Serie: „Reallabor für klimafreundliche Entscheidungen“
Eine Familie – viele Standpunkte

Münster -

Sechs Personen leben im Haushalt der Radefelds. Beim städtischen Projekt „Reallabor für klimafreundliche Entscheidungen“ wollen sie ihre Umweltbilanz verbessern. Dabei gibt es ganz unterschiedliche Motivationslagen in der Familie.

Montag, 04.02.2019, 19:00 Uhr
Die Eltern Sibylle und Jürgen Radefeld machen mit ihren Kindern (v.l.) Leni, Leo, Lotta und Ludwig beim Reallabor klimafreundliche Entscheidungen mit. Außerdem gehören drei Meerschweinchen und noch Kaninchen zur Familie.
Die Eltern Sibylle und Jürgen Radefeld machen mit ihren Kindern (v.l.) Leni, Leo, Lotta und Ludwig beim Reallabor klimafreundliche Entscheidungen mit. Außerdem gehören drei Meerschweinchen und noch Kaninchen zur Familie. Foto: Björn Meyer

„Wichtiger noch als der Lichtschalter, ist der Schalter in Ihrem Kopf“ – Umweltdezernent Matthias Peck wählte eindringliche Worte, als in der vergangenen Woche im Stadtweinhaus im Zuge des städtischen Projekts „Reallabor klimafreundliche Entscheidungen“ kommerzielle Anbieter auf münsterische Haushalte trafen. Unter den zwölf Familien, die nach einer Bewerbungsphase für das Projekt ausgesucht wurden, sind auch die Radefelds aus Mecklenbeck. Sie wollen in diesem Jahr ihr Verhalten in den Bereichen Mobilität, Ernährung und Konsum sowie Wohnen und Energie hinterfragen, zugleich aber auch neue Angebote testen.

Und das ist gar nicht so einfach, denn wie in vielen Familien gibt es auch bei den Radefelds unterschiedliche Meinungen zu dem und damit Herangehensweisen an den Modellversuch. Feuer und Flamme ist Mutter Sibylle, die sich schon früher aktiv für die Umwelt einsetzte. „Ich hatte von dem Projekt in der Zeitung gelesen und fand es direkt spannend“, erzählt sie.

Einsparpotenziale in Energie und Mobilität

Ihr Mann Jürgen hat derweil seinen Blick auf mögliche Einsparpotenziale in den Bereichen Energie und Mobilität gerichtet. Die vier Kinder sind dagegen gespalten. Die Jungs Ludwig (15) und Leo (11) haben bereits ihr Engagement angekündigt. Dabei gibt Leo zu, dass das Ganze einen Denkprozess bei ihm angestoßen habe: „Am Anfang fand ich das doof, aber jetzt mache ich doch mit.“ Sein Bruder steht derweil auf dem Standpunkt: „Ich möchte schließlich, dass die Menschen später auch noch etwas von der Natur haben“, sagt Ludwig.

Serie

Unsere Zeitung wird Familie Radefeld in diesem Jahr in unregelmäßigen Abständen bei dem Projekt „Reallabor klimafreundliche Entscheidungen“ begleiten.

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Die beiden Mädchen, Lotta (13) und Leni (8) sind dagegen noch skeptisch. „Ich glaube einfach nicht, dass es etwas ändert, wenn nur wir mitmachen. Eigentlich muss ja jeder Mensch etwas daran ändern“, ist sie dem Kern des Ganzen vielleicht schon näher, als sie selber denkt.

Klimabilanz: Noch Luft nach oben

Die Stadt hat den Radefelds die Klimabilanz der Familie vorgelegt – erstellt mittels eines Fragebogens, den jede der teilnehmenden Familien separat zu beantworten hatte. Die Startbilanz der Radefelds ist deutlich besser, als die vieler anderer Familien – aber längst noch nicht so gut, wie es das Ziel der Stadt für das Jahr 2050 vorsieht. Pro Person ist der Treibhausgas-Ausstoß gut drei Mal so hoch, wie ihn die Stadt für 2050 ansetzt. Wenige Familien liegen noch unter den Radefelds, einige um ein Vielfaches höher.

„Ich war trotzdem schockiert, wie hoch wir da noch liegen“, sagt Sibylle Radefeld, studierte Bauingenieurin und Landschaftökologin. Gerade im Bereich Konsum und Ernährung bleibt noch viel Luft nach oben.

Warum bekommen wir es etwa nicht hin, dass Busfahren für die Menschen kostenlos ist?

Jürgen Radefeld

Bei den Radefelds hat das Thema zu kontroversen Diskussionen geführt – einerseits darüber, was innerhalb der Familie möglich ist, andererseits auch, was die Gesellschaft tun kann. „Einiges kann der Staat sicher erzwingen, man sieht das ja beim Thema Plastiktüten. Anderes aber müssen die Leute freiwillig machen“, ist sich Maschinenbau-Ingenieur Jürgen Radefeld sicher. Beim Thema Mobilität vertritt Radefeld einen beinahe radikalen Ansatz. „Warum bekommen wir es etwa nicht hin, dass Busfahren für die Menschen kostenlos ist?“, fragt er.

Während den Radefelds in den kommenden Wochen verschiedene nachhaltige Angebote von den Anbietern unterbreitet werden, hat der Prozess der Umstellung in der Familie längst begonnen. Vater Jürgen wurde – zunächst zu seinem Unwillen – mit wiederverwertbaren Brotsäcken zum Bäcker geschickt.

Reparieren statt wegwerfen

Und auch die kaputte Mikrowelle landete nicht auf dem Müll, sondern wurde mittels Youtube-Video und etwas Improvisation wieder flott gemacht. Was blieb Jürgen Radefeld auch anderes übrig? Immerhin stellt seine Frau Sibylle mit einem Lächeln klar: „Ich hätte auch keine neue gekauft.“

Es sind erste Fingerzeige, oder wie Umweltdezernent Peck jüngst über das Projekt sagte: „Wir wollen erste Antworten auf wichtige Fragen bekommen. Etwa, wie wir die Haushalte motivieren können oder welche Unterstützung sie benötigen.“

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