Roland Jankowsky im Schloßtheater
Overbeck blinzelt wie Mephisto

Münster -

Krimilesung – das ist Theater für die Ohren. Roland Jankowsky alias Kommissar Overbeck stellte im Schloßtheater zwei coole Geschichten vor.

Freitag, 22.02.2019, 23:00 Uhr
Roland Jankowsky im Schloßtheater
Roland Jankowsky im Schloßtheater Foto: Günter Moseler

Krimis – das ist Literatur, wo man weiß, wo‘s langgeht: Mord – Mörder(jagd) – Finale: Schuss – Schluss! Allerdings ist das Genre ruppigen Kurswechseln ausgesetzt: Anstelle eines simplen „Whodunit“ (Wer war‘s?) werden berüchtigte Todesarten zelebriert wie Fünf-Gänge-Menüs in einer Kochshow, feiert Trash am Tatort trübe Triumphe.

Umso erholsamer die Lesung von Roland Jankowsky, der als Kommissar Overbeck in der „Wilsberg“-Serie jeden Exodus mit ambitionierter James-Bond-Parodie pariert.

Die Wohnzimmer-Atmosphäre im Schloßtheater schien die Hinwendung zu bewährter Krimikost unterm Lampenschirm zu begünstigen. Für die Buchpräsentation „Waffe weg! Over . . .“ las Jankowsky als Herausgeber in eigener Sache zwei „Coole-Comedy-Crime-Storys“ aus deutschen Hinterlanden.

Zuerst stürzte sich Jankowsky in Brigitte Glasers „Publikumsverkehr“, einer Metzelsatire im Kölner Multikulti-Milieu. In den Büroräumen des Meldeamts Nippes schlug Jankowskys große Stunde: „Davon hört man ja jelejentlisch“, schnalzte er, als schmecke er den kölschen Dialekt wie mit einem Löffel ab, und sofort saß der komplette Kinosaal auf den „roten Plastikstühlen für Besucher“ und sah Fräulein Sägemüller („Die hat ’nen Nilpferdhintern“) bei der Arbeit zu. Flott wurde man aufgeklärt über kollegiale Missgunst („Wat wa dat am Anfang für ’ne Theataa.“) und klammheimlichen Alltags-Rassismus („Dat war so ‚ne fette Mulattin. Rassistisch, ich? Aber man muss doch de Wahrheit sajen dürfen.“). Das rasselte im rheinischen Presto-Parlando vom kumpelhaften Menscheln bis zum gespreizten Angestelltenpalaver. Dann kriegt Herr Kaschatnick einen Wutanfall und rasiert per Kettensäge Fräulein Sägemüller (versehentlich!) den Kopf ab.

Jankowsky orches­trierte das Kölsche wie Volksmusik, mit rasanter Beschleunigung, feisten Bremsmanövern und dynamischen Paukenschlägen, im geeigneten Moment mephistophelisch in den Saal blinzelnd.

In „Dumm gelaufen in Damme“ des Verlegers Ralf Kramp kommen sich zwei Profikiller beim Beseitigen ihres Opfers in die Quere, um am Ende festzustellen, dass man sich gegenseitig den jeweiligen Auftraggeber vom Hals geschafft hat: „Seitdem sind Ulf und ich ein Team: Ich im Büro, er muss raus!“ Hier blieb Jankowsky beim klassischen Gauner-Bass, nur das Sächsische („Ich hab’ sugar ne urdentliche Schaufil dabei“ – oder so ähnlich) eierte ahnungslos durchs kriminalistische Unterholz.

Fröhlicher Beifall von fröhlichen Krimifreunden.

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