Mehr Verletzte im Verkehr: Forderung nach Konsequenzen
„Brennpunkte gezielt überwachen“

Münster -

Nach der Veröffentlichung der Verkehrsunfallstatistik 2018 ist eine Diskussion darüber entbrannt, wer für den deutlichen Anstieg der Verletztenzahlen verantwortlich ist. Im Zentrum der Kritik steht: die Polizei.

Freitag, 01.03.2019, 20:00 Uhr aktualisiert: 01.03.2019, 20:37 Uhr
Die Polizei hat eine Reihe von Unfallschwerpunkten ermittelt. Automobilclub und ADFC fordern, dass sie dort verstärkt Kontrollen durchführt.
Die Polizei hat eine Reihe von Unfallschwerpunkten ermittelt. Automobilclub und ADFC fordern, dass sie dort verstärkt Kontrollen durchführt. Foto: dpa

Der Automobilclub Münster im ADAC beklagt eine „mangelnde Überwachung des Fahrradverkehrs“ durch die Polizei. Zudem sei es nicht zielführend gewesen, dass sie stadtweit – und nicht nur an Unfallschwerpunkten – Geschwindigkeitskontrollen durchgeführt habe. Der Automobilclub ist überzeugt, dass Radfahrer nur durch „gezielte Überwachung und Ahndung“ dazu gebracht werden können, sich an die Verkehrsregeln zu halten. Insgesamt sei die jüngste Unfallbilanz „katastrophal“.

Die Polizei hatte in dieser Woche bekannt gegeben, dass 2018 so viele Menschen wie seit Jahren nicht mehr im münsterischen Straßenverkehr verletzt wurden: 1570, darunter 863 Radfahrer.

Als „erschreckend“ bewertet auch Andreas Bittner vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) die Unfallbilanz. „In der wachsenden Stadt Münster sind immer mehr Räder unterwegs, hinzu kommen Lasten- und Elektroräder, womit auch die Geschwindigkeit zunimmt – doch der Straßenraum ist immer noch aufgeteilt wie vor 30, 40 oder 50 Jahren“, kritisiert Bittner.

Aktionismus und Mutlosigkeit

Der Polizei wirft er „Aktionismus“ vor: „Sie hätte viel konsequenter an Unfallschwerpunkten Präsenz zeigen müssen.“ Bei Politik und Verwaltung konstatiert er eine „erschreckende Mutlosigkeit“. Statt wirklich neue Konzepte auszuprobieren, hätten sie teure Masterpläne entworfen und sich an Auszeichnungen für die vermeintliche Fahrradhauptstadt Münster „berauscht“.

Zudem sei es schwierig, bei den Parteien wirklich kompetente Ansprechpartner zu finden. Bittner fordert für den ADFC unter anderem, den Straßenraum „radikal neu aufzuteilen“ und das Tempo auf den Straßen zu verringern.

Gezielte Kontrollen

Derweil betont Polizeipräsident Hajo Kuhlisch, dass seiner Behörde für 2018 und 2019 mehr Einsatzstunden für die Verkehrsüberwachung genehmigt worden seien. „Die aktuelle Entwicklung kann daher nicht auf mangelnden Kontrolldruck reduziert werden“, so Kuhlisch.

Viel besser als „Publicity-Aktionen“ sei eine nachhaltige Polizeiarbeit. Mit „gezielten Nadelstichen an den richtigen Stellen“ wolle die Polizei Einsicht und andauernde Wirkung erzielen. 

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