Bleigießen an Silvester
„Nichts für Kleinkinder, Schwangere und Stillende“

Münster -

Silvester rückt näher – da ziehen viele los und holen sich Sets zum Bleigießen, um die Zukunft für das neue Jahr vorherzusagen. Was Blei mit unserer Gesundheit anstellt, erklärt Prof. Dr. Thomas Schupp im Interview.

Freitag, 28.12.2018, 19:00 Uhr
Bleigießen an Silvester: „Nichts für Kleinkinder, Schwangere und Stillende“
Foto: Patrick Pleul/dpa

Herr Prof. Schupp, allgemein ist die Annahme verbreitet, Blei könne für die Gesundheit gefährlich sein. Stimmt das?

Prof. Thomas Schupp: Das stimmt, ein hoher Bleigehalt im Blut hat nämlich Konsequenzen auf unser Nervensystem, bei Erwachsenen, aber auch bei ungeborenen Kindern und Kleinkindern. Das hat man an Babys feststellen müssen: Je höher der Bleigehalt im Blut der Mutter, desto mehr hinken die Kinder nach in der Intelligenzentwicklung. Vereinfacht gesagt: Blei macht dumm, genauer Bleiverbindungen und pulverförmiges Bleimetall.

Wie kommt das Blei denn in unseren Körper?

Schupp: Die Verbindungen und Pulver können durch die Luft als Staub oder haftend an Partikel in unseren Körper gelangen, oder gar, weil wir sie unachtsam verschlucken. Nicht umsonst dürfen Menschen, die mit Blei arbeiten, dies nur mit Handschuhen tun, und der Bleigehalt im Blut darf einen bestimmten Wert nicht überschreiten. Mittlerweile hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft Bleiverbindungen auch als krebserzeugend eingestuft. Bei Lötarbeiten im Allgemeinen kann der Blutgehalt schon mal hochgehen, aber er liegt noch nicht im toxischen Bereich; Kolbenlöten im Elektrobereich scheint aber nicht zu einer messbaren Belastung zu führen.

Sicheres Silvester

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  • Arbeits- und Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann rät, in der anste-henden Silvesternacht nur geprüfte und zugelassene Feuerwerksartikel zu benutzen. „Insbesondere über das Internet werden immer wieder illegale Böller und Raketen gekauft, die eine unberechenbare Wirkung haben. Wer diese verbotenen Pyrotechnikartikel zündet, riskiert seine Gesundheit und sogar sein Leben“, warnt Minister Laumann.

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  • Jedes Jahr kommt es in der Silvesternacht zu schweren Unfällen, bei denen Menschen Augenlicht, Hörvermögen oder Hände verlieren. Die Ursache ist meist: ein zu leichtfertiger Umgang mit gefährlichen Knall-körpern.

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  • Verbraucher können geprüftes und zugelassenes Feuerwerk unter an-derem am CE-Kennzeichen und der Kennnummer der Prüfstelle erken-nen. Der Kauf im namhaften Einzelhandel gibt zusätzlich Sicherheit.

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  • Auch in diesem Jahr sind wieder die Expertinnen und Experten der Be-zirksregierungen unterwegs, um gefährliches Feuerwerk aus dem Ver-kehr zu ziehen, bevor es in die Hände der Verbraucher gelangt. Dabei kontrollieren sie auch die Einhaltung der Vorschriften für den Verkauf von Feuerwerk. Feuerwerksartikel der Kategorie F2 (Raketen, Kano-nenschläge, Böller) dürfen nur an Personen ab 18 Jahren verkauft oder weitergegeben werden.

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  • Der Verkauf ist in diesem Jahr vom 28. bis zum 30. Dezember erlaubt, das Abbrennen nur am 31. Dezember und 1. Januar.

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  • Beim Kauf und Zünden von Feuerwerksartikeln sollten folgende Tipps beachtet werden:

    • beim Kauf auf das CE-Kennzeichen achten
    • Sicherheitshinweise genau lesen und beachten
    • Sicherheitsabstand, insbesondere zu Personen, einhalten
    • Böller nach dem Anzünden sofort wegwerfen
    • sich nach dem Zünden von Raketen und Fontänen schnell entfernen
    Foto: Oliver Werner
    • bei Raketen auf eine sichere „Abschussrampe“ achten.
    • Raketen und Fontänen nie unter Vordächern, Bäumen etc. zünden
    • „Blindgänger“ nie erneut zünden – am besten mit Wasser übergießen
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    • Keine Basteleien mit Feuerwerkskörpern – dies ist eine häufige Unfallursache
    • Fenster und Türen geschlossen halten, damit angezündete Feuerwerkskörper nicht in das Gebäude gelangen können
    • Haustiere in einen möglichst ruhigen Raum bringen
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  • Einen Handzettel mit den wichtigsten Tipps stellt das Ministerium kostenlos zur Verfügung: https://www.mags.nrw/broschuerenservice

    Weitergehende Informationen sind auch bei der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) erhältlich: https://www.bam.de/

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Aber an Silvester machen doch alle Bleigießen – wie passt das zusammen?

Schupp: Es gibt meines Wissens nach keine wissenschaftliche Studie, die sich mit dem Bleigehalt im Körper durch Bleigießen zu Silvester beschäftigt hat. Das wollen wir hier an der Fachhochschule Münster anpacken. Natürlich ist das Bleigießen zu Silvester eine im Jahresverlauf einmalige Angelegenheit und nicht mit Arbeitsplätzen in einer Gießerei vergleichbar, aber es stellt sich ja auch die Frage, wie das eigentlich mit dem Wasser ist, das wir nach dem Bleigießen einfach so in den Ausguss kippen. Wie hoch ist da die Konzentration des gelösten Bleis, und ist sie schädlich? Dies werden wir ebenfalls untersuchen. Und: Silvester 2018 wird es nicht mehr so einfach sein, Sets zum Bleigießen zu kaufen. 

 

Warum denn das?

Schupp: Schweden hat beantragt, auch massives Blei als entwicklungsschädigend zu kennzeichnen; das wird 2018 umzusetzen sein. Laut Chemikalienverbotsverordnung dürften ab nächstes Jahr nur noch sachkundige Verkäufer Blei anbieten, wenn es denn durch Ausnahmeregelung erlaubt wäre. Fest steht aber schon jetzt: Für Kleinkinder, Schwangere und Stillende ist das nichts, und Blei gehört niemals in den Hausmüll, sondern zur Sondermüllsammelstelle!

Gibt es denn Alternativen für all die, die nicht aufs Orakeln verzichten wollen?

Schupp: Zinn zum Beispiel ist für unsere Gesundheit deutlich unschädlicher, es ist nicht als gefährlich gekennzeichnet. Viele unserer Konservendosen mit Lebensmitteln sind von innen klassisch verzinnt. Zinn ist dem Blei in seinen Eigenschaften was den Schmelzpunkt angeht recht ähnlich, weshalb es sich zum „Zinn-Gießen“ gut eignen würde. Das Problem ist nur: Zinn ist teurer als Blei, und man könnte die gegossenen Figuren aufheben und dann im nächsten Jahr wieder einschmelzen, das ist auf jeden Fall nachhaltig. Eine weitere Alternative ist Kerzenwachs, das hat man außerdem eh meist zu Hause. Es sieht allerdings gegossen nicht ganz so toll aus wie Blei. Da ist dann Kreativität gefragt.

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