Entscheidung also einen Leerstand. Die Häuser dürfen nicht zu Wohnzwecken genutzt werden, solange das Land mit der Zentralen Unterbringungseinrichtung für Flüchtlinge noch auf dem Gelände ist.

Das klingt ja, als würde das Land, in diesem Fall die Bezirksregierung mit Dorothee Feller an der Spitze, noch länger in der York-Kaserne bleiben. Man hat ohnehin den Eindruck, als habe Münster Kredit bei der Bezirksregierung verspielt?

Lewe: Den hat die ZAB-Entscheidung arg strapaziert. Wir müssen aufpassen, uns nicht den Vorwurf der Rosinenpickerei in Nordrhein-Westfalen einzuhandeln, wenn es um Landeseinrichtungen geht. Ja etwa zu Uni-Einrichtungen, aber nein zu einer Ausländerbehörde, die auch unangenehme Entscheidungen zu treffen hat.

Themenwechsel: Wie enttäuscht sind Sie, dass sich der Traum der Preußen auf ein neues Stadion zerschlagen hat?

Lewe: Ich bin mit vielen Preußen-Fans glücklich darüber, dass es für das Stadion an der Hammer Straße nun eine klare Perspektive gibt.

Aber kam der Vorschlag Bösensell nicht von Ihnen?

Lewe: Das Stadion an der Hammer Straße war immer eine vorzügliche Option, die sich nun auch langfristig bewährt. Als aber der Blick beim SC Preußen in Richtung Neubau ging, habe ich gesagt, dass zwei wesentliche Voraussetzungen erfüllt sein müssten: Autobahn- und Bahnanschluss. Mit diesen beiden Punkten ist man in Bösensell.

Die CDU-Ratsfraktion konnte sich nie für Bösensell erwärmen.

Lewe: Ich bin froh, dass die Ratsfraktion den Standort Hammer Straße nie vorzeitig aufgegeben hat. Denn sonst stünden die Preußen heute mit leeren Händen da. CDU und Grüne haben im Rat das Baurecht an der Hammer Straße geschaffen und danach auch die erforderlichen Mittel für ein mindestens zweitligataugliches Stadion beschlossen.

Chronologie: Überblick: Die Preußen und ihr Stadion

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    Ob Sanierung oder Neubau, Münster oder Bösensell: Die Debatte über das Preußenstadion ist beinahe so traditionsreich wie die Fußballarena an der Hammer Straße selbst. Hier eine Chronologie des Preußenstadions und die Standortfrage.

    Foto: dpa
  • 1925 beginnt der Bau des Preußenstadions am jetzigen Standort an der Hammer Straße. Die Arena wurde von Mitgliedern der Vereins errichtet und konnte im darauffolgenden Jahr in Betrieb genommen werden. 

  • Ab 1948 wurde das Preußenstadion schrittweise ausgebaut, mit dem ehrgeizigen Ziel, 40.000 Zuschauern Platz bieten zu können. Ende Januar 1949 beantragte der SCP 6191,44 DM für die Instandsetzung der "Gebäudlichkeiten". Im Juli 1949 fand an der Hammer Straße das erste internationale Fußballspiel nach dem Krieg statt. Der SCP traf dabei auf einen Club aus Stockholm.

  • Im August 1963 fand ein umfassender Ausbau des Stadions statt. Neben Toiletten-Anlagen an der Seite der Tribüne wurde das Preußenstadion außerdem um Telefonzellen und Sanitätsräume erweitert. Auch der Zugang zu den Ein- und Ausgängen wurde erleichtert, doch damit nicht genug: Die Überdachung der Gegengerade, obgleich nicht in Planung, wurde zumindest hoffnungsvoll in Erwägung gezogen.

  • Da die Nieberdingstraße aufgrund langfristiger Mietverträge als Option ausschied, blieb die Frage nach einem neuen Standort für das Preußenstadion auch in 2017 unklar. Die Preußen wandten sich zwei Arealen in Greven zu, die als mögliche Alternativen in Frage kamen. Der Präsident des SC Preußen Christoph Strässer bestätigte, dass für ein neues Stadion ein größeres Fassungsvermögen geplant sei. 

  • Anfang 1974 wird klar, dass das Preußenstadion nicht mehr den Vorschriften des Deutschen Fußball-Bundes entspricht. Daraufhin sollten 2,2 Millionen Mark für den Ausbau der Arena aufgebracht werden, um sowohl die Flutlichtanlage als auch das 1927 erbaute Umkleidegebäude zu sanieren. 

  • Bereits im Mai 1980 stellte der Verein einen Antrag an die Stadt Münster, die Arena im Stil des Essener Stadions an der Hafenstraße zu erneuern. Hauptfokus war die Tribüne für die Gegengerade, für die eine bereits 1963 erwähnte Überdachung der Stehplätze vorgesehen war. Die Stadt schien keinen Bedarf in Neuerung zu sehen, woraufhin die Vereinsspitze des SC Preußen drei Monate später einen Plan vorstellte, der ein dreistufiges Investitionsverfahren vorsah. Dieser beinhaltete den Bau einer überdachten Tribüne auf der Gegengerade für bis zu 10.000 Zuschauer, die Renovation des Innenraums und die Renovierung der alten Tribüne. 

    Zwei Jahre später wurde der Bebauungsplan "Sportpark Berg Fidel" in Kraft gesetzt.

  • Nach dem Aufstieg des SC Preußen in die zweite Liga versprach der damalige Oberbürgermeister Dr. Jörg Twenhöven dem Verein 1989 ein neues Stadion an der Hammer Straße (Quelle: "100 Jahre Preußen Münster" von Hubert Dahlkamp und Dietrich Schulze-Marmeling). 

  • Die Diskussion über das Preußenstadion wurde 1991 mehrstimmig vorangetrieben. Zu Beginn des Jahres besprach der Sportausschuss der Stadt noch eine Beschlussvorlage des Stadtplanungsamtes und plante, die Verwaltung zu beauftragen, durch die Aufstellung eines Bebauungsplanes die Voraussetzungen für einen möglichen Neubau des Stadions in Berg Fidel zu schaffen.

    Jedoch schien ein Stadion-Neubau immer unwahrscheinlicher. Die Aktion "Rettet das Preußen-Stadion", von Preußen-Fan Werner Klöver ins Leben gerufen, versuchte weiterhin Aufmerksamkeit zu wecken. Klöver selbst hatte vor, sich am Haupteingang des Stadions anzuketten. Und auch der SC Preußen sprach sich im April desselben Jahres für einen Neubau an anderer Stelle aus. Nach Ansicht des damaligen Preußen-Präsidenten Helmut König würde ein neues Stadion den Klassenerhalt und die damit verbundene Finanzierung des Vereins sichern, eine Renovierung des Stadions an der Hammer Straße wäre hingegen fatal: "Wird kein neues Stadion gebaut", so König, "ist das wirtschaftliche Überleben des Vereins stark gefährdet."

    Überlegungen zur Finanzierung eines neuen Stadions kamen auch von Günter Bahr, damaliger Polizeidirektor an der Führungsakademie der Polizei in Hiltrup. Ein neues Stadion müsse für Mehrzweckveranstaltungen geeignet sein, den Besuchern sollte außerdem Einkaufsmöglichkeiten und Verkehrsanbindungen zu Halle Münsterland geboten werden.

  • Einem Neubau des Stadions stand vor allem die fehlende Finanzierung im Weg. Durch die Planung eines Einkaufsparks im Jahr 1993 sollte dieses Problem allerdings gelöst werden. Hoffnung wurde vor allem auf das "Utrechter Modell" gesetzt, dass die Mitfinanzierung durch potentielle Geschäftsinhaber auf dem Gelände des Preußenstadions vorsah. Der geplante "Preußen-Park", entwickelt in Zusammenarbeit des Sprechers des Arbeitskreises Münsterland-Stadion beim SC Preußen Münster, Hanno Höyng, und dem Geschäftsführer des Hamburger ECE-Konzerns, Johannes Schnermann, sollte die nächsten sieben Jahre Streitpunkt bleiben. Dem standen wiederum die Interessen des münsterschen Einzelhandels gegenüber. Überdies verhinderte die Lage des Stadions in einem Wasserschutzgebiet die Verwirklichung eines Kaufparks nach Vorstellungen des Vereins.

  • Die Pläne des SC Preußen und des ECE-Konzerns, den Neubau des Preußenstadions durch einen Einkaufspark an der Hammer Straße zu finanzieren, wurden am 07. Dezember 2000 vom Oberverwaltungsgericht letztendlich aufgrund Mängel im Bebauungsplan verhindert. Neben Verkehrsproblemen, die nicht hinreichend beachtet wurden, monierte das Gericht besonders das Lärmgutachten. Nach sieben Jahren Diskussion scheiterte das Projekt "Preußen-Park", doch die Debatte über das Stadion blieb. 

  • Statt Neubau wurde nun erneut von Sanierung und Modernisierung gesprochen: Schon im folgenden Jahr war die Sanierung der Sportstätte auf der Tagesordnung der gemeinsamen öffentlichen Sitzung des Sportausschusses und des Ausschusses für Umweltschutz und Bauwesen mit der Bezirksregierung Hiltrup. Im März desselben Jahres kam es zum Entschluss, das Stadion nach Scheitern des "Preußen-Parks" für 2,5 Millionen Mark zu sanieren. Währenddessen sucht der Verein nach einem neuen Standort für ein Stadion, doch von 34 untersuchten Standorten kamen im August 2001 nur drei in Betracht. Da die Suche sich als immer schwieriger erweiste, standen Umbau und eine mehrstufige Modernisierung des bisherigen Stadions erneut im Fokus.

  • Der Unmut der Fußball-Fans wuchs. Verschiedene Bürgerinitiativen wie die Aktion "Rettet das Preußenstadion" oder die "Aktion Pro Stadion" befürworteten den Neubau eines Stadions, selbst die Wiederaufnahme des Projekts "Preußen-Park" fand 2002 erneut Erwähnung. 

  • Nach der Saison 2004/2005 genehmigte die regierende Koalition aus CDU und FDP 350.000 Euro für den neuen Kunstrasenplatz. Er ersetzte den Aschenplatz hinter der Haupttribüne.

  • 2008

    2008 begannen die Bauarbeiten am Stadion, Ende des Jahres war die langersehnte Überdachung der Gegengeraden bereits abgeschlossen. Zudem wurde im November die 1948 erbaute Haupttribüne abgerissen.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • 2009

    Die neue Haupttribüne wurde 2009 trotz eines Unfalls, bei dem zwei Bauarbeiter beim Einsturz des Rohbaus im Januar leicht verletzt wurden, fertiggestellt. Finanziert wurde die 4,8 Millionen Euro teure Investition durch das Geld, das der Rat dem SC Preußen zur Sanierung bereitgestellt hatte.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • 2011-2012

    Im August 2011 wurde eine neue, drittliga-taugliche Flutlichtanlage mit Tageslichtqualität im Stadion installiert. Der deutsche Fußball-Bund fordert 800 Lux, damit fernsehtaugliche Bilder möglich sind. Zu einer ähnlichen Investition kam es im Sommer des darauffolgenden Jahres, in dem eine moderne Rasenheizung im Preußenstadion installiert wurde.

    Foto: Bernhard Fischer
  • 2013

    Nach der Freigabe der Sanierungsgelder 2013 forderte der damalige Präsident des SC Preußen, Dr. Marco de Angelis, eine Entscheidung über die Zukunft des Stadions. Die langwierigen Diskussionen um einen Standort und um die Sanierungsgelder müsse ein Ende finden, so de Angelis. Die Diskussion stände den Ansprüchen des Vereins und der Fans im Weg, ein attraktives Stadion nutzen zu können. Er äußerte zudem den Wunsch, das Preußenstadion zu sanieren. Der eventuellen Neubau eines Stadions an der Niederdingstraße (nahe des Gasometers) sei aufgrund der längeren Wartezeit unrealistisch. Stattdessen solle man sich darauf konzentrieren, das bisherige Stadion in "ein kleines Schmuckstück an der Hammer Straße" zu wandeln.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Im November 2014 legte die Stadt ein neues Konzept für das sanierungsbedürftige Preußenstadium vor. In Zusammenarbeit mit der Kanzlei Baumeister-Rechtsanwälte stellte die Verwaltung in einer Machbarkeitsstudie fest, dass der Bebauungsplan Nr. 183 "Sportpark Berg Fidel" aus dem Jahr 1982 den Anforderungen der jüngeren Rechtsprechung nicht genügt und somit als Satzung unwirksam ist. Es wurde außerdem festgestellt, dass der Bau einer überdachten Sitzplatztribüne im Bereich der Westbühne den Immissionskonflikt zwischen schutzbedürftiger Wohnbebauung einerseits und der Sportanlage andererseits verbessern würde

  • Auf der Jahreshauptversammlung Ende 2014 des SC Preußen Münster stellte Architekt Uwe Landheer seinen Entwurf eines umgebauten Preußenstadions vor. Er traf damit auf die begeisterte Zustimmung des damaligen Preußen-Präsidenten, Dr. Marco de Angelis. Überzeugt von dem Konzept hoffte er auf eine Fertigstellung des Stadions, zumindest in Abschnitten, bis 2018.

  • Krimphove/Bäumer-2015

    Im Interview mit der WN nennen der damalige Preußen-Präsident, Georg Krimphove, und Aufsichtsrats-Vorsitzender, Thomas Bäumer, den traditionellen Standort des Stadions an der Hammer Straße als einzige Option. Der Alternativstandort an der Nieberdingstraße sei ein "Luftschloss", so Krimphove. Den Bemühungen von Walther Seinsch, dem Macher des Stadions und Bundesliga-Projekts beim FC Augsburg, sein Stiftungsprojekt mit einer Basis-Finanzierung von 20 Millionen Euro für den Bau einer Erstliga-tauglichen Arena zu unterstützen, sei aus verwaltungstechnischen Gründen nicht realisierbar. Der Bebauungsplan hätte 2016 fertig sein können, Anfang 2017 hätte es dann auch erste Bauarbeiten am Stadion geben können.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • AA-2016

    Die Sanierungspläne wurden durch den Amtsantritt des neuen Preußen-Vorstands am 13. Oktober 2016 auf Eis gelegt. Mit der neuen Führungsmannschaft des Vereins ist eine Investorengruppe anscheinend bereit, einen Neubau an einem anderen Standort als der Hammer Straße zu finanzieren und eine Betreibergesellschaft zu gründen, an die der SC Preußen Miete zahlen würde. Die Stadt Münster zeigte sich irritiert über diesen Kurswechsel.

    Foto: Landheer Architekten
  • Ndstr-2016

    Ende 2016 bestätigte die Stadt Münster, dass die Nieberdingstraße, die bis dahin als mögliche Alternative zur Hammer Straße gehandelt wurde, als neuer Standort aufgrund langfristiger Mietverträge entfallen würde. Ein Baubeginn wäre somit erst ab 2027 möglich .

    Foto: Jürgen Christ
  • Als weitere Option für ein neuen Stadion-Standort nannte Oberbürgermeister Markus Lewe Anfang 2017 ein größeres Areal südlich von Albachten und der Autobahn 43. Im Norden Münsters fand sich ein weiteres Grundstück am Hessenweg. Währenddessen hielt die Stadt aufgrund der Finanzierungsfrage weiterhin an einer Sanierung und Modernisierung des bisherigen Stadions fest.

  • StSk-2017

    Im März des selben Jahres werden 24 verschiedene Standorte geprüft. Die Stadt zeigt Bedenken und begründete dies mit der Sorge, einen Großteil der Finanzierung beim Grundstückserwerb und Erschließung übernehmen zu müssen. Sie beruft sich auf das Stadion an der Hammer Straße und den Bebauungsplan "Sportpark Berg Fidel."

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Sta-2017

    Im April 2017 präsentierte Christoph Strässer, Präsident des SC Preußen, der CDU-Fraktion die Ambitionen und Ziele der neuen Vereinsspitze bezüglich des Stadion-Neubaus. Die CDU zeigte sich äußerst skeptisch gegenüber den vorgestellten Plänen. Insbesondere die Finanzierungsfrage blieb Kernstück der Kritik, an die sich der Grünen-Fraktionschef Otto Reiners anschloss : "Wir haben einen Beschluss, dass wir das Stadion an der Hammer Straße sanieren wollen." Der Bebauungsplan für den Sportpark Berg Fidel, dessen Entwurf im selben Jahr öffentlich gemacht wurde, war somit weiterhin im Gespräch.

    Foto: Stadt MS/Bearbeitung: Jürgen Christ
  • Ende 2017 rückte Bösensell als Alternative zu einem Standort in Münster in den Fokus. Sendens Bürgermeister Sebastian Täger bestätigte die Verhandlungsgesprächen zwischen dem Preußen-Vorstand und der Gemeinde. Allerdings erregten diese Standort-Pläne des SCP oftmals das Missfallen der Fans, die zum Teil ein Stadion innerhalb der Stadtgrenzen Münsters favorisierten.

  • Die schwarz-grüne Fraktion stellte den Vorstand im Oktober 2017 weiter unter Druck. Einer Sanierung des Stadions an der Hammer Straße stünde nichts im Wege, würde der Verein sich zum bisherigen Standort bekennen. Im vorgelegten Ratsantrag "Für einen ‚Preußen-Plan‘ als realistische Handlungsstrategie für das Stadion Hammer Straße" wird eine sofortiges Ende der Standortsuche gefordert. Stattdessen wird dem SCP eine Sanierung des Stadions, inbesondere der Tribünen sowie die Einrichtung eines Bahnhaltepunkts "Hammer Straße/Preußen" in Aussicht gestellt.

    Die entscheidende Abstimmung am 18. Oktober im Rat war geheim. Letztlich aber bekommt der Antrag von Schwarz-Grün eine Mehrheit. Das Stadion an der Hammer Straße soll saniert werden.

  • 2018 bleibt bisher ein Jahr der Ungewissheit für die Preußen. Während der SCP weiterhin auf einen möglichen Neubau in Bösensell setzt, äußert sich Bürgermeister Sebastian Täger in einer Pressemitteilung vom 12. April mit vorsichtigeren Tönen über die Verhandlungen mit der Vereinsspitze. Den enthusiastischen Äußerungen des Preußen-Präsidenten Christoph Strässer brachte Täger zunächst nur wenig Verständnis entgegen. Am 06. April hoffte der Vorstand noch auf eine Klärung bis Ende 2018.  Dem steht nun die noch ausstehende Abwägung des Rats sowie der Gemeinde entgegen. 

Wie teuer wird das neue Stadion?

Lewe: Es ist noch zu früh, das zu sagen. Die Projektgruppe von Stadt und Verein trifft sich Anfang des neuen Jahres. 

Wie kann die Stadt den Ausbau des Stadions vorantreiben, ohne dass dies als unerlaubte Beihilfe für den Profi-Fußball bewertet wird?

Lewe: Die Bezirksregierung ist aktiv an der Planung beteiligt, weil ich auf jeden Fall einen Konflikt mit der Kommunalaufsicht vermeiden will. Das Stadion an der Hammer Straße gehört der Stadt Münster.

Kann man sagen, dass der Umweg über Bösensell dem SC Preußen einen großen Erfolg an der Hammer Straße beschert hat?

Lewe: Die Preußen sind jedenfalls einem neuen Stadion seit zwei Jahrzehnten nicht so nah gewesen wie jetzt. Darüber ist man nach meinem Eindruck auch im Verein glücklich.

Kommen wir zu den Stadtwerken, wo die Situation ja jüngst eskaliert ist. Beide Geschäftsführer mussten gehen. War die Trennung unvermeidbar?

Lewe: Wenn sich zwei Geschäftsführer derart streiten, dass die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens auf dem Spiel steht, dann muss man einschreiten. Die Stadtwerke sind ein kerngesundes Unternehmen, das wir nicht nur für die Energieversorgung und den Busverkehr, sondern auch für die Digitalisierung Münsters brauchen.

Wann wird über die Nachfolge entschieden?

Lewe: Im kommenden Jahr.

Sie befürworten das Projekt Musikcampus, bestehend aus Musikschule, Musikhochschule und einer Konzert- und Kongresshalle. Steht da eine Entscheidung bevor?

Lewe: Stadt und Universität haben eine Absichtserklärung unterzeichnet. Die Entscheidung fällt auf jeden Fall 2019.

Gibt es Geld der Landesregierung in Düsseldorf?

Lewe: Der Wille und die Möglichkeiten sind da. Die beengten Verhältnisse der Musikhochschule und die unzureichenden Möglichkeiten für große Konferenzen und Tagungen im internationalen Maßstab beschäftigen die Westfälische Wilhelms-Universität schon sehr lange. Wir haben die Raumnot bei der städtischen Musikschule und beim Sinfonieorchester. Da ist die Konzentration der Musikaktivitäten von Stadt und Hochschule sehr vernünftig. Stadtstrategisch ist es sinnvoll, gemeinsam mit den Hochschulen zu handeln. Sie haben herausragende Bedeutung für Münster.

2019 ist ein Jahr ohne Katholikentag, ohne Skulptur-Projekte und ohne Eröffnung eines neuen Hauptbahnhofs, um die Highlights von 2017 und 2018 zu nennen. Wird 2019 sehr ruhig?

Lewe: Dafür ist Münster zum Glück zu beweglich. Ruhe empfindet man hier nicht als erste Bürgerpflicht, und das finde ich prima.

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