Radstation
Vorbild Utrecht: Denkt Münster beim Thema Fahrradparken zu klein?

Münster -

Nichts geht mehr rund um den Hauptbahnhof. Das Leezen-Chaos ist unübersehbar. Georg Hundt, dessen Radstation in diesem Jahr 20 Jahre alt wird, empfiehlt, mal in die Niederlande zu schauen.

Samstag, 23.02.2019, 14:00 Uhr aktualisiert: 23.02.2019, 14:06 Uhr
7600 Plätze hat die Radstation am Bahnhof in Utrecht bereits, jetzt wird sie auf über 10 000 ausgebaut. Für Münsters Radstation-Inhaber Georg Hundt könnte Utrecht ein Vorbild sein, um auch am münsterischen Hauptbahnhof die Probleme zu lösen.
7600 Plätze hat die Radstation am Bahnhof in Utrecht bereits, jetzt wird sie auf über 10 000 ausgebaut. Für Münsters Radstation-Inhaber Georg Hundt könnte Utrecht ein Vorbild sein, um auch am münsterischen Hauptbahnhof die Probleme zu lösen. Foto: Gemeente Utrecht/City of Utrecht

Die Radstation am Hauptbahnhof wird in diesem Jahr 20 Jahre alt. Die Feierlichkeiten sind für Juni geplant. Georg Hundt, Inhaber der Radstation und seit 20 Jahren ein genauer Beobachter der „Fahrradszene“ am Hauptbahnhof, hegt die Hoffnung, dass die Stadt bis zu den Jubiläumsfeierlichkeiten in puncto Fahrradmobilität einige Hausaufgaben abarbeitet.

Die Diskrepanz zwischen Ankündigung und Umsetzung, so Hundt an die Adresse der Stadt Münster, sei inzwischen so groß, dass die Stadt beim Fahrradparken „auf ein Chaos zusteuert“.

Fahrrad-Situation am Hauptbahnhof Münster

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  • Bis Ende Januar 2018 war hinter diesem Zaun an der Bremer Straße Platz für knapp 1.800 Fahrräder. Für die Bauarbeiten an der Ostseite des Hauptbahnhofs musste der Bereich geräumt werden. Bis zur geplanten Fertigstellung der neuen Gebäude in zwei Jahren müssen die Radfahrer auf alternative Stellplätze ausweichen.

    Foto: Christine Bader
  • Im Hamburger Tunnel hat die Stadt Münster Mitte 2017 Doppelstockständer für 400 Fahrräder aufgestellt. Diese können den Bedarf allerdings noch lange nicht decken.

    Foto: Christine Bader
  • Zu Stoßzeiten ist es schwer, einen regulären Stellplatz zu finden. Außer den Doppelstockständern im Hamburger Tunnel gibt es nur die Radstation als überdachte Abstell-Alternative. Aber auch diese ist regelmäßig ausgebucht.

    Foto: Christine Bader
  • Die Fahrradflut vor dem Hamburger Tunnel prägt seit langem das Bild auf der Vorderseite des Hauptbahnhofes.

    Foto: Christine Bader
  • Pläne, Fahrradparkplätze im Parkhaus Bahnhofsstraße einzurichten, hat die Stadt Münster wieder verworfen. Stattdessen muss der Berliner Platz als Stellplatz herhalten.

    Foto: Melina Liethmann
  • Am Berliner Platz reihen sich die Fahrräder an- und aufeinander.

    Foto: Melina Liethmann
  • Die offiziellen Stellplätze reichen längst nicht für alle Leezen: Wer „wildparkt“ läuft Gefahr, abgeschleppt zu werden. Wiederfinden kann man sein Fahrrad bei der Fahrradfundstelle am Industrieweg.

    Foto: Melina Liethmann
  • In der Hektik den Zug zu erwischen, passiert auch mal das ein oder andere Missgeschick.

    Foto: Melina Liethmann
  • Auch Fußgänger bekommen die Fahrradparkplatz-Knappheit zu spüren. Viele Radler weichen auf den Gehweg aus.

    Foto: Melina Liethmann

Der Radstation-Inhaber benennt zwei konkrete von der Stadt ins Auge gefasste Ziele: Zum einen soll das Pendleraufkommen im münsterischen Hauptbahnhof von 70.000 auf 100.000 Menschen je Werktag gesteigert werden. Zum anderen soll der Radverkehrsanteil am innerstädtischen Verkehr von 40 auf 50 Prozent steigen.

Engpass seit 2007 bekannt

Bezogen auf den Hauptbahnhof als der zentralen Umsteigestelle im Umweltverbund wäre Münster dann „in einer Liga mit Utrecht“, so Georg Hundt. Das dortige Fahrradparkhaus am Bahnhof hat 7600 Plätze – und wird aktuell auf über 10.000 ausgebaut.

Zum Vergleich: Die komplett ausgebuchte Radstation in Münster hat 3300 Plätze. Bereits im Jahr 2007, blickt der „Leezen-Lobbyist“ zurück, habe er in Gesprächen mit der Stadtverwaltung und den politischen Parteien auf den absehbaren Engpass hingewiesen und eine zweite Radstation am Bremer Platz gefordert. „Bis heute hat sich nichts getan.“

Kritik an endlosen Planungsschleifen

Zwar sieht das aktuell im Bau befindliche Hansator an der Ostseite des Bahnhofs eine Radstation vor. Sie wird aber erst 2020 oder 2021 an den Start gehen können und hat überdies „nur“ 2000 Plätze. Laut Hundt viel zu wenig, um die von der Stadt Münster gewollten Zuwächse abdecken zu können.

Dass sich die Parksituation trotz der tagtäglich erkennbaren Mängel nicht verbessert, führt Georg Hundt auf die endlosen Planungsschleifen im Rathaus zurück: „Die Entscheidungsprozesse laufen ausgesprochen mühsam und langsam. Niemand geht ins politische Risiko.“

Radstation „am Limit“

In der Radstation kann man derweil der Nachfrage nicht mehr Herr werden. Bei 2700 Dauerkunden und täglich etwa „zwei bis drei Nachfragen“ nach festen Stellplätzen, die aber allesamt vergeben sind, „arbeiten wir am Limit“.

Soll sich die Situation rund um den Hauptbahnhof nicht noch weiter verschlechtern, muss man in der Vorstellung von Georg Hundt in die Nähe schauen und zugleich etwas größer denken: In der Nähe des Hauptbahnhofs befindet sich das alte Postgelände. Und wie man groß denkt, sieht man in Utrecht . . .

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