Aus für die Uppenbergschule
Zu wenige Schüler

Münster -

Zwei Jahre nach dem ersten Auflösungsbeschluss kommt nun wohl das endgültige Aus für die Uppenbergschule. Der Grund: Insgesamt würden ab kommendem Schuljahr in der ganzen Förderschule nur noch 27 Kinder unterrichtet.

Freitag, 08.03.2019, 18:00 Uhr aktualisiert: 08.03.2019, 18:10 Uhr
Die Uppenbergschule soll aufgelöst werden.
Die Uppenbergschule soll aufgelöst werden. Foto: kaj

Die Auflösung der Uppenbergschule in Kinderhaus war 2017 schon einmal beschlossen – und durch den Regierungswechsel in Düsseldorf noch einmal gestoppt worden. Jetzt ist es wieder soweit: Die Förderschule mit den Schwerpunkten Lernen sowie emotionale und soziale Entwicklung soll zum Sommer aufgelöst werden.

Der Grund ist derselbe wie schon vor zwei Jahren. Die Schule hat kaum noch Schüler, im kommenden Schuljahr wären es noch insgesamt 27. Damit ist die vom jetzt FDP-geführten Schulministerium festgesetzte Mindestgröße für Förderschulen ohne Primarstufe von 84 Kindern deutlich unterschritten.

Nicht vertretbar

Die Schulkonferenz hat ihr Bedauern ausgedrückt, der Schulausschuss soll am 19. März entscheiden. Nach den Vorgaben des Landes wäre es möglich, bis zum Schuljahr 2023/24 die Schule weiterzuführen, erläutert Schulamtsleiter Klaus Ehling. Es sei aber „aus praktischen und qualitativen Gründen nicht vertretbar, mit so wenigen Schülern einen Schulbetrieb aufrecht zu erhalten. Schon jetzt werden zehn Fächer fachfremd unterrichtet“.

Eine Trendwende ist nicht in Sicht. Für das kommende Schuljahr sind sieben von etwa 100 Förderschülern, die in die fünfte Klasse übergehen, an einer Förderschule, in diesem Fall der städtischen Albert-SchweitzerSchule, angemeldet worden. „Die meisten Eltern von Kindern mit Förderbedarf wählen den inklusiven Unterricht in einer Regelschule“, sagt Ehling. Schon jetzt besuchten nur noch Jugendliche der Klassenstufen acht bis zehn die Uppenbergschule.

Heimat für sonderpädagogischen Unterricht

Die im nächsten Schuljahr noch verbleibenden Schüler sollen in ihrem bisherigen Gebäude weiter unterrichtet werden, aber organisatorisch der Albert-Schweitzer-Schule im Ostviertel angegliedert werden.

Das Gebäude am Bröderichweg aber soll weiter Heimat für sonderpädagogischen Unterricht bleiben. Die Kinder der „Schule an der Beckstraße“ im Aaseeviertel sollen nach Kinderhaus umziehen. Diese Förderschule für 33 Kinder mit sozialem und emotionalem Förderbedarf unterrichtet die älteren Jahrgänge im Gebäude der aufgelösten Richard-von-Weizsäcker-Schule am Laerer Landweg.

Auch die neun Jugendlichen im sonderpädagogischen Projekt „Villa Interim“, bisher ebenfalls an der Beckstraße untergebracht, sollen in der Uppenbergschule unterrichtet werden.

Kommentar: Gute Inklusion braucht mehr Lehrer

Die sehr geringe Schülerzahl an der Uppenbergschule täuscht leicht darüber hinweg, dass deren nun anstehende Auflösung ein Politikum darstellt. Der kontinuierliche Schülerschwund illustriert die Entwicklung der Inklusion – und die bleibt ein unter Lehrern und Eltern verbreitetes Reizthema.

Dass die meisten Eltern von Kindern mit Förderbedarf den inzwischen üblichen Unterricht in einer Regelschule vorziehen, ist sehr nachvollziehbar, denn die Idee der Inklusion ist grundsätzlich gut und richtig. Es ist aber auch richtig, dass es mit dem gemeinsamen Unterricht nicht an allen Schulen gut läuft. Gute Inklusion nämlich braucht mehr, nicht etwa weniger pädagogisches Personal als in einer Förderschule. Manche Lehrer fühlen sich nachvollziehbar besonders mit verhaltensauffälligen Kindern überfordert im Bemühen, allen Schülern gerecht zu werden.

Speziell Politiker der CDU und FDP haben sich lange gegen die Auflösung der Förderschulen gewehrt – weil diese ermöglichten, Kinder in kleineren Gruppen zu fördern. Aber auch, weil Regelschulen so weiter mit einer homogeneren Schülerschaft arbeiten können. Als die frühere rot-grüne Landesregierung die Inklusion massiv nach vorn brachte, plädierten CDU und FDP für die Freiheit der Eltern, Regel- oder Förderschule zu wählen. Diese Freiheit gibt es weiter – aber nur die wenigsten Eltern wählen eine Förderschule. Diesem Trend kann auch die jetzt regierende FDP-Schulministerin nichts entgegensetzen. An ihr wäre es, den inklusiven Unterricht an den Regelschulen mit mehr Personal zu stärken. Von Karin Völker

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