Friska Viljor-Frontmann im Interview
„Ich musste den Mist abladen“

Münster -

Friska Viljor standen für Gute-Laune-Indie wie kaum eine zweite Band. Auf dem neuen Album „Broken“ verarbeitet Frontmann Joakim Sveningsson eine schmerzhafte Trennung. Ein Gespräch über Musik als Therapieform, das düstere neue Album und das anstehende Konzert in Münster.

Dienstag, 15.01.2019, 10:00 Uhr
Joakim Sveningsson (l.) und Daniel Johansson stellen am Mittwochabend in der Sputnikhalle ihr Album „Broken“, das erste seit „My Name is . . .“ (2015), vor.
Joakim Sveningsson (l.) und Daniel Johansson stellen am Mittwochabend in der Sputnikhalle ihr Album „Broken“, das erste seit „My Name is . . .“ (2015), vor. Foto: Dennis Dirksen

Friska Viljor – das waren doch die mit diesen heiteren Drei-Minuten-Indie-Pop-Nummern. Genau. Waren. Auf dem neuen, eher düster geratenen Album „Broken“ verarbeitet Joakim Sveningsson, eine Hälfte des Schweden-Duos, die sehr schmerzhafte Trennung von seiner Partnerin und den gemeinsamen Kindern. Vor dem Konzert am Mittwoch, 20 Uhr, in der Sputnikhalle, sprach unser Redaktionsmitglied Florian Levenig mit dem Frontmann.

Die naheliegende Frage vorweg: Wie geht es Ihnen?

Sveningsson: Ganz verarbeitet habe ich die vergangenen Jahre, die die schlimmsten in meinem Leben waren, noch nicht. Aber die Aufnahmen zu „Broken“ haben mir geholfen, das, was passiert ist, irgendwann hinter mir zu lassen.

„Is It Over?“, „Failure“, „Miss You“: Die Titel lesen sich wie die Chronologie des Scheiterns einer Beziehung.

Sveningsson: Das war der Plan. Ich musste den ganzen Mist ja irgendwo abladen. Insofern war die Arbeit im Studio eine Art Therapie.

Welche Rolle hat dabei Co-Sänger Daniel Johansson gespielt?

Sveningsson: Auch auf ihm habe ich eine Menge abgeladen (lacht). Nein, Daniel ist mein bester Freund, wir kennen uns seit Ewigkeiten. Ich kann ihn Tag und Nacht anrufen, wenn mich was bedrückt. Außerdem war er derjenige, der mich überzeugt hat, die Band nicht aufzulösen.

Viele Fans begleiten Sie seit dem Debüt „Bravo!“ und seinen mitreißenden Gitarren-Pop-Songs. Können die mit einem Trauerkloß auf der Bühne überhaupt was anfangen?

Sveningsson: Ich denke schon. Wir haben eine sehr symbiotische Beziehung zu unserem Publikum. Vielleicht hat der eine oder andere Hörer ja Ähnliches durchgemacht wie ich. Die ersten Reaktionen waren jedenfalls durchweg positiv.

Zumal selbst frühe Songs wie „Shotgun Sister“ ja keine Jubilierstücke sind.

Sveningsson: Stimmt, fröhliche Musik hat mich noch nie interessiert. Wir haben die teils melancholischen Inhalte bloß hinter diesen „We Are Happy Now“-Refrains versteckt. Wenn man so will, haben wir mit „Broken“ die Masken runtergerissen. Wobei wir in Münster natürlich auch die älteren Nummern spielen werden.

Haben Sie bei den neuen, extrem persönlichen Songs keine Sorge, dass Ihnen auf der Bühne die Stimme versagt?

Sveningsson: Persönlich waren die Songs immer schon. Und geweint haben wir auch früher bereits auf der Bühne, das scheint die Leute nicht zu stören. Trotzdem: Nervenaufreibend wird die Tour bestimmt.

 

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