Kleingärtnern liegt im Trend
Gartenzwergdenken ist passé

Münster -

Das Kleingärtnern liegt im Trend, das spürt der Stadt- und Bezirksverband. Junge Familien zieht es ins Grüne. 55 Anlagen existieren in dieser Stadt, zwei neue Anlagen schweben dem Vorstand vor.

Sonntag, 03.03.2019, 11:00 Uhr
Kleingärtnern liegt im Trend: Gartenzwergdenken ist passé
Kleingärten sind längst nicht mehr Spießerhochburgen. Gartenzwerge auf sorgfältig gemähten Rasen, exakt gestutzte Hecken und Vereinstümelei gibt es zwar noch, doch das Bild wandelt sich. Foto: Sebastian Willnow

Die Kleingärtner scharren mit den Füßen. „Die Witterung ist zu verlockend“, sagt der Vorsitzende des Stadt- und Bezirksverbandes Münster der Kleingärtner, Horst Stronk. Trotzdem hält sich der 68-Jährige, der mit seiner Frau einen Garten in der Anlage Martini bewirtschaftet, noch zurück. Stronks schneiden Apfel- und Birnenbäume, Sträucher und Rosen. „Bloß keine Kirschbäume“, rät Horst Stronk.

Die Zeit im Winter nutzte er, um neue Pläne für den Verband zu schmieden, der sich am 15. März (Freitag) in der Stadthalle Hiltrup ab 17 Uhr zur Mitgliederversammlung trifft. Mit ihm sprach unsere Redakteurin Gabriele Hillmoth über das Kleingartenwesen und darüber, ob es piefig ist oder im Trend liegt.

Drei Kleingartenvereine feiern 2019 ihr 100-jähriges Bestehen. Wie sieht es mit dem Nachwuchs in den Anlagen aus?

Horst Stronk: In den letzten beiden Jahren hat sich im Kleingartenwesen ein großer Wandel vollzogen. Immer mehr junge Familien kommen zu uns und stehen auf den Bewerberlisten. Das Durchschnittsalter in manchen Vereinen ist von 64 Jahre auf unter 40 Jahre gesunken. Uns ist es egal, aus welchen Ländern die Bewerber kommen, welche Hautfarbe sie haben und welcher Religion sie angehören.

Wenn der Trend zum Kleingärtnern geht, dann denken Sie doch bestimmt über neue Anlagen nach?

Stronk: Momentan beschäftigen wir uns mit der Planung einer Anlage mit 30 Parzellen am Stodtbrockweg in Roxel. Die Anlage muss insgesamt neu erschlossen werden. Ich schätze, dass noch ein bis zwei Jahre vergehen werden, denn ein neuer Verein muss sich gründen. Landesmittel stehen in Aussicht. Aber auch eine zweite Anlage mit 80 Parzellen unweit der Egelshove in Mecklenbeck haben wir im Blick.

Wie hoch ist die Zahl der Anlagen, die Ihrem Verband angehören?

Stronk: Momentan gehören zu unserem Stadt- und Bezirksverband 64 Anlagen, von denen sich 55 in Münster befinden. 5600 Mitglieder zählt unser Zusammenschluss. Bundesweit gibt es eine Million Kleingärtner.

Kommt Ihnen bei Ihren Plänen für die Anlagen die Nachverdichtung in verschiedenen Wohnvierteln in die Quere?

Stronk: Für die Umgehungsstraße haben wir beispielsweise in der Anlage Friedland an der Dingstiege 38 Kleingärten geopfert. 16 Ersatzgärten wurden dafür in der Anlage Damaschke an der Wolbecker Straße eingerichtet. Aber auch dort sind Kleingärtner innerhalb der Anlage umquartiert worden. Wir können aus Platzmangel keinen großen Wert auf Anlagen mitten in der Stadt legen, sondern müssen in die Peripherie rund um Münster herum ausweichen. Unsere Flächen ziehen sich wie ein grünes Band um die Innenstadt.

Was spricht heute für das Kleingärtnern?

Stronk: Wir betreiben heute einen biologischen Anbau, schaffen Spielplätze und Freiräume. Der Mief ist raus, das Gartenzwergdenken ist ad acta gelegt. Wir gehen Partnerschaften mit Kitas und Grundschulen ein, wollen die Senioren in den Anlagen nicht vergessen und freuen uns, wenn die Münsteraner unsere Anlagen zwischen April und Oktober besuchen. Dafür stellen wir zunehmend mehr Bänke und Infotafeln auf. Wir verstehen uns heute als kleine grüne Lungen in der Stadt.

Spüren Sie die Folgen der heißen Sommermonate 2018?

Stronk: Eine Folge davon ist die hohe Wasserrechnung in den Gärten. Aber auch die eine oder andere Pflanze ist vertrocknet.

Und wie sieht es mit Schädlingen aus?

Stronk: Wir haben in unseren Gärten immer noch eine ausgewogene Ökologie mit vielen Vögeln und Feldmäusen, das macht sich bemerkbar. Chemie ist bei uns absolut verboten.

Ihre Pläne für dieses Jahr?

Stronk: Ich möchte alle Generationen in den Vereinen noch mehr zusammenbringen. Dabei stelle ich mir vor, dass die älteren Kleingärtner vielleicht Patenschaften übernehmen und jüngere Gärtner davon profitieren. Ich finde es gut, wenn alle miteinander reden und nicht übereinander.

Haben Sie weitere Ideen?

Stronk: Wir arbeiten an insektenfreundlichen Kleingärten, um dem weiteren Insektensterben vorzubeugen. Wir in Martini haben bereits im vergangenen Jahr ein Biotop mit einem Bienenhotel, entsprechenden Beeten und Unterschlüpfen für Schmetterlinge geschaffen. Ich freue mich, dass auch andere Vereine diese Idee aufgreifen und einen Zuschuss beantragen. Aber auch jedes Vereinsmitglied kann mit Wildbienenwiesen im eigenen Garten dazu beitragen. Ich sage immer: Leute, wir müssen was für die Viecher tun. Aber wir sind auch Umweltschützer und stellen Zuschüsse für die Entsorgung von Asbestdächern in den Anlagen in Aussicht.

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