Sa., 05.01.2019

Jubiläums-Auftakt Jazzfestival wird 40: Drei Tage voller Überraschungen

Jubiläums-Auftakt: Jazzfestival wird 40: Drei Tage voller Überraschungen

Foto: Gunnar A. Pier

Münster - 

Neues entdecken, einen Blick in unbekannte Nischen der kreativen Jazzszene werfen – das versprechen sich die Zuhörer beim Internationalen Jazzfestival Münster. Drei Tage lang bieten 17 Konzerte im ausverkauften Theater viele Überraschungen.

Von Hilmar Riemenschneider

Schon die erste Erwartung wird enttäuscht: Vier Saxofonisten bauen sich auf der Bühne im Theater Münster auf. Der Auftakt des Internationalen Jazzfestivals am Freitagabend verspricht also optisch, dass die vier Herren der portugiesischen Formation „Axes“ gleich mächtig zur Sache kommen werden. Das tun sie auch – allerdings übernehmen hinter ihnen zwei Schlagzeuger gleich im Eröffnungsstück die Regie und sorgen in den folgenden 70 Minuten für mächtig Druck im Kessel. Und mit einem üppigen Klangfundus zugleich für viel Farbe. Eine gewagte Besetzung – aber mit dem Saxofonquartett um Bandleader Joao Mortágua entwickelt „Axes“ so quirlige und spannungsreich arrangierte Kompositionen. Ähnlich einem A-Capella-Quartett konjugieren Sopran-, Alt-, Tenor- und Bariton-Saxofon die Motive und Improvisationen durch die Stimmlagen. Nur manchmal lösen sich einzelne Solisten aus diesem dichten Klangspektrum, wenn sie ihr Instrument um elektronische Effekte erweitern. Überaus spannend. Mortágua zufolge haben „Axes“ in Münster ihr erstes Konzert außerhalb der iberischen Halbinsel gespielt – höchste Zeit.

Krasser Kontrast: Beim folgenden Konzert des polnischen Pianisten Krzysztof Kobilinski mit dem französischen Trompeter Erik Truffaz dürfen die Zuhörer im voll besetzten Theater in feinen, das Ohr umgarnenden Melodien schwelgen. Dem roten Steinway-Flügel entlockt Kobilinski eine raumfüllende Klangkraft – in den kammermusikalischen wie in den fanfarenhaften Stücken. Darüber legt Truffaz seinen markant sanften, verschwommenen Trompetenklang. Der Franzose, der selbst viel im Elektro-Genre arbeitet, verzichtet dieses Mal auf Effekte. Da muss dann das Pubikum mit Schnippsen und Summen helfen. Am Ende bleibt es beseelt zurück.

Fotostrecke: Das Jazzfestival Münster 2019 in Bildern

Und muss sich gleich wieder auf komplexere Strukturen einstellen: „Daniel Erdmann´s Velvet Jungle“ nennt der Wolfsburger Saxofonist Erdmann sein für Münster erweitertes Quartett, dessen Musik klar konstruierte Arrangements prägen. Erdmann selbst nutzt diese Plattform überraschend selten für eigene kraftvolle Improvisationen. Den größten Freiraum erhält Theo Ceccaldi, der Violine und Viola im besten Sinn rhythmisch und solistisch wie ein Lead-Gitarrist bearbeitet. Vibrafonist Jim Hart hat es schwerer durchzudringen, erntet für seine wenigen Soli aber den stärksten Applaus. Obwohl Schlagzeuger Samuel Rohrer neu in der Formation ist, wirkt er wie das Gravitationszentrum, um das die anderen Musiker in einer engen Umlaufbahn kreisen. Bei so konzentrisch wirkenden Arrangements mag der Funke nicht überspringen.

Publikum zieht mit – bis nach Mitternacht

Was dafür beim letzten Konzert des Abends nicht lange dauert: Flamenco und Jazz verbinden der spanische Flamenco-Gitarrist Chicuelo und sein Landsmann Marco Mezquida am Flügel. Beide ergeben eine spannungsvolle Kombination, weil sich schnell zeigt, wie sehr der Gitarre sowohl Leichtigkeit als auch Schwermut des Flamenco liegen – und wie anders diese Bandbreite auf dem Klavier klingt, weil sie so kaum zu erreichen ist. Unterstützt vom Percussionisten Paco de Mode starten Chicuelo und Mezquida ein ums andere Mal in brodelnde Soli mit atemberaubend schnellen Tonfolgen. Die drei Spanier wundern sich etwas, dass das deutsche Publikum bis weit nach Mitternacht mitzieht. Kein Wunder.



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