Interview
Alsmanns Anfänge an der Musikschule: „Das ist doch die Kultur!“

Münster -

Münsters Sinfonieorchester, die Musikhochschule und die Westfälische Schule für Musik feiern in diesem Jahr gemeinsam das 100-jährige Bestehen. In einer Serie blicken Musiker, Dirigenten und Schauspieler mit Wurzeln oder prägenden Eindrücken in der Westfalenmetropole auf ihre Erfahrungen mit der Musik- und Bühnenwelt der Stadt zurück. Im Fall von Götz Alsmann sind diese Beziehungen besonders eng: Schließlich ist der Musiker und Entertainer ein bekennender Münsteraner.

Freitag, 22.02.2019, 22:34 Uhr aktualisiert: 24.02.2019, 10:42 Uhr
Götz Alsmann ist ein engagierter Botschafter der Musik: An der Musikschule Münster wurde dafür die Grundlage gelegt.
Götz Alsmann ist ein engagierter Botschafter der Musik: An der Musikschule Münster wurde dafür die Grundlage gelegt. Foto: Gunnar A. Pier

Herr Alsmann, hat Ihre beeindruckende Karriere an der Musikschule Münster begonnen?

Götz Alsmann: Als Jugendlicher war ich einige Jahre lang Schüler der Musikschule, es waren sicher wichtige Jahre für mich. Aber zur Musik bin ich eigentlich schon früher gekommen.

Noch früher?

Alsmann: In meiner Volksschule, der Josefschule, hatte ich seit 1964 Blockflötenunterricht. Aber eigentlich wollte ich damals schon ans Klavier. Meine Eltern haben das für mich arrangiert: Sie haben einfach den Nachbarn gefragt, von dem sie wussten, dass er Klavier spielt. So bin ich 1965 erstmal zu Walter Herzig gekommen…

Ein freischaffender Klavierlehrer?

Alsmann: Ich war sein erster und einziger Schüler. Ein liebenswürdiger älterer Herr, der in seiner Jugend noch Stummfilm-Pianist gewesen war. Er hat mich unterrichtet, bis ich zwölf war. Dann erst kam ich zur Musikschule. 1969 gab es noch das Konservatorium in der „Zuckervilla“ am Kreuztor. Dort hat meine Mutter angeklopft…

In einem Konservatorium gab es doch sicher eine Aufnahmeprüfung?

Alsmann: Ja, das war für meine Eltern ein großer Tag, sie sind mit mir im Sonntagsstaat losgezogen. Die Aufnahmeprüfung war ein ziemlich amtliches Ereignis im dunkel getäfelten Büro von Herrn Schmidt, der Nummer zwei nach dem Schulleiter, Herrn Vetter. Ich musste ihm und der Sekretärin vorspielen, „Heinzelmännchens Wachtparade“. Dann fragte er mich: „Kannst du noch was?“, und ich habe den „Schlittschuhläufer-Walzer“ von Waldteuffel gespielt. Herr Schmidt erhob sich, öffnete die Zwischentür zum Schulleiterbüro und rief: „Wir haben einen Fisch an der Angel!“

Und seitdem hatten Sie in der Zuckervilla Unterricht?

Alsmann: Zuerst in der Zuckervilla, dann in einem Klassenzimmer in der Kreuzschule. Das waren zwei Termine in der Woche, auf die ich mich wahnsinnig gefreut habe. Ich kann mich nicht erinnern, mal eine Klavierstunde abgeblasen zu haben.

Wer hat Sie unterrichtet?

Alsmann: Wilfried Kröger, ein ausgezeichneter Musiker, er hat hervorragenden Unterricht gemacht. Vor allem hat er nicht nur Klavierspiel unterrichtet, sondern auch Musiktheorie und Gehörbildung, das war obligatorisch. Es gab regelmäßig Harmonie- und Melodiediktate; ganz ohne Lehrbücher, nur die Tafel und das war’s. Das habe ich geliebt!

Was hat Klavierschüler Alsmann denn so gespielt?

Alsmann: Das für Prüfungen Übliche: Mozart, Bach, Schubert, Bartók, auch immer ein heiteres Stück, eines, das man sich selbst aussuchen durfte. Am Anfang bin ich dabei immer auf Nummer sicher gegangen. Herr Kröger hat meinen Eltern mal gesagt: Götz muss mehr üben. Meine Mutter konnte es nicht fassen: Aber er spielt doch jeden Tag! Und Herr Kröger entgegnete: Ja, aber das falsche.

Die vielen Gesichter des Götz Alsmann

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  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Ein Bild aus jungen Jahren . . .

    Foto: WN
  • 2012: Götz Alsmann hält an der Westfälischen Wilhelms-Universität seine Antrittsvorlesung.

    Foto: Oliver Werner
  • 2013: Götz Alsmann bei der Unwiesität.

    Foto: Jennifer von Glahn
  • Premiere: In der Kurbelkiste wurde am 4. Juli 2017 zum ersten Mal das WDR-Filmporträt über Götz Alsmann gezeigt. 

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Premiere: In der Kurbelkiste wurde am 4. Juli 2017 zum ersten Mal das WDR-Filmporträt über Götz Alsmann gezeigt. 

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der Musiker: Götz Alsmann beim Neujahrskonzert am 1. Januar 2017.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der Musiker: Götz Alsmann beim Neujahrskonzert am 1. Januar 2017.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Götz Alsmann beim Konzert am 31. Januar 2015 in der Halle Münsterland.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Bekennender Preußen-Fan: Götz Alsmann beim Konzert am 31. Januar 2015 in der Halle Münsterland.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Der Musiker: Götz Alsmann beim Neujahrskonzert am 1. Januar 2014.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ein Experiment: Götz Alsmann gehörte zu den Gästen der ungewöhnlichen Interview-Sendung "Kessler ist...".

    Foto: ZDF/Mike Christian
  • Götz Alsmann am 27. Juni 2008.

    Foto: dpa
  • Götz Alsmann 2001

    Foto: WN
  • Götz Alsmann präsentiert am 5.
    November 2007 im Studio 4 des Funkhauses in Köln den Jazz Award des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft.

    Foto: dpa
  • Der TV-Star: Götz Alsmann im September 2016 während der letzten "Zimmer-frei"-Sendung.

    Foto: WDR/Ben Knabe
  • Kongeniale Partner bei "Zimmer frei": Götz Alsman und Christine Westermann.

    Foto: dpa
  • Vorfreude auf die neue Aufgabe: Götz Alsmann (l.) mit Dekan Prof. Michael Keller bei seiner Ernennung zum Honorarprofessor.

    Foto: Universität Münster
  • Götz Alsmann beim Münsterlandtag in Bocholt 2010 mit dem damaligen NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers.

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Götz Alsmann beim Münsterlandtag 2010 in Bocholt im Gespräch mit Wolfgang Hölker (2.v.r.), Sakia Zierenberg und Titus Dittmann (l.).

    Foto: Jürgen Peperhowe
  • Götz Alsmann moderiert regelmäßig das Lebensfest in Münster - so auch 2011.

    Foto: Paul Meyer zu Brickwedde
  • Götz Alsmann als Gast von Elke Heidenreich in der Literatur-Sendung „Lesen“ (Archivbild vom 27. Juni 2008).

    Foto: dpa
  • Dieses Bild zeigt Götz Alsmann bei einem Auftritt in der Gempthalle in Lengerich.

    Foto: WN
  • Hier ist Götz Alsmann bei seiner Präsentationslesung seines Hörbuches „Jules Verne. In 80 Tagen um die Welt“ am 23. Mai 2002.

    Foto: Marie Vigener
  • Foto-Shooting für Götz Alsmanns CD „Tabu“.

    Foto: Jim Rakete
  • Götz Alsmann mit dem Jazz Award des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft, den er für die Produktion der CD „Winterwunderwelt“ 2007 erhielt.

    Foto: A3637 Jörg Carstensen
  • Das Archivbild zeigt Götz Alsmann mit Banjo mit Stephan Schulze (r.) bei der Präsentation von „Feuerzangenbowle“ 2003.

    Foto: Lukas Speckmann
  • Götz Alsmann hält bei der Aftershow-Party der 13. „Echo“ Verleihung 2004 seinen Preis stolz in der Hand.

    Foto: dpa
  • Götz Alsmann überreichte auf diesem Archivbild ein Bild von Udo Lindenberg.

    Foto: Daniela Elsner
  • In seinem Element: Götz Alsmann mit seiner Kollegin Christine Westermann in seiner TV-Show „Zimmer frei“ am 9. April 2000.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Götz Alsmann bei der Aufzeichnung der Sendung „Mit Maus und Melone - 50 Jahre WDR-Kinderfernsehen“ am 8. Juni 2006.

    Foto: WDR BR Wilschewski (M)
  • Das Archivbild zeigt Götz Alsmann beim traditionellen Weihnachtskonzert in der münsterischen Kneipe Destille am 21. Dezember 2000.

    Foto: Marcel Schwamborn

Etwa Jazz?

Alsmann: Nach vier Jahren Unterricht bei Herrn Kröger wurde ich einige Zeit Schüler bei Jasper van t’Hof, einem der gefragtesten Jazzpianisten überhaupt. Sein Nachfolger war Peter Ortmann, der spielte extrem gut, wir haben super gejammt — Peter Ortmann am Bass, ich am Klavier.

Und dann ging es mit Ihnen an der Musikschule so richtig los?

Alsmann: Nein, im Gegenteil. So mit 16 oder 17 Jahren habe ich meinen Eltern richtig Kummer gemacht als ich ihnen sagte: Ich höre mit dem Unterricht auf.

Aber warum?

Alsmann: Zu dieser Zeit änderte sich der Stil im Jazz, es ging massiv in Richtung Fusion, und das war nichts für mich. Außerdem hatte ich meinen, wie ich fand, idealen Lehrmeister schon gefunden, den Plattenspieler.

Was hat Ihnen der Unterricht an der Musikschule in Münster gebracht?

Alsmann: Er hat vor allem mein Gehör geschärft. Das war eine richtig gute, fundierte Ausbildung. Als ich 1977 mit dem Studium der Musikwissenschaft begann, konnte ich perfekt darauf aufbauen.

Worauf muss die Musikschule Ihrer Meinung nach die Schüler vorbereiten?

Alsmann: Auf ein Leben mit Musik! Das Singen und Spielen darf nicht mit dem Unterricht in der allgemeinbildenden Schule aufhören. Die Droge muss ins Ohr geträufelt werden, wie immer sich die Liebe zur Musik auch manifestiert. Musik macht eine schöne Seele. Wenn ein junger Mensch sagt: Ich höre mit der Musik auf — dann ist irgendetwas schiefgegangen.

Neujahrskonzert 2019 mit Götz Alsmann im Theater Münster

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  • Götz Alsmann ist auch 2019 wieder der Star der Neujahrskonzerte im Theater Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Mit "Viva España!" sind die Konzerte überschrieben - deshalb kam das Sinfonieorchester Münster in Rot-schwarz.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Generalintendant Ulrich Peters begrüßte das Publikum.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Sinfonieorchester Münster spielt unter der Leitung von Generalmusikdirektor Golo Berg.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Die Konzerte im Großen Haus sind restlos ausverkauft - wie hier die Premiere am Neujahrs-Nachmittag.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Götz Alsmann erklärte die Stücke und spielte zusammen mit seiner Band und dem Orchester viele Lieder.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Das Sinfonieorchester Münster ist ebenfalls in jedem Jahr dabei.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Begleitet wurde Götz Alsmann nicht nur vom Orchester, sondern auch seiner angestammten Band - hier Percussionist Markus Paßlick.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Götz Alsmann ist auch 2019 wieder der Star der Neujahrskonzerte im Theater Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Generalintendant Ulrich Peters begrüßte das Publikum.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Generalintendant Ulrich Peters begrüßte das Publikum.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Sinfonieorchester Münster spielt unter der Leitung von Generalmusikdirektor Golo Berg.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Götz Alsmann ist auch 2019 wieder der Star der Neujahrskonzerte im Theater Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Götz Alsmann ist auch 2019 wieder der Star der Neujahrskonzerte im Theater Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Götz Alsmann ist auch 2019 wieder der Star der Neujahrskonzerte im Theater Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Götz Alsmann ist auch 2019 wieder der Star der Neujahrskonzerte im Theater Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Götz Alsmann ist auch 2019 wieder der Star der Neujahrskonzerte im Theater Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Götz Alsmann ist auch 2019 wieder der Star der Neujahrskonzerte im Theater Münster.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Begleitet wurde Götz Alsmann nicht nur vom Orchester, sondern auch seiner angestammten Band - hier Percussionist Markus Paßlick.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Begleitet wurde Götz Alsmann nicht nur vom Orchester, sondern auch seiner angestammten Band.

    Foto: Gunnar A. Pier

Sollte Musikunterricht eigentlich eine öffentlich geförderte Aufgabe bleiben?

Alsmann: Unbedingt. Man darf auch den wirtschaftlichen Aspekt nicht vergessen: Wir leben in einer Zeit, in der Kulturmanagement ein wichtiger Arbeitgeber ist; für alle in diesem Bereich Tätigen ist eine gründliche Ausbildung unerlässlich. Und Berufsmusiker sollten schon geübte Ohren haben, sollten die Theorie beherrschen und Noten lesen können.

Ist das nicht ein altmodisches Bildungsverständnis?

Alsmann: Nein, überhaupt nicht. Möglichst viel von ihr zu haben: Das ist doch die Kultur!

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