Hilfsangebote für Demenz-Erkrankte
Leben mit Demenz meistern

Münster -

Der Arbeitskreis Demenz in Münster bietet Demenz-Erkrankten zahlreiche Hilfsangebote an und bündelt die Aktivitäten. Auch Angehörige erhalten Hilfe.

Mittwoch, 06.03.2019, 22:00 Uhr
Sie koordinieren die Hilfsangebote für Münster im Arbeitskreis Demenz (v.l.): Beate Nieding (Alzheimer Gesellschaft Münster), Cornelia Domdey (Gerontopsychiatrische Beratung der Alexianer), Lydia Hackmann (Sozialpsychiatrischer Dienst im Gesundheitsamt) und Prof. Dr. Tilman Fey (Chefarzt, LWL-Klinik Gerontopsychiatrie und Sprecher des Arbeitskreises Demenz).
Sie koordinieren die Hilfsangebote für Münster im Arbeitskreis Demenz (v.l.): Beate Nieding (Alzheimer Gesellschaft Münster), Cornelia Domdey (Gerontopsychiatrische Beratung der Alexianer), Lydia Hackmann (Sozialpsychiatrischer Dienst im Gesundheitsamt) und Prof. Dr. Tilman Fey (Chefarzt, LWL-Klinik Gerontopsychiatrie und Sprecher des Arbeitskreises Demenz). Foto: hö

Obwohl deutschlandweit 1,7 Millionen Menschen an Demenz-Erkrankungen leiden – allein in Münster sind es rund 6400 –, ist die Diagnose Demenz bei vielen erheblich negativer belegt, als andere altersbedingte Krankheiten. „Wenn aber die Rahmenbedingungen stimmen und passende Unterstützung geboten wird, können die Betroffenen weiterhin ein glückliches Leben führen“, unterstreicht Cornelia Domdey von der Gerontopsychiatrischen Beratung der Alexianer. Sie ist eine der Beratungsstellen und Kliniken, die in der Westfalenmetropole im Arbeitskreis Demenz ihre Aktivitäten aufeinander abstimmen.

„Unser Ziel“, so der Sprecher der Initiative, Prof. Dr. Tilman Fey von der LWL-Klinik Münster und Sprecher des Arbeitskreises: „Wir wollen die Angebote bündeln, um den Erkrankten besser zu helfen und die Versorgungsqualität zu erhöhen.“

Mit Informationstagen und Vorträgen wollen die Kooperationspartner die Erkrankung stärker ins Bewusstsein der Bürger bringen und das breite Angebot für Betroffene wie Angehörige darstellen. Denn eines ist laut Fey, Chefarzt der Abteilung für Gerontopsychiatrie in der LWL-Klinik Münster, klar: „Die Fallzahlen werden in den kommenden Jahren aufgrund der demografischen Entwicklung steigen.“ Im Jahr 2050 werden es laut Hochrechnungen 9000 bis 10 000 Demenz-Erkrankte in Münster sein, deutschlandweit rund drei Millionen. Demenz ist eine typische Alterserkrankung. Fey: „Unter den 85- bis 90-Jährigen haben ein Drittel demenzielle Beeinträchtigungen.“

Damit passende Hilfestellungen gegeben werden können, empfiehlt Fey zunächst eine klare ärztliche Diagnostik. „Denn es gibt einige Erkrankungen, die demenzielle Symptome zeigen, aber keine bleibende Demenz sind, sondern heilbare Erkrankungen.“ Fey nennt als Beispiel Erkrankungen der Schilddrüse, „die Menschen oft ebenfalls erlahmen lassen“, oder Depressionen, die ebenfalls gut behandelbar seien.

Leitsymptom bei Demenzerkrankungen sei ein episodisches Gedächtnis, das das Abrufen von vergangenen Erfahrungen weiterhin ermögliche. Fey: „Die Speicherfähigkeit neuer Informationen nimmt allerdings durch den Verlust von Hirnzellen ab.“

Weshalb für Demenz-Patienten die zeitliche und räumliche Orientierung schwieriger wird. Einen normalen Einkauf zu organisieren, wird da mitunter schon zum Problem, weiß Domdey. „Angehörige, die in die Beratung kommen, klagen zudem oft darüber, dass die Betroffenen sich zurückziehen oder misstrauisch geworden sind.“

Deshalb müsse die Kommunikation mit Demenz-Erkrankten eine andere sein, betonen die Partner im Arbeitskreis Demenz. Sie bieten nicht nur kostenlose individuelle Beratung, sondern auch Kurse für Angehörige oder Berufsgruppen wie Taxifahrer, Mitarbeiter von Banken oder Supermärkten zum richtigen Umgang mit Demenz-Erkrankten.

Da viele ältere Menschen allein leben, bekommt Lydia Hackmann vom Sozialpsychiatrischen Dienst im Gesundheitsamt mitunter Hinweise von Nachbarn, wenn die Auffälligkeiten zunehmen. Hackmann: „Wir machen in solchen Fällen auch Hausbesuche und erleichtern den Zugang zu Hilfsangeboten.“ Für ein lebenswertes Leben mit Demenz gibt es Betreuungsangebote ebenso wie Kulturangebote, etwa Museumsführungen, die, so Domdey, „Abwechslung und Teilhabe bieten“.

Zum Thema

Die Broschüre „Wegweiser Demenz“ mit allen Angeboten in Münster ist in Beratungsstellen und in der Bürgerinformation erhältlich.

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