Personaldezernent nimmt Stellung
Stadt-Mitarbeiter häufiger attackiert

Münster -

Die gemeldeten Gewaltvorfälle, bei denen Mitarbeiter der Stadtverwaltung Opfer sind, bewegen sich auf hohem Niveau. Das beklagt der städtische Personaldezernent.

Donnerstag, 07.03.2019, 07:00 Uhr
Auch im städtischen Jobcenter gibt es einen Sicherheitsdienst. 
Auch im städtischen Jobcenter gibt es einen Sicherheitsdienst.  Foto: Oliver Werner

„Die Aggressivität nimmt nach Einschätzung unserer Mitarbeiter tendenziell zu.“ Diese Aussage des städtischen Personaldezernenten Wolfgang Heuer schreckt auf. 71 Gewaltvorfälle verzeichnete die Stadtverwaltung im vergangenen Jahr gegenüber ihren Mitarbeitern (2017: 60). Damit bewege man sich „weiterhin auf einem hohen Niveau“, wie Heuer sagt. Und er geht davon aus, dass die Dunkelziffer beträchtlich ist. „Wir werben für das Melden der Vorgänge.“

Es sind nicht nur Beleidigungen, Beschimpfungen und Bedrohungen: Mitarbeiter würden körperlich angegriffen, auch unter Einsatz von Waffen und erhielten Morddrohungen, so der Personaldezernent. Manchmal geschehe das aus dem Nichts heraus, weil sich Personen nicht gerecht behandelt fühlten.

Welche Mitarbeiter betroffen sind

Vor allem Mitarbeiter im Sozialamt (24 Fälle), bei der Feuerwehr (21) und im Ordnungsamt (10) sind Opfer von Attacken ihrer Mitbürger. Im Vergleich zur Zahl der Kundenkontakte sei die der Übergriffe zwar verschwindend gering, so Heuer. „Aber jeder Einzelfall ist einer zu viel.“

Im Bereich des Sozialamts, wo es zu zwei Dutzend Vorfällen gekommen ist, wurden nach städtischen Angaben 23 000 Bürger im Jahr 2018 beraten. Auch die 21 Vorfälle bei der Feuerwehr angesichts von 27 000 Einsätzen im ganzen Jahr nehmen sich eher bescheiden aus. Dennoch lässt Heuer kein Pardon gelten: „Wer Rettungskräfte angreift, muss wissen, dass ihm nicht geholfen wird und dass er oder sie belangt wird.“ Dabei möchte Heuer die Justiz ermuntern, bei Behinderungen von Rettern durchzugreifen – ebenso bei Schaulustigen, die im Weg stehen und filmen.

Alle gemeldeten Gewaltvorfälle werden dem Dezernenten zufolge analysiert, um entsprechende Präventionsmaßnahmen zu verbessern oder neue auf den Weg zu bringen „Für uns ist das ein wichtiges Thema geworden.“ Seit 2015 werden die Vorgänge in der Stadtverwaltung systematisch erfasst.

Selbstverteidigung für Angestellte

„Da Angriffe in aller Regel ohne Vorwarnung erfolgen, müssen unsere Mitarbeiter auf solche Situationen durch Schulung vorbereitet werden“, erklärt der Personaldezernent und nennt beispielhaft Deeskalationstraining und Selbstverteidigung als Maßnahmen. In jedem Fall habe der Eigenschutz der Mitarbeiter Vorrang vor allem anderen.

Was früher undenkbar erschien: Inzwischen gibt es an zahlreichen Stellen der Stadtverwaltung einen Sicherheitsdienst. Das werde von den Mitarbeitern gefordert und sei hoch willkommen, erklärt Heuer.

Ähnliche Entwicklung in anderen Städten

In der Stadtbücherei, dem Rechts- und Ausländeramt, im Sozialamt, im Jobcenter und im Stadthaus 1 überlässt man die Sicherheit des Personals schon lange nicht mehr dem Zufall. „In vielen anderen Städten gibt es eine vergleichbare Entwicklung“, weiß Heuer aus Gesprächen mit seinen Dezernenten-Kollegen.

Beleidigungen und Übergriffen sind auch Polizeibeamte in Münster ausgesetzt, wie unlängst bei der Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik im Präsidium am Friesenring deutlich wurde. 320 Fälle wurden aktenkundig. In anderen Städten gebe es aber noch deutlich mehr Gewalt gegen Polizei und Einsatzkräfte, wie es hieß.

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