Der „Elephant“ schließt
Elefantöser Auftritt – 50 Jahre münsterische Party-Geschichte

Münster -

[Mit Video] Mit dem „Elephanten“ schließt ein Urgestein in Münsters Clubszene. Rauschende Partys wurden hier gefeiert, auch zahlreiche Promis ließen hier die Korken knallen. Vor den Abschiedspartys haben wir noch einen Blick in das Nachtlokal am Roggenmarkt geworfen, in das vor 50 Jahren die Disco-Welle schwappte.

Freitag, 08.02.2019, 13:30 Uhr aktualisiert: 08.02.2019, 18:59 Uhr
Der „Elephant“ schließt: Elefantöser Auftritt – 50 Jahre münsterische Party-Geschichte
50 Jahre lang wurde am Roggenmarkt im „Elephanten“ gefeiert. Jetzt geht es dort mit neuem Namen und neuem Konzept weiter. Foto: Cengiz Sentürk

Promis gingen früher im „Elephanten“ ein und aus. Stars wie Howard Carpendale und Rudi Carrell verewigten sich im Gästebuch. Auch Zarah Leander blieb unvergessen. Gäste schlürften sogar lange Zeit einen Cocktail, der nach der Diva benannt war. Wahrhaft elefantös war das Jubiläumsprogramm zum 25-jährigen Bestehen des Lokals im Jahr 1994. Dabei war das Überleben des „Elephanten“ mit 22 Jahren noch sehr fraglich. Doch das Tanzlokal am Roggenmarkt blieb erhalten.

Paul Hinnenberg hob das Nachtlokal aus der Taufe. Seine Schwester Waltraud Hinnenberg erinnerte sich 1992 noch gut an den Start. Es war ihr 40. Geburtstag. Damals sei ihr Bruder fasziniert gewesen von der aufkommenden Diskothekenwelle in Holland. Er erfuhr von den freien Räumen am Roggenmarkt – und legte los.

„Abendlokal” erobert Stammpublikum

Bewusst hätten sie die Bezeichnung Abendlokal gewählt. Der 50-jährige Paul Hinnenberg und seine zehn Jahre jüngere Schwester entschieden damals, „etwas für unsere Jahrgänge zu tun“.

Tatsächlich sprach sich das Angebot auch schnell herum. Der „Elephant“ eroberte sein Stammpublikum. Später brachten ältere Gäste gelegentlich schon ihre Kinder mit. Vom Walzer bis zum Oldie – das komplette Programm wurde gespielt. Rauschende Partys wurden am Roggenmarkt gefeiert – Wirte­bälle und Karnevalsfeste. Karnevalsprinz Horst II. Newels trug damals ins Gästebuch ein: „Der erste Prinz, der den Elephanten durch den Lokus betrat.“

Für Rudi Carrell „das schönste Lokal Deutschlands”

Das Eilemann-Trio, Graham Boney, Ivan Rebroff – viele Größen aus der Showbranche kamen. Nur der Montag war reserviert für eine „Talentprobe“.

Der erste Eintrag ins Gästebuch stammt aus dem Jahr 1969 von Rudi Carrell. Er schrieb: „Ich bin ein Elephant, Madam; sehen wir uns wieder im schönsten Lokal Deutschlands, Elephant Münster“.

Damals sei das Lokal von der Ausstattung der Hammer für Münster gewesen, berichtete Waltraud Hinnenberg 1992. In dem Jahr gab sie das Lokal aus gesundheitlichen Gründen auf. Sie erinnerte an das Ambiente, das jeweils mit Plastikblumen im Wert von 80.000 D-Mark der jeweiligen Jahreszeit angepasst wurde. Auf Krawatten wurde auch 1992 schon verzichtet, nur das Turnschuhpublikum wollte man nicht im Lokal am Roggenmarkt haben, in dem auch die Stadtentscheidung zur Wahl der Miss Germany ausgetragen wurde.

 „Wir wollen keine Zappelbude“

Werner Ahrens, viele Jahre Barchef und Betriebsleiter, blieb dem Lokal lange treu. Er machte deutlich: „Wir wollen keine Zappelbude.“

Im Jahr 1992 vollzog sich dann ein Pächterwechsel. Rod Mayler, von 1970 bis 1976 aushilfsweise Discjockey im „Elephanten“, kehrte als Pächter zurück. Costas Mintsis war damals einer der Mitarbeiter im Lokal, der bis fünf Uhr morgens am Plattenteller arbeitete. Spätestens mit dem „Gute Nacht Freunde“ wussten seine Zuhörer, dass es Zeit war, zu gehen.

Zwischenzeitlich stieg Werner Ahrens aus. Das Disco-Fieber war nicht mehr nach seinem Geschmack. Er vermisste die gepflegte Atmosphäre.

1999 war es düster um das Lokal bestellt. Die Karawane der Disco-Besucher zog weiter.

Verlobungsecke überstand Umbau

Die Elephant-Gastro GmbH mit Rod Mayler wurde gegründet. Werner Ahrens kehrte zurück und übernahm die Geschäftsführung. Er wollte das alte Tanzlokal-Konzept beleben und kannte das Problem, das gerade ältere Gäste hatten. Sie beklagten einen Mangel an Tanzlokalen in Münster und fuhren darum bis nach Bad Rothenfelde, um das Tanzbein zu schwingen. Ahrens baute um, nur die Verlobungsecke, für viele Paare mit Erinnerungen verbunden, sollte so bleiben, wie sie war.

In diesem Jahr würde das Lokal sein 50-jähriges Bestehen feiern. Unter der Leitung von Gerald Wissel und unter dem Namen „Elephant Lounge“ geht der Dinosaurierer im münsterischen Nachtleben aber jetzt in den Ruhestand.

Wie es weitergeht

Der „Elephant“ am Roggenmarkt ist mit diesem Wochenende Geschichte. Nach fast 50 Jahren am Ende der langen Passage endet ein Kapitel im münsterischen Nachtleben. Gastronomisch soll es an diesem Ort gleichwohl weitergehen. Und zwar im neuen „Roggenmarkt“, wie der bisherige „Elephant Lounge“-Betreiber Gerald Wissel ankündigt. Geplant ist dort nach einem mehrwöchigen Umbau eine Mietlokalität für private Feiern aller Art. Aber auch Party-Reihen sind vorgesehen. Tagsüber setzt Wissel auf den Virtual-Reality-Trend. Dabei bewegen sich die Menschen mit einer VR-Brille in fremden Welten und müssen je nach Spiel unterschiedliche Abenteuer bestehen oder Rätsel lösen. Auch ein Café-Betrieb ist geplant.

- Dirk Anger

...
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6377785?categorypath=%2F2%2F2669082%2F2670173%2F2686135%2F2686808%2F2686822%2F
Nachrichten-Ticker