Reittherapie
Im Galopp gegen Depression

Münster -

Große glänzende Augen und ein strahlendes Lächeln: Saskia, Patientin der Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Münster, ist sichtlich begeistert, als sie an ihre ersten Erfahrungen auf dem Rücken eines Pferdes zurückdenkt. Denn ihr wird mit einer Reittherapie geholfen.

Freitag, 04.01.2019, 16:30 Uhr
In der Reittherapie macht Saskia große Fortschritte. Ihr Ziel ist es, bald schon freihändig auf dem Pferderücken stehen zu können.
In der Reittherapie macht Saskia große Fortschritte. Ihr Ziel ist es, bald schon freihändig auf dem Pferderücken stehen zu können. Foto: UKM

Seit Ende August bietet die Kinder- und Jugendpsychiatrie am UKM eine Reittherapie sowie eine Hundetherapie für die jungen Patienten an. Ein Mal wöchentlich besuchen vier Jugendliche der geschützten Station für Akut- und Intensivbehandlung für eine Stunde die Reit therapie auf dem Hof Krützkemper – von dieser Auszeit aus dem Klinikalltag durfte auch Saskia profitieren.

„Unsere Reittherapeutin hat mich als Naturtalent bezeichnet“, erzählt die 15-Jährige stolz. „Wenn ich mit dem Pferd durch den Wind reite, fühle ich mich frei. Das ist, als wäre ich gar nicht mehr ich selbst. Da vergisst man für einen Moment alle Sorgen.“

Leidenschaft entdecken

„Heilpädagogische Förderung mit dem Pferd“ nennt sich die Therapie in der Fachsprache und verspricht laut Pressemitteilung vor allem für Kinder mit traumatischen Erlebnissen, Depressionen oder Persönlichkeitsstörungen eine sinnvolle Ergänzung zum Gesamtbehandlungsplan.

Begleitet durch Personal des Pflege- und Erziehungsdienstes und unter der Leitung einer ausgebildeten Reittherapeutin können die Jugendlichen zwischen zwölf und 18 Jahren während der Tiertherapie über sich hinauswachsen und eine neue Leidenschaft entdecken.

Verein ermöglicht die Therapie

„Der Umgang mit den Pferden ist für die Jugendlichen oftmals sehr stabilisierend. Sie tanken Selbstbewusstsein und neue Hoffnung, das hilft gerade bei unseren schwer kranken Patienten enorm bei der Behandlung“, weiß Judith-Maria Fernholz, Oberärztin der geschützten Station.

Ermöglicht wird die Reittherapie durch den münsterischen Verein Herzenswünsche. Für ein Jahr übernimmt dieser die Kosten der Therapie, die von den Krankenkassen nicht getragen werden. Neben der Reittherapie ermöglicht der Förderverein der Kinder- und Jugendpsychiatrie derzeit auch eine dreimonatige Hundetherapie.

„Hunde erwecken Emotionen und stellen schnell eine Nähe zu den Kindern her“, betont die Vorsitzende des Fördervereins, Dr. Marlies Averbeck-Holocher, die selber auch als Leitende Oberärztin am UKM tätig ist.

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