Rathauskonzert
Romantik mit Extra-Note

Münster -

Uraufführungen im Rahmen der Rathauskonzerte sind selten. Aber wenn eine ansteht, kann das die raffinierte Würze eines Programms sein. Das Trio von Thorsten Schmid-Kapfenburg war solch ein Gewürz und bereicherte den Abend, in dem es ansonsten süffig romantisch zuging.

Freitag, 22.02.2019, 18:08 Uhr
Rathauskonzert mit (v.l.) Werner Raabe (Klarinette), Sopranistin Henrike Jacob, Monika Krack (Cello) und Thomas Reckmann (Klavier)
Rathauskonzert mit (v.l.) Werner Raabe (Klarinette), Sopranistin Henrike Jacob, Monika Krack (Cello) und Thomas Reckmann (Klavier) Foto: Christoph Schulte im Walde

Schmid-Kapfenburg ist nicht nur Kapellmeister am Theater, sondern auch ein fleißiger Komponist. Seinem nicht so langen, aber intensiven Trio liegen Rilkes Verse „Manchmal fühlt sie: Das Leben ist groß“ zugrunde. Bevor Sopranistin Henrike Jacob sie tönend artikuliert, ist ihre Stimme „nur“ Klangfarbe neben Klarinette (Werner Raabe) und Cello (Monika Krack). Aus einer scheinbar lapidaren Keimzelle – der Ton „Es“ – entwickelt sich imaginäres Leben, der Klangraum blüht auf, die drei Stimmen bekommen Bewegung. Kurz die Assoziation an ein Wiegenlied, an ein Bild friedlicher Idylle – bis am Ende alles in Stille versinkt. Fast möchte man mit Eichendorff fragen: „Ist dies etwa der Tod?“

Schmid-Kapfenburg schreibt keine plakative Musik, sondern konzise. Solche, die sich auf Wesentliches beschränkt. Darin Brahms nicht unähnlich, mit dem er gemeinsam hat, in Hamburg aufgewachsen zu sein.

Brahms‘ Klarinetten-Trio stand am Ende – ein Spätwerk, in dem nichts Überflüssiges vorkommt. Auch Wilhelm Berger (Dirigent der Meininger Hofkapelle als Vorgänger von Max Reger) schrieb ein Trio für dieselbe Besetzung, verschätzte sich aber ein klein wenig bei den Proportionen, vor allem im etwas zu lang geratenen ersten Satz. Und er sparte auch nicht an Noten für den Pianisten! Thomas Reckmann arbeitete sich tapfer und mit Risikobereitschaft durch den Dschungel. Witzig das Scherzo im 5/4-Takt, spukhaft das im Galopp vorüber huschende Finale, in dem sich das Trio Krack/Raabe/Reckmann nirgends schonte.

Und dann gab es noch Lieder von Louis Spohr, von Henrike Jacob edel geformt und gemeinsam mit Klarinette und Klavier zu dem gemacht, was sie sind: kleine Juwelen, die leider nur selten zu bestaunen sind. Viel Beifall für einen romantischen Abend mit Extra-Note.

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