„Haus des Jugendrechts"
Ein Haus gegen kriminelle Karrieren in Münster

Münster -

Damit Jugendliche nicht zu Wiederholungstätern werden, soll in Münster ein Haus des Rechts entstehen. Dort arbeiten Mitarbeiter von Jugendamt, Polizei und Staatsanwaltschaft Hand in Hand zusammen. In anderen Städten wirkt dieses Rezept.

Donnerstag, 27.12.2018, 07:00 Uhr aktualisiert: 27.12.2018, 10:45 Uhr
„Haus des Jugendrechts": Ein Haus gegen kriminelle Karrieren in Münster
Foto: dpa

Das Jugendrecht soll in Münster bald eine eigene Adresse bekommen. Mitarbeiter von Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendamt, die in diesem Bereich arbeiten, haben ein gemeinsames Ziel: kriminelle Karrieren von junger Menschen zu erkennen und zu verhindern.

Die Förderung einer solchen Einrichtung durch das Land ist von der schwarz-gelben Koalition beantragt worden, wie die münsterischen CDU-Abgeordnete Simone Wendland berichtete. Sie setzt sich für die Förderung eines Hauses des Jugendrechts ein – eine Einrichtung, mit der vier andere Städte in NRW schon positive Erfahrungen gesammelt haben.

Beispiel Köln: Dort gibt es das Haus des Jugendrechts bereits seit 2009. Hier arbeiten Polizei, Staatsanwaltschaft und die Jugendgerichtshilfe des städtischen Jugendamtes unter einem Dach, koordinieren Maßnahmen, wenn ein junger Mensch unter 21 Jahren – bis zu diesem Alter kann Jugendstrafrecht Anwendung finden – straffällig wird. „In Köln liegt die Rückfallquote bei straffällig gewordenen Jugendlichen bei 31 Prozent, im Landesschnitt bei 71 Prozent“, erklärt Wendland. Auch in Essen, Dortmund und Paderborn gibt es jeweils ein „Haus des Jugendrechts“.

3000 Verfahren gegen unter 21-Jährige

„Eine gute Konstruktion“, erklärt Jugendamtsleiterin Anna Pohl, Die räumliche Nähe der Personen aus den drei Institutionen erlaubten es, sich effektiver und besser vernetzt um straffällige Jugendliche zu kümmern. „Das Ziel ist eine wirksamere Prävention“, betont der Sprecher der Staatsanwaltschaft Münster, Martin Botzenhardt.

Über 3000 Verfahren hat seine Behörde im vergangenen Jahr in der Stadt Münster gegen Kinder und junge Menschen unter 21 Jahren eingeleitet. Alle Fachleute sind sich einig: Wenn jugendliche Straftäter überführt werden, ist es für den erzieherischen Erfolg elementar, wenn ein schnelles Strafverfahren folgt. Eine möglichst rasche Abwicklung sei schon immer das Ziel gewesen, so Botzenhardt, der nun aber hofft, „dass wir die Verfahren durch die direkte Zusammenarbeit weiter verkürzen können.“

23 Prozent aller Tatverdächtigen waren jugendlich

Die Fachleute von Polizei, Jugendamt und Staatsanwaltschaft wenden sich den Jugendlichen in Fallkonferenzen zu, überlegen wie erzieherisch am besten eingegriffen werden kann. Dabei gehe es auch um das Umfeld der jungen Straftäter, vor allem mit dem Augenmerk der Prävention. Freunde oder Geschwister sollen nicht in den Sog der Kriminalität geraten und die überführten Jugendlichen sollen keine Wiederholungstäter werden.

Die münsterische Kriminalstatistik weist für das Jahr 2017 unter allen Tatverdächtigen 313 sechs- bis 14-jährige Kinder, 947 Jugendliche zwischen 14 bis 18 Jahren und 987 Heranwachsende zwischen 18 und 21 Jahren aus, alle drei Gruppen zusammen bilden einen Anteil von 23 Prozent aller Tatverdächtigen. Die Zahlen bei Kindern und Jugendlichen sind zuletzt leicht angestiegen. Wichtig für den Präventionsgedanken: Nahezu die Hälfte aller Tatverdächtigen des Jahres 2017 war schon mindestens einmal zuvor als polizeilich in Erscheinung getreten.

Wo in Münster das „Haus des Jugendrechts“ angesiedelt werden könnte, darüber herrschen noch keine klaren Vorstellungen, wie es übereinstimmend bei Jugendamt und Staatsanwaltschaft heißt. Einig sind sich die Beteiligten, dass die Anlaufstelle einigermaßen zentral gelegen sein sollte.

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