A-Z Architekten: Strupp, Tönies, Brocker und Muths mit dem BDA entdecken
Das „Neue Bauen“ im Blick

Münster -

Experimentierfreude war in der Architekten-Szene nach dem Ersten Weltkrieg angesagt. Auch in Münster. Die neuen Vorträge der Reihe „A-Z Architekten“ stellen die Protagonisten und ihre Werke ab April vor.

Donnerstag, 07.03.2019, 13:00 Uhr aktualisiert: 07.03.2019, 13:39 Uhr
Das Wohnhaus Wiedemann an der Münzstraße 9 galt nach seiner Fertigstellung im Jahr 1932 als eines der modernsten Wohngebäude in Münster.
Das Wohnhaus Wiedemann an der Münzstraße 9 galt nach seiner Fertigstellung im Jahr 1932 als eines der modernsten Wohngebäude in Münster. Foto: Roland Borgmann

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden architektonische und städtebauliche Fragen neu gestellt. Vielerorts gab es Strömungen, die auf ein „Neues Bauen“ zielten. Während sich das Bauhaus im April 1919 in Weimar als experimentelle Schule begründete, gab es auch hierzulande, im Westen der jun gen Weimarer Republik, Reformansätze und Ex perimentierfreu de. In Münster bil dete sich zudem mit der freien Künstlergemeinschaft „Schanze“ vor 100 Jahren ein Kreis von Künstlern, zu dem auch prägende Architekten der Region zählten.

Die Vortragsreihe „A-Z Architekten“ des Bundes deutscher Architekten (BDA) Münster-Münsterland stellt daher im ersten Halbjahr 2019 Architekten vor, die ein Bauen zwischen Konvention und Experiment jener Zeit verhandeln: Wilhelm Peter Strupp, Bernhard Tönies, Carl Brocker und Jobst Hans Muths.

Auch wenn die Namen heute zunächst unbekannt klingen, stehen sie für wichtige Architekturprojekte in Münster. So war es der Architekt Wilhelm Peter Strupp (1891-1992), der 1931/32 mit dem Wohnhaus Wiedemann an der Münzstraße das modernste Haus der Stadt baute. In seiner reduzierten, einfachen Form erregte es öffentliches Aufsehen. Bereits 1924 richtete er zuvor das erste Rundfunkstudio in Münster ein und wirkte ab 1925 als einflussreicher Lehrer an der Kunstgewerbeschule.

Auch Bernhard Tönies (1906-1965), der bei Emil Fahrenkamp an der Düsseldorfer Kunstakademie studierte, brachte die neuen Raumvorstellungen nach Münster – ihm gelang in jungen Jahren der Bau erster kubischer Häuser in der Stadt, die auch heute noch erhalten sind: das Wohnhaus Cesarz (1932) in Hil trup und das Wohn- und Atelierhaus Bröker (1932) an der Maximilianstraße.

Ein zweiter Architektur­ abend führt am 15. Mai zu den Mis sionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu nach Hiltrup. Ihr 1925 bis 1930 errichtetes Mutterhaus stellt ein beeindruckendes expressionistisches Bauwerk des Duisburger Architekten Carl Brocker (1878-1959) dar, dessen Leben und Werk in der dortigen Kapelle veranschaulicht wird. Brocker ist auch in Münsters Innenstadt kein Unbekannter: Für das Borromäum (1913-15) am Domplatz sowie das Turmgebäude der Raphaelsklinik (1928-30) zeichnete er verantwortlich.

Für überwiegend private Auftraggeber baute dagegen Jobst Hans Muths (1906-1972) beginnend in den 1920er- und 1930er-Jahren bis in die Zeit des Wiederaufbaus. Das gepflegte Ge bäude des Zwei-Löwen-Clubs am Kanonengraben (1951) zählt zu seinen Bauten.

Zu den Abenden werden Gäste aus dem Familien-, Freundes- oder Mitarbeiterkreis der Architekten erwartet. Der Eintritt ist frei.

Termine

► 3. April, 19 Uhr: Peter Strupp (1891-1992) und Bernhard Tönies (1906-1965), Botschafter des Neuen Bauens – Private Meisterhäuser in Münster, Münster Modell, Alter Steinweg 47

► 15. Mai, 19 Uhr: Carl Brocker (1878-1959), Zacken, Kronen und erste Turmbauten – Expressionismus in Münster, Mutterhaus der Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu, Westfalenstraße 107, Hiltrup

► 12. Juni, 19 Uhr: Jobst Hans Muths (1906-1973), Großzügige Wohn- und Clubkultur – Tradiertes Bauen für gehobene Kreise mit niederländischem Einfluss, Zwei-Löwen-Club, Am Kanonengraben 9

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