Fr., 11.01.2019

Umstrittene Neuanpflanzung am Hansaring Stadt: Sicherheitsbedenken sprachen gegen große Bäume

Am Standort der Hansaring-Platanen wurden kleine Kaiserlinden neu gepflanzt.

Am Standort der Hansaring-Platanen wurden kleine Kaiserlinden neu gepflanzt. Foto: kal

Münster - 

Warum wurden am Hansaring für die gefällten Platanen Kaiserlinden neu gesetzt, die deutlich kleiner waren als zuvor von den Stadtwerken versprochen? Zu dieser Frage hat sich nun die Stadtverwaltung geäußert.

Von Martin Kalitschke

Nach Einschätzung der Stadtverwaltung hat es gute Gründe gegeben, die vor einem Jahr gefällten Platanen am Hansaring durch deutlich kleinere Kaiserlinden zu ersetzen.

„Ursprünglich hatten wir tatsächlich vor, erneut Platanen zu pflanzen“, so Heiner Bruns, Leiter des städtischen Grünflächenamtes, am Freitag gegenüber unserer Zeitung. Als die Planungen konkreter wurden, habe man jedoch festgestellt, dass sich im Untergrund unter anderem Gasleitungen befinden. „Im Gegensatz zu anderen Bäumen wachsen die Wurzeln von Platanen nicht an solchen Leitungen vorbei, sondern stützen sich auf ihnen ab.“ Die Stadtwerke hätten daraufhin Sicherheitsbedenken geäußert.

Umfang von 30 Zentimetern

Nachdem die Stadtwerke vor einem Jahr die Fällung der Platanen angekündigt hatten, bildete sich die Nachbarschaftsinitiative „Platanenpower“. Ihr Versuch, die Bäume zu retten, scheiterte jedoch. Die Stadtwerke versprachen daraufhin, Platanen mit einem Umfang von mindestens 60 Zentimetern oder Linden mit einem Umfang von mindestens 40 Zentimetern neu anzupflanzen. Tatsächlich haben die neuen Kaiserlinden jedoch nur einen Umfang von rund 30 Zentimetern, was die Initiative am Donnerstag scharf kritisierte (wir berichteten).

Fotostrecke: Platanen am Hansaring sind gefällt

„Größere Linden wären für den Anwuchs und den weiteren Aufwuchs nicht von Vorteil gewesen“, so Stadt-Sprecher Joachim Schiek. „Wichtig ist, dass die Baumscheiben und das Bodensubstrat hochwertig sind und die Bäume in den kommenden Jahren kontinuierlich vom Grünflächenamt betreut werden.“ So würden sie bis zu 50 Zentimeter im Jahr wachsen. „Die gepflanzten Bäume werden bereits nach zehn Jahren mehr als zehn Meter hoch sein“, verspricht Schiek. Ein weiterer Vorteil der Kaiserlinden gegenüber den Platanen bestehe darin, dass sie auch Halbschatten vertragen.

„Die Kaiserlinden werden jetzt ganz flott wachsen“, ist auch Bruns überzeugt. Es werde allerdings „Jahrzehnte“ dauern, bis die neuen Kaiserlinden das Volumen der alten Platanen erreicht haben.

 

Fotostrecke: Protest gegen Baumfällaktion am Hansaring

 

Kommentar: So geht man nicht mit Bürgern um

Der Anblick ist ein Trauerspiel: Dort, wo vor einem Jahr noch zwei stattliche, 25 Meter große Platanen standen, wackeln nun zwei mickrige, nicht einmal sechs Meter hohe Linden im Wind. Die Wunde, die am Hansaring geschlagen wurde, wird noch auf Jahre sichtbar sein. Dass die Stadtwerke vor einem Jahr versprochen hatten, die Platanen durch deutlich kräftigere Bäume zu ersetzen, macht die Sache umso schlimmer.

Haben die Stadtwerke damals gelogen, um die aufgewühlte Nachbarschaft im Hansaviertel zu beruhigen? Nein, beschwichtigte am Freitag die inzwischen zuständige Stadtverwaltung – Bäume von der Dimension, die die Stadtwerke in Aussicht gestellt hatten, hätten dort überhaupt nicht gesetzt werden können. Weil Gasleitungen im Boden liegen.

Dass die Stadtwerke nicht wussten, dass dort Gasleitungen – ihre Leitungen! – verlaufen, verwundert dann schon. Noch erstaunlicher ist es, dass sie Platanen als Sicherheitsrisiko für Gasleitungen bewerten. Am Hansaring stehen – zum Glück – noch Dutzende Platanen, an etlichen anderen Standorten im Stadtgebiet auch. Müssen die Anlieger dort Angst haben, dass ihnen irgendwann die Gasleitungen um die Ohren fliegen können? Wenn nicht – dann hätten am Hansaring doch neue Platanen gepflanzt werden können!

Nein, was am Hansaring abgelaufen ist, das wirft kein gutes Licht auf den städtischen Versorger. Irgendwie bleibt das Gefühl, dass vor einem Jahr die Kritiker der Fällaktion mit großen Versprechen beschwichtigt werden sollten – die am Ende nicht eingehalten wurden. So geht man nicht mit Bürgern um, von denen viele die eigenen Kunden sind.

Jetzt stehen sie dort, die kleinen Linden. Angeblich sollen sie schnell wachsen – man wird es sehen. Das Vertrauen in die Stadtwerke wird, zumindest im Hansaviertel, kaum schneller wachsen. Hätten sie doch damals bloß die Platanen stehen gelassen . . .

Martin Kalitschke



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