Interview zum Thema „40 Jahre Stadtmuseum“
Publikumsmagnet Täufer

Münster -

Das Stadtmuseum wird in diesem Jahr 40 Jahre alt. Leiterin Dr. Barbara Rommé im Interview.

Samstag, 19.01.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 19.01.2019, 19:20 Uhr
Dr. Barbara Rommé (55) leitet seit 20 Jahren das Stadtmuseum an der Salzstraße.
Dr. Barbara Rommé (55) leitet seit 20 Jahren das Stadtmuseum an der Salzstraße. Foto: kal

Das Stadtmuseum feiert 2019 sein 40-jähriges Bestehen, an den Standort Salzstraße zog es vor 30 Jahren. Mit der Leiterin des Stadtmuseums, Dr. Barbara Rommé, sprach im Vorfeld des an diesem Sonntag (18 Uhr) stattfindenden Neujahrsempfangs des Fördervereins des Stadtmuseums unser Redakteur Martin Kalitschke.

Frau Rommé, wie ging 1979 alles los?

Rommé: Ein Jahr zuvor hatte sich der Förderverein gegründet. 1979 bekam dann der erste Leiter des Museums, Hans Galen, seinen Schreibtisch – damals im Stadtarchiv Münster. Die erste Ausstellung folgte 1980 – da wurden Neuerwerbungen des Fördervereins gezeigt.

Besaß das Stadtmuseum zum Start eine Sammlung?

Rommé: Nein, den Grundstock bildete das, was sich damals im Besitz der Stadt befand. Was wir heute besitzen, kam erst im Laufe der Jahrzehnte zusammen. Objekte zusammenzutragen – das ist bis heute die Haupttätigkeit in unserem, in jedem Museum. Zumal 90 bis 100 Prozent der Exponate, die wir in den Sonderausstellungen präsentieren, aus dem eigenen Bestand stammen. Nebenbei: Nur was von uns gesammelt wird, bleibt auch langfristig erhalten.

Wie viele Exponate befinden sich heute im Besitz des Stadtmuseums?

Rommé: Rund 500 000.

Sind die alle hier in der Salzstraße deponiert?

Rommé: Nein, wir haben auch noch ein Außenlager. Der größte Bestand sind die historischen Fotos und Negative.

Wie kommen Sie eigentlich an neue Exponate?

Rommé: Wir erhalten Jahr für Jahr in den letzten Jahren rund 300 bis 400 Schenkungen – wobei wir nicht jedes Angebot annehmen, schließlich sind damit auch nicht geringe Folgekosten verbunden. Heute erreichen uns die meisten Angebote per E-Mail mit Fotoanhang – früher kamen häufiger Bürger direkt vorbei. Viele Exponate stammen aus Nachlässen auch von Künstlerinnen und Künstlern. Zudem informieren wir uns über lokale, regionale, aber auch internationale Auktionen sowie den Kunsthandel – und sind bei Ebay aktiv.

Auf Ebay?

Rommé: Da haben wir schon einige interessante Objekte gekauft. Zum Beispiel einen Metallbecher aus einem münsterischen Kriegsgefangenenlager aus dem Jahr 1915.

Reichen denn Ihre Mittel für Ankäufe aus?

Rommé: Es ist schwierig. Ohne die Unterstützung unseres Fördervereins ginge das gar nicht. Er hilft uns regelmäßig bei Neuerwerbungen.

Wie viele Mitarbeiter hat das Stadtmuseum aktuell?

Rommé: Aktuell haben wir rund 15 Vollzeitäquivalente, es waren mal mehr. Die immer größer werdenden Herausforderungen mit weniger Personal zu bewältigen, ist nicht einfach. Öffentlichkeitsarbeit, Social Media, Digitalisierung, die zahlreichen Schenkungsangebote – also auch die Fragen, wie wir in Kontakt mit Menschen treten –, das sind Bereiche, in denen wir uns noch gerne stärker engagieren würden.

Wie viele Menschen waren seit der Gründung vor 40 Jahren im Stadtmuseum?

Rommé: Verlässliche Zählungen gibt es seit 30 Jahren – seitdem waren es 2,8 Millionen, also im Schnitt rund 95 000 Besucher pro Jahr.

Sind Sie mit dieser Resonanz zufrieden?

Rommé: Ja, für ein Haus dieser Größe sind das gute Zahlen. Das Museum arbeitet hoch effizient, wir kommen mit wenigen Mitteln zu einem beachtenswerten Ergebnis. Kurzum: Ich denke, dass wir uns in den vergangenen Jahrzehnten sehr gut geschlagen haben.

Was muss sich nach Ihrer Einschätzung in der Zukunft ändern?

Rommé: Es ist schwierig, grundsätzliche Veränderungen an der Schausammlung vorzunehmen, da es große Kosten verursacht.

ist denn am beliebtesten?

Rommé: Gerade am Wochenende haben wir immer wieder viele Besucher in der Schausammlung. In anderen Museen ist das alles andere als selbstverständlich. Vor allem die Anfänge der Stadtgeschichte, die Täuferzeit, der Westfälische Frieden und das 20. Jahrhundert stoßen auf großes Interesse.

Haben sich die Besucher in den vergangenen Jahrzehnten verändert?

Rommé: Das Allgemeinwissen im Bereich Geschichte nimmt ab. Fremde Themen zu vermitteln, die nicht im Fokus breiter Bevölkerungsschichten stehen, das wird schwieriger. Die Herausforderung für uns ist es, dieses Wissen verständlich zu vermitteln. Das gilt auch für unsere Aufgabe als außerschulischer Lernort, zumal viele Schüler immer weniger Geschichtsunterricht haben. Unsere Foto-Ausstellungsreihe „Münster vor 50 Jahren“ ist ein Beispiel für einen niedrigschwelligen Zugang.

Wie wird das Stadtmuseum 2030 aussehen?

Rommé: Wir wünschen uns mehr Platz in unserer Schausammlung für das 21. Jahrhundert, mehr Kommunikation in sozialen Netzwerken, noch mehr Digitalisierung – und hoffentlich mehr personelle Ressourcen.

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