Pro & Contra
Sollte die Polizei den Straßenverkehr stärker kontrollieren?

Münster -

Im Straßenverkehr wurden 2018 deutlich mehr Menschen verletzt – vor allem Radler. Sollte die Polizei stärker kontrollieren?

Samstag, 02.03.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 02.03.2019, 18:04 Uhr
Pro & Contra: Sollte die Polizei den Straßenverkehr stärker kontrollieren?
Polizisten kontrollieren den Verkehr. Foto: Matthias Schrief

Pro: Nur Druck wirkt

Der späte Nachmittag ist eine gute Zeit, um einen Eindruck vom alltäglichen Wahnsinn auf Münsters Radwegen zu bekommen. Wenn kein Polizist in der Nähe ist, wird von den Radlern gleich scharenweise Rot ignoriert, sie schieben sich an wartenden Pkw vorbei, genehmigen sich auch dort die Vorfahrt, wo sie eigentlich stehen bleiben müssten. Senioren und Kinderwagen werden waghalsig umkurvt, munter Radwege auf der falschen Seite benutzt. Dazu dröhnt Musik aus ihren Kopfhörern, der Blick aufs Smartphone ist eh längst Standard.

Der Autor fährt selbst ausschließlich Fahrrad in dieser Stadt. Er weiß, dass nicht nur die Radfahrer die Schuld an den gestiegenen Verletztenzahlen tragen. Doch Fakt ist, dass es gerade im Fahrradverkehr deutlich ruppiger zugeht als vor wenigen Jahren. Rücksicht? Immer seltener zu beobachten. Regeltreue? Wird immer öfter drauf gepfiffen. Zu mehr Kontrollen durch die Polizei gibt es daher keine Alternative. Dass der Appell an den „gesunden Menschenverstand“ nicht wirkt, beweist schließlich schon die aktuelle Lage.

Von Martin Kalitschke

Contra: Mit Einsicht zum Ziel

Die Polizei führt schon jetzt zahlreiche Kontrollen an neuralgischen Punkten und auf viel befahrenen Strecken wie der Promenade durch – viel bewirkt hat es offensichtlich nicht, wie die aktuelle Unfallstatistik zeigt. Nicht noch mehr Kontrollen, sondern Aufklärung ist der richtige Weg, um über die Einsicht der Radfahrer Verhaltensänderungen zu bewirken.

Vorbildlich sind beispielsweise gemeinsame Aktionen mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) zum Anbringen von Speichenreflektoren. Die Warteschlangen vor den Aktionspunkten sind meist lang; und beim gemeinsamen Anbringen der Sicherheitsausrüstung werden nicht selten Tipps ausgetauscht. Ein anderes Beispiel: die Aktionen und Infostände der Kinderneurologiehilfe, bei denen die Notwendigkeit von Fahrradhelmen so anschaulich dargestellt und ins Bewusstsein gerückt wird, dass sich mancher daraufhin einen Helm zugelegt hat. Nicht allein Kontrollen und Knöllchen, die oft noch als Abzocke missverstanden werden, führen zum Ziel, sondern in erster Linie Einsicht.  

Von Karin Höller

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