So., 06.01.2019

Familienkonzert beim Internationalen Jazzfestival Männeken Bebop und seine Jazz-Cat

Christiane Hagedorn führte mit dem Jugendjazzorchester NRW in die Hauptstadt des Bigband-Jazz: New York.

Christiane Hagedorn führte mit dem Jugendjazzorchester NRW in die Hauptstadt des Bigband-Jazz: New York. Foto: Gunnar A. Pier

Münster - 

Große Kinderaugen – und offensichtlich auch -ohren – gab es zuhauf beim Familienkonzert des 27. Internationalen Jazzfestivals im Kleinen Haus des Theaters.  Auf den Spuren eines ausgewanderten deutschen Jungen im New York der 1920er-Jahre entdeckten die Kleinen die Geschichte der Bigbands.

Von Stefan Herkenrath

Manch einer oder eine der kleinen Besucher mag auch Bauklötze gestaunt haben, als sie vom Jugendjazzorchester Nordrhein-Westfalen und der Sängerin und Schauspielerin Christiane Hagedorn an die Hand genommen und über den großen Teich nach New York, mitten in die Hauptstadt des Bigband-Jazz, entführt wurden. Auf den Spuren eines fiktiven, in den zwanziger Jahren in den Big Apple ausgewanderten deutschen Jungen, dem aufgrund seiner Begeisterung für Jazz von seiner Mama der Spitzname Männeken Bebop verliehen wurde, entdeckten die Kleinen (und wahrscheinlich auch ein Teil der großen Zuhörer) die Geschichte der Bigbands.

Christiane Hagedorn gelang dabei das Kunststück, so überzeugend zwischen den Rollen des Männeken Bebop und seiner treuen Begleiterin, einer Katze, die sich den Ehrentitel Jazz-Cat erst verdienen musste, hin und her zu switchen, dass alle, die den „Fantasieknopf auf ihrem Kopf“ drückten, ohne Probleme zwei junge Jazzfans im New Yorker Central Park erlebten. Dass Hagedorn auch noch ebenso überzeugend Klassiker der vokalen Bigband-Literatur interpretierte und Kinderlieder wie „Alle meine Entchen“ zu solchen machte, ist schon bemerkenswert.

Fotostrecke: Familienkonzert beim Jazzfestival 2019

Jugendjazzorchester als Star

Kongenial unterstützt wurde sie dabei vom Jugendjazzorchester Nordrhein-Westfalen (JJO) unter der Leitung des Wirbelwinds Konrad Kosselleck, der auch für Arrangements und Komposition des Programms gesorgt hatte. Das JJO war der eigentliche Star des Konzerts. Achtzehn der besten Nachwuchsmusiker des Landes brannten ein Feuerwerk ab, dass es eine Freude war, und es dauerte keine fünf Minuten, da verfielen Kinder und begleitende Erwachsene dem Swing und Groove des Ensembles und klatschten und schnipsten begeistert mit.

Egal, ob das JJO in die Rolle des Orchesters Paul Whiteman schlüpfte und dessen Sound des Symphonic Jazz wieder zum Leben erweckte oder den Jungle Growl eines Duke Ellington zelebrierte, stets war der Vortrag von überschäumender Spielfreude und einer beinahe unheimlichen Präzision geprägt.

Beswingt nach Hause

Dass es gar nicht so einfach ist, mit so vielen Musikern gemeinsam zu spielen, erfuhren die Kinder, als Christiane Hagedorn das Ensemble in seine „Bauklötze“ zerlegte, um den spezifischen Klang der Rhythmusgruppe oder der Bläser-Sektionen zu demonstrieren. Wieder zusammenmontiert. begleitete das JJO Christiane Hagedorn bei dem Nina-Simone-Hit „My Baby Just Cares for Me“. Aber eigentlich trifft „Begleiten“ nicht ganz; Befeuern kommt der Sache deutlich näher. Und beswingt tänzelten anschließend viele kleine und große Menschen nach Hause.

Fotostrecke: Das Jazzfestival Münster 2019 in Bildern



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