Verstorbener Modeschöpfer
Lagerfeld hatte ein Herz für Münster

Münster -

Der am Dienstag verstorbene Modeschöpfer Karl Lagerfeld war eng mit Münster verbunden. Seine Mutter wurde hier geboren, außerdem gab es viele geschäftliche Verbindungen.

Dienstag, 19.02.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 19.02.2019, 18:32 Uhr
Nicola Fahl vom Modegeschäft „Madeleine“ präsentiert ein Foto aus den Achtzigern, auf dem ihr Vater Alois Schulz und der Modeschöpfer Karl Lagerfeld mit einem Glas Sekt anstoßen.
Nicola Fahl vom Modegeschäft „Madeleine“ präsentiert ein Foto aus den Achtzigern, auf dem ihr Vater Alois Schulz und der Modeschöpfer Karl Lagerfeld mit einem Glas Sekt anstoßen. Foto: Matthias Ahlke

Das Foto, auf dem der Vater von Nicola Fahl und Karl Lagerfeld mit einem Glas Sekt anstoßen, hängt bis heute im Modegeschäft „Madeleine“. Über 30 Jahre ist es her, dass sich der münsterische Geschäftsmann Alois Schulz und der am Dienstag verstorbene Modeschöpfer in Paris trafen. „Seit Anfang der 1960er-Jahre kauften meine Eltern bei ihm Mode ein“, erinnert sich die heutige Inhaberin Nicola Fahl. „Danach gab es immer einen Empfang mit den Geschäftsleuten aus Deutschland.“ Ihr Vater habe sich sehr für Philosophie interessiert – „Lagerfeld und er konnten sich sehr gut unterhalten“.

Karl Lagerfeld, einer der berühmtesten Deutschen weltweit, hatte viele Verbindungen zu Münster. Seine Mutter wurde hier geboren, „ich fühle mich der Stadt sehr verbunden“, sagte Lagerfeld 1985 in einem Gespräch. „Ich erinnere mich gerne an meine Besuche.“ Die lagen damals allerdings schon 20 Jahre zurück.

Und auch der Patenonkel von Karl Lagerfeld war ein Münsteraner: Prof. Dr. Conrad Ramstedt, von 1909 bis 1947 Chefarzt an der Raphaelsklinik. Er suchte für den Modeschöpfer den Vornamen aus. Ein Münster-Spaziergang mit dem Patenonkel endete für den zehnjährigen Lagerfeld übrigens unerfreulich: „Wir kamen an der Freiligrathstraße vorbei. Als ich ihn fragte, wer Freiligrath gewesen sei, gab er mir eine Ohrfeige.“ (Freiligrath war ein Lyriker.)

Karl Lagerfeld - Ein Leben in Bildern

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  • Der erst 16-jährige Hamburger Mode-Student Karl Lagerfeld im Jahr 1954 mit einem Model beim Vorführen des Cocktail-Mantels. Im Hintergrund: seine Modellskizze. 

    Foto: dpa
  • Karl Lagerfeld im Januar 1979 in seinem Atelier in Paris. In der Hauptstadt Frankreichs begann die Laufbahn des Designers in der Modewelt Mitte der 1950er-Jahre. Geboren wurde er am 10. September 1933 - so ergaben es zumindest Recherchen von Historikern.

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  • Der Modekönig selbst machte immer ein Geheimnis aus seinem genauen Geburtsdatum. Lange Zeit gab er 1938 als Geburtsjahr an, später 1935. Auf diesem Foto zeigt sich der Sohn des Hamburger "Glücksklee"-Kondensmilch-Fabrikanten Otto Lagerfeld bei einer Auszeichnung 1973 inmitten einiger Models.  

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  • Oktober 1995: Karl Lagerfeld schließt sich den Models Cindy Crawford (v.l) aus den USA, Linda Evangelista aus Kanada, und Claudia Schiffer nach der Präsentation seiner Frühjahr-Sommer-Kollektion für Chanel in Paris an. Zu Chanel wechselte der Modeschöpfer im Jahr 1983, nachdem er von 1963 bis 1978 als künstlerischer Direktor bei Chloé Kollektionen entwickelte.

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  • Karl Lagerfeld, rund zehn Jahre später, wieder in Paris am Ende einer Modenshow für Chanel. Im Jahr 2004 erregte der Modeschöpfer Aufsehen durch seine Zusammenarbeit mit der schwedischen Modekette H&M, für die er eine günstige Kollektion entwarf.

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  • Karl Lagerfeld hält neben Top-Model Claudia Schiffer in Berlin nach der Verleihung des «Elle Fashion Star» seine Auszeichnung, den «Mercedes Platinum», in den Händen. Lagerfeld gilt als der Entdecker des ehemaligen Top-Models, seiner zeitweiligen Muse. Heute lebt die dreifache Mutter in London.

    Foto: Soeren Stache
  • Vom Laufsteg auf´s Promi-Sofa: Karl Lagerfeld unterhält sich bei der ZDF-Samstagsabendshow "Wetten, dass..?" im Jahr 2008 mit Model Sylvie Van Der Vaart.

    Foto: Daniel Karmann
  • Karl Lagerfeld posiert im Juni 2009 mit seinem "Karl Lagerfeld Bär", den er für Steiff entworfen hat. Damaliger Verkaufspreis: 1000 Euro. Frankreichs Presse nannte den Modezar wegen seiner rastlosen Kreativität auch „König der Maßlosigkeit“ oder „Karl den Großen“.

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  • Im Juli 2018 kam Mode-Ikone Lagerfeld noch mit seinem Patensohn, dem Model Hudson Kroenig, in Paris auf den Laufsteg - nach der Präsentation seiner Kreationen des Modehauses Chanel im Rahmen der Haute-Couture-Schauen für Herbst/Winter 2018/2019.

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  • Doch zuletzt fehlte Karl Lagerfeld genau da, wo er - wie auf dem Bild von Oktober 2013 - frenetisch gefeiert wurde: auf dem Laufsteg zum Finale einer Chanel-Show. Die offizielle Begründung: Lagerfeld habe sich müde gefühlt. In Paris war die Sorge groß. 

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  • Karl Lagerfeld hat klassische Formen erneuert und „Looks“ geschaffen. Seine Mode war elegant, minimalistisch, innovativ. 

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  • Wenige haben die Mode so geprägt, wie er. Bis zuletzt waren der hohe Hemdkragen, der weiß-gepuderte Zopf und die Sonnenbrille seine Marken­zeichen. Am Dienstag ist Karl Lagerfeld im Alter von 85 Jahren in Paris gestorben.

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Der münsterische Verleger Wolfgang Hölker lernte Karl Lagerfeld Anfang der 1990er-Jahre kennen, als er in seinem Verlag ein vom Modeschöpfer illustriertes Buch über dessen Lieblingsmärchen „Des Kaisers neue Kleider“ herausbrachte. „Wir haben zwei Jahre zusammengearbeitet“, erinnert sich Hölker. Lagerfeld sei der interessanteste Mensch gewesen, den er kennengelernt habe.

Und dann erzählt Nicola Fahl noch eine Anekdote. In den Siebzigern bestellte eine Kundin von „Madeleine“ zehn Mal das gleiche Lagerfeld-Kleid. Der Modeschöpfer erkundigte sich aus Paris, wofür denn zehn Mal das gleiche Haute-Couture-Kleid gebraucht werde. „Als mein Vater ihm erzählte, dass die Kundin sie als Kittel für die Angestellten eines Dentallabors benötigt, fand er das ziemlich lustig.“

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