Studierende der Musikhochschule im Wettbewerb
Steinway-Förderpreis: Klangrausch  in  der  Königsklasse

Münster -

Der Steinway-Förderpreis ist ein Forum für Studierende der Klavierklassen der Musikhochschule Münster. Im Jahr des Hochschul-Jubiläums drehte sich beim Finalkonzert alles um Franz Liszt – und ein bisschen auch um Leo Ornstein.

Donnerstag, 14.02.2019, 15:24 Uhr
Die Preisträger des Steinway-Förderpreises 2019 (v.l.): Yeonseo Jeong, Alexey Sychev und Yongchan Park
Die Preisträger des Steinway-Förderpreises 2019 (v.l.): Yeonseo Jeong, Alexey Sychev und Yongchan Park Foto: spe

Leo Ornstein: nie gehört? Das ist kein Wunder, denn der vermutlich lang­lebigste Komponist der Musikgeschichte – er starb 2002 im Alter von fast 110 Jahren – war ein musikalisches Chamäleon. Seine 1918 entstandene vierte Klaviersonate schillert in allen Farben des frühen 20. Jahrhunderts: Ravel, Albéniz, de Falla, Strawinsky und viele mehr tummeln sich in diesem New Yorker Schmelztiegel, einem großstädtischen Viersätzer, der Interpreten und Publikum gleichermaßen verblüfft und fasziniert.

Wer spielt so etwas? Natürlich eine Peter-von-Wienhardt-Schülerin. Yeonseo Jeong sicherte sich mit ihrer enthusiastischen Wiedergabe ohne Umschweife den dritten Preis des diesjährigen Förderpreises. Der Wettbewerb, von Steinway getragen, von Beresa gefördert und im Pianohaus Micke ausgerichtet, bot nun schon zum achten Mal den Studierenden der münsterischen Klavierklassen ein Forum. Das Konzert am Sonntagabend bewies dabei erneut das hohe Niveau der Ausbildung an der 100-jährigen Musikhochschule Münster.

Ornsteins Sonate blieb die Ausnahme in einem Programm, das ansonsten von den Werken Franz Liszts beherrscht wurde. Im Jahr des Hochschul-Jubiläums wurde schwere Virtuosen-Kost aufgetischt, etwa eine ekstatische „Wilde Jagd“ (Armen-Levon Manaseryan) oder eine glühende „Tarantella“ (Banhwi Ha). So etwas fordert und erhält rauschenden Beifall.

Den zweiten Preis errang schließlich der Michael-Keller-Schüler Yongchan Park mit seinen distinguiert-klangschönen „Funerailles“. Außerdem spielte er zum Entzücken der Jury um Prof. Ulrich Rademacher (Münster), Prof. Susanne Achilles (Essen) und Prof. Hartmut Schneider (Detmold) auch einen delikaten Mozart-Sonatensatz (KV 570). Nicht selbstverständlich in so einem Umfeld . . .

Ohne viel Federlesens vergab die Jury den mit 1000 Euro dotierten ersten Preis an Alexey Sychev. Der Arnulf-von-Arnim-Schüler bewies herausragende Klasse; nicht nur mit einer punktgenauen zwölften Rhapsodie und einer geradezu beiläufig perfekten Campanella-Etüde, sondern vor allem mit „Isoldes Liebestod“. Das war große Oper, eher Wagner als Liszt – weil Sychev den Steinway wie ein Spitzenorchester leuchten ließ.

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