Jeung Beum Sohn bei „Chapeau Classique“
Bösendorfer erlebt betörendes Feuerwerk

Münster -

schaikowski, Beethoven, Skrjabin, Liszt – alle vier hätten garantiert ihre helle Freude daran gehabt, wie Jeung Beum Sohn am Sonntag im Erbdrostenhof ihre Klavierwerke gespielt hat. Oder sollte man sagen: zelebriert?

Montag, 18.02.2019, 17:42 Uhr
Jeung Beum Sohn am Bösendorfer
Jeung Beum Sohn am Bösendorfer Foto: Christoph Schulte im Walde

Tschaikowski, Beethoven, Skrjabin, Liszt – alle vier hätten garantiert ihre helle Freude daran gehabt, wie Jeung Beum Sohn am Sonntag im Erbdrostenhof ihre Klavierwerke gespielt hat. Oder sollte man sagen: zelebriert? Oder noch besser: in die Tasten gehämmert? Denn eines war der Klavierabend des jungen Pianisten auf jeden Fall: ein unglaublicher physischer Kraftakt für ihn persönlich, sicher auch für den altehrwürdigen Bösendorfer-Flügel. Der dürfte ein vergleichbares Feuerwerk wie jetzt vermutlich seit Ewigkeiten nicht mehr erlebt hat. Da donnerten die Doppeloktaven rauf und runter, vollgriffige Akkorde kochten nur so vor explosiver Energie, wilde Läufe peitschten über die Klaviatur.

Dies alles ist für Jeung Beum Sohn aber kein Selbstzweck, kein hohles Virtuosentum, womöglich noch mit Show-Effekten. Letztere gehen dem in Südkorea geborenen Ausnahme-Pianisten ohnehin ab. Stattdessen Konzentration auf den Gehalt der Musik. Auf das Kompromisslose in Beethovens später c-Moll-Sonate op. 111, die selbst für heutige Ohren streckenweise und buchstäblich unerhört, ja unmöglich daherkommt. Konzentration auf den schier endlosen Kosmos an Farben, wie Alexander Skrjabin ihn in seiner 5. Sonate durchforstet. Sohn nimmt sein Publikum mit in Sphären, die nicht (mehr) von dieser Welt sind. Die unter einer Spannung stehen, der sich niemand entziehen kann. Schlichtweg betörend!

Betörend ist aber nicht minder, wie Jeung Beum Sohn die introvertierten Seiten und stillen Momente der Musik erkundet. In Tschaikowskis „Dumka“ etwa, auch bei Beethoven, erst recht in Liszts monumentaler h-Moll-Sonate. Zwischen uferloser Rasanz und poesievoller Feinzeichnung finden sich alle möglichen Nuancen, die Sohns Spiel so faszinierenden Ausdruck verleihen. Das kommt offenbar auch bei ausgewiesenen Experten gut an: Sohn gewann 2017 den ARD-Musikwettbewerb. Der ist fraglos schon seit Jahrzehnten weltweit ein Rolls Royce unter all den Preisen, die man sich erspielen kann. Insofern kann die Gesellschaft zur Förderung der westfälischen Kulturarbeit stolz darauf sein, Sohn für das Konzert im Rahmen der Reihe „Chapeau Classique“ gewonnen zu haben. Stolz sein kann nicht zuletzt Sohns Lehrer Arnulf von Arnim, der den jungen Pianisten an der hiesigen Musikhochschule auf sein Konzertexamen vorbereitet. Das wird der locker schaffen, keine Frage.

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