Spitze in NRW
Münster ist die Heimat der Einser-Abiture

Münster -

In Münster stand beim Abiturientenjahrgang 2017 in jedem dritten Zeugnis eine Note mit einer Eins vor dem Komma. Nirgendwo in NRW fallen die Abiturnoten so gut aus wie hier.

Freitag, 08.02.2019, 07:00 Uhr
Spitze in NRW: Münster ist die Heimat der Einser-Abiture
Bei jedem dritten Abiturzeugnis in Münster steht eine Eins vor dem Komma. Foto: dpa (Symbolbild)

Wohin nach dem Ende der Grundschule? Am heutigen Freitag gibt es Halbjahreszeugnisse – und damit steht das Thema in den Familien der Viertklässler wieder weit oben auf der Tagesordnung. In Münster entscheidet sich seit Jahren die Mehrheit der Eltern für das Gymnasium – das Abitur, die allgemeine Hochschulreife, war im vergangenen Jahr für knapp 53 Prozent der Familien das gewünschte Bildungsziel für ihr Kind.

Ein Blick auf die Ergebnisse der Abiturprüfungen an den münsterischen Schulen zeigt, dass sich viele Gymnasiasten durchaus berechtigte Hoffnungen auf eine erfolgreiche Bildungskarriere machen können. Die Landesstatistik in NRW weist Münster als das Mekka der Einser-Abiture im Land aus. Im Abschlussjahr 2017, wofür die jüngsten Daten, bezogen auf kreisfreie Städte und Kreise, vorliegen, stand auf jedem dritten in Münster ausgestellten Abiturzeugnis eine Note mit einer Eins vor dem Komma. 70 der insgesamt 2025 erfolgreichen Abiturienten schafften sogar die Traumnote 1,0. Nur auf 357 Zeugnissen stand eine Note von 3,0 oder schlechter.

Landesweit der beste Durchschnitt

Für alle Abiturienten der Stadt ergab sich eine Durchschnittsnote von 2,28 – landesweit der beste Wert. Im NRW-Schnitt erreichen die Abiturienten ein Mittel von 2,46.

Bei einem Vergleich der Kommunen zeigt sich ein spürbares Gefälle. In Städten mit einem hohen Anteil von Akademikern – wie eben Münster oder auch Bonn (Durchschnittsnote 2,34) – erreicht der Nachwuchs entschieden bessere Noten als etwa im Ruhrgebiet, wo die Akademiker-Dichte geringer ist. In Gelsenkirchen liegt die Durchschnittsnote bei 2,62, ein Einserzeugnis erreicht dort jeder fünfte bis sechste Abiturient.

Lehrerverbände beklagen „Noteninflation“

Was die vielen Spitzennoten in Münster über die Zukunftschancen der Schulabgänger und ihren Erfolg an Hochschulen oder der Berufsausbildung aussagen, ist nicht erhoben. Der Trend zu immer besseren Noten ist jedoch seit Jahren nicht aufzuhalten. Lehrerverbände beklagten erst im vergangenen Jahr die „Noteninflation“, so der Vorsitzende des deutschen Lehrerverbandes, Heinz Peter Meidinger.

Michael Kaulingfrecks. Vorsitzender des Stadtverbandes Bildung und Erziehung und Leiter der Nienberger Annette-Grundschule, hat gerade die Zeugnisse der Viertklässler unterschrieben. Gut die Hälfte an seiner Schule haben eine Gymnasialempfehlung, sagt er und ergänzt: „Wir Lehrer sind froh, dass die Entscheidung beim Übergang bei den Eltern liegt.“

Die Hälfte geht zum Gymnasium

Die NRW-Schulstatistik zeigt: Der Trend, dass in Münster immer mehr Kinder das Gymnasium besuchen, scheint gestoppt. Seit einigen Jahren nimmt der Anteil beim Übergang auf die weiterführenden Schulen nicht mehr zu. Er hat, seitdem es auch städtische Gesamtschulen gibt, sogar leicht abgenommen und lag im Jahr 2017 bei 51,2 Prozent. Eltern, die für ihr Kind zwar das Abitur als Bildungsziel im Auge haben, gleichzeitig aber zweifeln, ob das Gymnasium die richtige Schulform ist, können sich angesichts der Statistik entspannen. Etwa ein Drittel der Abiture in Münster wird an Gesamtschulen und Kollegs erworben.

Andererseits entlassen aber auch die Gymnasien der Stadt regelmäßig noch mehr erfolgreiche Abiturienten als sie acht Jahre zuvor an Fünftklässlern aufgenommen haben. Die Zeiten, da es Praxis der Gymnasien war, leistungsschwächere Kinder in größerem Stil auf Real- oder Hauptschulen zu verweisen, sind offenbar vorüber.  

Kommentar: Gelassen bleiben

Was sagt die Statistik über Abiturienten-Anteile, Abinoten und Schulwahl in Münster? Sie unterstreicht die häufig angeführte Erkenntnis, dass im deutschen Schulsystem Bildungserfolg und soziale Herkunft durchaus in einem Zusammenhang stehen. Es ist nicht überraschend, dass eine Bevölkerungsstruktur mit tendenziell hohem Bildungsniveau, wie in Münster, sich in der Nutzung der Schulen abbildet.

Die guten Nachrichten hinter den Zahlen: Gerade Eltern, die jetzt vor dem Übergang zur weiterführenden Schule Zweifel haben, ob der direkte Weg zum Abitur über ein Gymnasium für ihr Kind der beste ist, können sich entspannen. In Münster entlassen die Schulen mehr Abiturienten als die Gymnasien acht oder neun Jahre zuvor aufgenommen haben.

Das Schulsystem ist durchlässig – viele Wege führen zum Abitur. Den Weg über das Gymnasium schaffen dabei die allermeisten – der allein selig machende ist er nicht.

- Karin Völker

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