Opfer von Klimawandel und Pilzerkrankungen
Hunderte Bäume müssen gefällt werden

Münster -

Extremwetter und gefährliche Pilze haben ihnen zugesetzt: Bis Ende Februar wird das Grünflächenamt 200 bis 300 Bäume im Stadtgebiet fällen. Einige von ihnen haben auch einfach nur das Ende ihrer Lebenszeit erreicht.

Montag, 21.01.2019, 19:00 Uhr aktualisiert: 21.01.2019, 19:41 Uhr
Diese Rotbuche am Kaiser-Wilhelm-Ring ist von einer Riesenpilzart befallen. Zu einer Fällung gebe es keine Alternative, sagt Andreas Lambert vom Grünflächenamt.
Diese Rotbuche am Kaiser-Wilhelm-Ring ist von einer Riesenpilzart befallen. Zu einer Fällung gebe es keine Alternative, sagt Andreas Lambert vom Grünflächenamt. Foto: Oliver Werner

80 Jahre stand die Rotbuche gegenüber der Villa ten Hompel am Kaiser-Wilhelm-Ring – jetzt muss sie gefällt werden. An den Wurzeln des 20 Meter hohen Baumes hat sich der Riesenporling – eine Pilzart – angesiedelt, das Holz beginnt zu faulen. „Die Rotbuche ist nicht mehr zu retten“, sagt Grünflächenamt-Mitarbeiter Andreas Lambert.

Sie gehört zu 200 bis 300 städtischen Bäumen, die bis Ende Februar aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt werden müssen. Diese Zahl entspricht dem langjährigen Durchschnitt – doch sie wird wohl in den kommenden Jahren ansteigen, befürchtet Lamberts Kollege Hans-Ulrich Menke. „Immer mehr Bäume im Stadtgebiet erreichen das Ende ihrer Lebenserwartung, die bei maximal 100 Jahren liegt“, sagt Menke. Klimaextreme und Pilze setzten vielen Bäumen zusätzlich zu. „Noch so ein Sommer wie 2018, und die Situation wird eskalieren.“

„So lange wie möglich erhalten“

Menke berichtet von Städten, die konsequent Bäume, die in die Jahre gekommen sind, fällen. In Münster gehe man anders vor. „Wir versuchen, die Bäume nach ihrem tatsächlichen Zustand zu beurteilen – und so lange wie möglich zu erhalten.“

Ein sechsköpfiges Team kontrolliere mindestens einmal im Jahr die rund 100 000 städtischen Bäume entlang der Straßen, auf Schulhöfen oder in Parkanlagen, nimmt Wurzeln und Kronen in Augenschein, hält nach Pilzen Ausschau, die für Bäume zu einer tödlichen Gefahr werden können. Manchmal sei sofort klar, dass ein Baum nicht mehr zu halten ist, manchmal seien weitere Untersuchungen und sogar Gutachten erforderlich.

Wie bei einem Spitzahorn vor dem Haus Melchersstraße 3. Um die Vitalität des Baumes zu ermitteln, kam hier eine Bohrwiderstandsmessung („Resistograf“) zum Einsatz. Eine dünne Bohrnadel wurde in den Stamm geschoben, um Fäulnis und Hohlräume aufzuspüren. Andreas Lambert zeigt auf ein Blatt mit vielen Kurven. Ergebnis der Untersuchung: Der Baum muss gefällt werden.

Teure Neuanpflanzungen 

„Ich mache diesen Job seit 30 Jahren, für mich ist jeder Baum wertvoll“, sagt Lambert. „Eine solche Entscheidung fälle ich nicht leichtfertig.“ Wann immer möglich, werde ein neuer Baum gepflanzt. Dabei setze die Stadt verstärkt auf Arten, die besser mit Klimaextremen zurechtkommen – zum Beispiel Mehlbeeren.

Solche Neuanpflanzungen seien nicht billig: Mindestens 1000 Euro koste eine Baumscheibe plus Baum, berichtet Menke. Und so sind auch Kostengründe dafür verantwortlich, dass die Stadt bei vielen erkrankten Bäumen zunächst auf eine Therapie setzt. „Viele Eschen sind von einem Pilz befallen. Wenn wir 1000 Eschen fällen würden, wäre eine Million Euro weg. Doch wir haben nur ein Jahresbudget von 200 000 Euro“, sagt Menke.

In Kürze wird das Grünflächenamt der Bezirksvertretung Mitte eine Liste der zu fällenden Bäume vorlegen – zur Kenntnis. „Sie ist nicht zu diskutieren“, stellt Hans-Ulrich Menke klar. Denn jeder Baum, der auf dieser Liste steht, sei zuvor intensiv untersucht worden.

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