Umzug mit 2,3 Millionen Objekten
Der Eisbär macht im Naturkundemuseum das Licht aus

Münster -

Ein Eisbär im Aufzug? Das Rollbrett verrät: Dieses Exemplar ist nicht freiwillig zugestiegen, sondern wurde reingerollt. Der präparierte Landräuber gehört zur Sammlung des münsterischen Naturkundemuseums. Dort werden gerade die 2,3 Millionen Objekte zusammengepackt: Das Magazin zieht um in neue Räumlichkeiten. Dabei benötigen manche Exponate eine besondere Behandlung . . .

Donnerstag, 14.02.2019, 19:52 Uhr aktualisiert: 14.02.2019, 20:01 Uhr
Mit dem Aufzug macht sich der Eisbär auf den Weg. Gut, dass er präpariert ist . . .
Mit dem Aufzug macht sich der Eisbär auf den Weg. Gut, dass er präpariert ist . . . Foto: Gunnar A. Pier

Würde der Eisbär noch leben – dieser Transport käme ihm vor wie eine Erlösung. Raus aus dem menschenfreundlich klimatisierten Lagerraum, rein in die Kühlkammer mit angenehm-arktischen 20 Grad unter Null. In seinem jetzigen Zustand aber erträgt er den Szenenwechsel wie versteinert, denn er ist längst präpariert. Seine postmortale Zeit verbringt er im Lagerraum des LWL-Museums für Naturkunde in Münster. Diese Sammlung zieht gerade um. Ein Kraftakt der besonderen Art.

Wer das Naturkundemuseum neben dem Allwetterzoo besucht, sieht eine Menge. Aber das Allermeiste sieht er nicht: 2,3 Millionen Objekte hortet das Museum im verborgenen Lager.Darunter:

► 1000 Ethnologie-Objekte

► 13 000 Säugetiere

► 26 000 Vögel

► 100 000 Spinnen

► 250 000 Fossilien

► 500 000 botanische Objekte

► 1,125 Millionen Insekten

Die Sammlung des Naturkundemuseums zieht um

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  • Ein Eisbär im Aufzug: So geht's runter in die Kühlkammer, in der das Exponat vorbereitet wird auf den Umzug.

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  • Löwe und Gnu friedlich nebeneinander - sowas gibt's nur im Museum.

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  • Rund 500.000 Schmetterlinge gibt es in der Sammlung - sie werden in Kisten verpackt.

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  • In eher schmucklosen Regalen lagern die Objekte.

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  • Dr. Jan Ole Kriegs ist Direktor des LWL-Museums für Naturkunde.

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  • Kistenweise werden die Objekte nach und nach abtransportiert.

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  • Der Eisbär macht sich auf den Weg.

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  • Anne Kutscheidt katalogisiert Farne

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„Wir haben einen Sammlungsauftrag.“

Wozu das Ganze? Warum stehen im schmucklosen Regal lauter Tauben nebeneinander? Was macht der Luchs in der Holzkiste, und wer braucht Zehntausende aufgespießte Käfer? „Wir haben einen Sammlungsauftrag“, erklärt Museumsleiter Dr. Jan Ole Kriegs. Das Museum soll die Natur in Westfalen dokumentieren. Also werden Tiere, Pflanzen und andere Funde haltbar gemacht, dokumentiert, katalogisiert, archiviert. Das Herbarium beispielsweise ist die größte botanische Sammlung in NRW. Besonders Wissenschaftler nutzen abgeheftete Farne, Schmetterlinge in Glaskästen und präparierte Gänse im Regal. Sie können beispielsweise an Originalexponaten vergleichen, wie sich Tiere über Jahrzehnte verändert haben.

Das LWL-Museum für Naturkunde in Münster

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  • Das LWL-Museum für Naturkunde in Münster zeigt unter anderem die Dauerausttellung "Vom Kommen und Gehen - Westfälische Artenvielfalt im Wandel".

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Entree in die Ausstellung "Vom Kommen und Gehen - Westfälische Artenvielfalt im Wandel". Allen voran geht hier der Wasserbüffel.

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  • Modell eines Allosaurus

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  • Täuschend echt: ein Neandertaler.

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  • Deinonychus antirrhopus

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  • Bär

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  • Eisvogel

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  • Biber

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  • Ein etwa zweijähriger Wolf, der am 3. April 2017 nahe Petershagen angefahren wurde.

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  • Museumsmalerin Beatrix Clement malt die erstellt die Dioramen, die im LWL-Naturkundemuseum in Münster die Ausstellungen zieren.

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  • Das Museum befindet sich neben dem Allwetterzoo

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  • Das Entree in die Ausstellung "Vom Kommen und Gehen - Westfälische Artenvielfalt im Wandel". Allen voran geht hier der Wasserbüffel.

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  • Wolf

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  • Elch, lebte einst ebenfalls in Westfalen

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  • Das Entree in die Ausstellung "Vom Kommen und Gehen - Westfälische Artenvielfalt im Wandel". Allen voran geht hier der Wasserbüffel.

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  • Wollhaariges Mammut

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  • Ein Wolf

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  • Der seinerzeit letzte Wolf - geschossen am 19. Januar 1835 bei Ascheberg-Herbern.

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  • Ein etwa zweijähriger Wolf, der am 3. April 2017 nahe Petershagen angefahren wurde.

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  • Ein großer Bereich widmet sich Dinosauriern

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  • Allosaurus fragilis

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  • Deinonychus antirrhopus

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  • Tyrannosaurus rex

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  • Skelett eines etwa 20-jährigen Pottwal-Männchens

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  • Protorosaurus speneri

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  • Ambulocetus

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  • Longisquama insignis

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  • Modell eines Allosaurus

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  • Modell eines Allosaurus

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  • Anchirnis huxleyi

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  • Schneehase und Polarfuchs

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  • Fennek

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  • Museumsmalerin Beatrix Clement malt die erstellt die Dioramen, die im LWL-Naturkundemuseum in Münster die Ausstellungen zieren.

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  • Foto: Gunnar A. Pier
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  • Foto: Gunnar A. Pier

Löwe, Gnu und Wolf

Es gibt auch Schauobjekte, die keinen Bezug zur Region haben. Der Eisbär etwa, der in der Mitte des fensterlosen Lagerraums in der ersten Etage friedlich neben Löwe, Gnu und Wolf hockt. Am Donnerstag musste er seinen Platz vorerst räumen. Per Aufzug ging es runter in Richtung Kühlraum. Alle Objekte werden nach und nach für jeweils mindestens eine Woche tiefgefroren, um sie von etwaigen Schädlingen zu befreien. Bei -20 Grad Celsius würde der echte Eisbär aufleben – Milbe, Motte und Museumskäfer aber überleben das nicht.

Tiefkühlwochen vor dem Umzug

Die Tiefkühlwochen sind Vorbereitung für den großen Umzug: Alle Exponate finden eine neue Heimat im Stadtteil Coerde. „Das hier ist doch ein Behelf“, sagt Kriegs und schaut um sich in dem Raum, in dem Eulen aus den Regalen glotzen, ein Krokodil auf Kartons liegt und oben auf einem Brett der Pinguin rumsteht, den Boerne neulich im Münster-Tatort-Dreh auf dem Seziertisch liegen hatte. Das Lager ist zu klein, die Klimatisierung nicht ausreichend. Zudem ist der Bestand derzeit aufgeteilt auf mehrere Lagerräume im Münsterland. In Coerde wird alles unter einem Dach landen.

Umzug läuft

Zwei Jahre haben die Vorbereitungen gedauert. Jetzt läuft der Transport auf Hochtouren. „Gut die Hälfte ist drüben“, sagt Kriegs. Und vieles ist wie beim privaten Umzug: Gleichzeitig wird neu sortiert, vermisste Objekte tauchen wieder auf, die Inventarlisten lassen sich aktualisieren. Nur eins ist anders: Weggeworfen wird nichts. Niemals.

Kistenweise fahren die 2,3 Millionen Objekte in diesen Tagen ins neue Lager. Einer aber wird bis zum Ende bleiben: der Eisbär. Am 2. April soll er feierlich als letzter das alte Lager verlassen. Der Eisbär macht das Licht aus.

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