FDP steht vor Scherbenhaufen
Abstimmungspannen und neue Rücktritte bei Münsters Liberalen

Münster -

Nach zwei weiteren Rücktritten ist der FDP-Kreisverband quasi handlungsunfähig. Jetzt soll der nicht unumstrittene Ratsfraktionschef den Neuanfang organisieren.

Mittwoch, 23.01.2019, 21:00 Uhr
FDP-Ratsfraktionschef Jörg Berens
FDP-Ratsfraktionschef Jörg Berens Foto: Oliver Werner

Die Krise des FDP-Kreisverbandes Münster hat sich nochmals verschärft. Nach dem Rücktritt der beiden letzten gewählten Vorstandsmitglieder Kai Samuelson und Benedikt Graf von Merveldt am Dienstag ist die liberale Kreispartei kaum mehr handlungsfähig.

Doch damit nicht genug: Auf dem außerordentlichen Parteitag am vergangenen Freitag haben sich offenbar Mitglieder an Abstimmungen beteiligt, die wegen Beitragsrückständen gar nicht stimmberechtigt waren. Wie sich dies auf die getroffenen Beschlüsse auswirkt – unter anderem wurde ein Europawahl-Kandidat nominiert –, soll nun geprüft werden. Offenbar hatte der FDP-Ortsverband West eine fehlerhafte Meldung an den Kreisverband übermittelt, wie aus einer Information an die Mitglieder hervorgeht.

Als einzig verbliebenes Mitglied im Kreisvorstand steht jetzt der in der vergangenen Woche frisch gekürte Ratsfraktionschef Jörg Berens da. Dessen Wahl hatte zum Rücktritt des bisherigen Kreisvorsitzenden Manuel Lascasas und in der Folge zu weiteren Rücktritten an der Spitze des Kreisverbandes geführt. Jetzt soll Berens, mit dem nach den Worten von Lascasas keine vertrauensvolle Zusammenarbeit möglich ist, den Neuanfang organisieren. Das teilte der FDP-Landesverband in Düsseldorf mit. Man sei im Austausch, hieß es auf Anfrage unserer Zeitung.

Berens selbst zeigte sich am Mittwoch überrascht, dass laut Satzung ihm nun die Aufgabe zufalle, einen Kreisparteitag zu organisieren, der einen neuen Vorstand wählt. „Ich stelle mich in den Dienst der Partei und mache das“, erklärte der 39-Jährige.

Kommentar

Gefährlicher Sinkflug

Münsters FDP ist zerrissen und in schweren Nöten. Daran dürfte sich zunächst wenig ändern, selbst wenn ein neuer Kreisvorstand gefunden werden sollte. Denn die Listen-Aufstellung für die Kommunalwahl 2020 beschert der kriselnden Partei mutmaßlich weitere Unruhe und gefährliche Ränkespiele.

Dass jetzt ausgerechnet der neue Ratsfraktionschef Jörg Berens, dessen Wahl der bisherige Parteichef unverblümt als Rücktrittsgrund genannte hatte, den Neuanfang vorbereiten soll, zeigt das Dilemma, in dem die münsterischen Liberalen stecken. Denn der frühere Kreisvorsitzende Berens ist in der Partei nicht unumstritten. Viele nehmen ihm übel, dass er als Bundestagskandidat bei der Nominierung im Bezirksverband ein undurchsichtiges Spiel getrieben haben soll. Im Ergebnis gingen Münsters Liberale dort leer aus.

Sollte es Berens indes gelingen, ein auf parteiinternen Ausgleich bedachtes Personaltableau für den neuen Kreisvorstand vorzulegen, könnte er seine Kritiker zumindest ein wenig besänftigen. Noch aber ist Münsters FDP im gefährlichen Sinkflug.

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„Das ist keine kleine Krise, in der sich unsere Partei in Münster befindet“, schrieb Berens den FDP-Mitgliedern am Mittwoch. „In enger Zusammenarbeit mit den Ortsvorständen“ will er einen Ausweg aus der Führungskrise suchen, um „für den nächsten Kreisparteitag eine überzeugende personelle Neuaufstellung anzubieten“. Dafür müsse man sich auch die notwendige Zeit nehmen. Berens geht davon aus, dass die Neuwahl des Vorstands frühestens Mitte/Ende Februar stattfinden wird.

Der zuletzt zurückgetretene Vorstandsvize Samuelson und Beisitzer Graf von Merveldt betonten in ihrem Rücktrittsschreiben die „sehr erfolgreiche Arbeit des Kreisvorstands“ unter Manuel Las­casas. Der jedoch dürfte angesichts der personellen Konstellation kaum für ein Weitermachen zur Verfügung stehen.  

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