Bauhaus in Münster: Heinrich Clasing
Vom Künstler zum Galeristen

Münster -

Vor 100 Jahren wurde in Weimar das Bauhaus gegründet. Heute gilt die bis 1933 bestehende Einrichtung als einflussreichste Bildungsstätte in den Bereichen Architektur, Kunst und Design im 20. Jahrhundert. Unter den Schülern waren auch Münsteraner.

Samstag, 09.03.2019, 12:00 Uhr
Bauhaus in Münster: Heinrich Clasing: Vom Künstler zum Galeristen
Blick auf das Bauhaus Dessau, wo Heinrich Clasing ab 1930 studierte. Foto: dpa

Heinrich Clasing, 1911 in Münster geboren, macht zunächst eine Lehre zum Buchbinder, bevor er 1930 ans Bauhaus wechselt. Dort absolviert er zunächst bei Josef Albers und Wassily Kandinsky eine „Grundlehre“, bei der unter anderem verschiedene Formen des Zeichnens unterrichtet werden. Anschließend kann er in den Dessauer Werkstätten erste Projekte verwirklichen. Im zweiten Studienjahr konzentriert er sich auf Reklame, im dritten auf Fotografie.

Nach der Schließung des Bauhauses in Dessau zieht Clasing mit nach Berlin. Dort kann er sein Studium im April 1933, gerade noch vor der dortigen Schließung des Bauhauses, beenden.

Aus Protest Haupt rasiert

Aus jener Zeit gibt es ein Foto, das seine Kommilitonin Grete Stern gemacht hat. Es zeigt Heinrich Clasing als „Kahlkopf“. Später gibt er an, sich damals aus Protest gegen die Bauhaus-Schließung das Haupt kahlrasiert zu haben.

Clasing geht nach Münster zurück, vermutlich aus wirtschaftlichen Gründen. Hier übernimmt er die elterliche Buchbinderei und Bilderrahmung, 1935 gründet er die Galerie „Kleiner Raum Clasing“, die noch heute besteht. In der Galerie organisiert er regelmäßig Ausstellungen von jungen, teils verfemten Künstlern wie Otto Pankok, Carl Hofer und Edvard Munch.

Spagat zwischen Anpassung und Wagemut

Auch Werke von Künstlern der münsterischen Schanze-Gruppe präsentiert Heinrich Clasing wiederholt. Unterm Strich, so heißt es in einem Buch über Clasing, gelang es ihm in den 1930er-Jahren nicht nur, den Spagat zwischen dem Anspruch eines Bauhaus-Künstlers und verkaufbarer Kunst zu bewältigen – sondern auch zwischen Anpassung und Wagemut.

1943 dann ein schwerer Schicksalsschlag: Eine Bombe trifft Clasings Wohnhaus und die Galerie, der größte Teil der von ihm geschaffenen Kunstwerke wird zerstört. „Dies war wohl der Auslöser für ihn, nicht mehr selbst als Künstler aktiv zu sein“, vermutet Paul Anczykowski, der heute die Galerie Clasing führt.

Bereits unmittelbar nach Kriegsende wird die Galerie wiedereröffnet, es folgen schon bald Ausstellungen mit Avantgarde-Künstlern wie August Macke, Marc Chagall und Ernst Barlach. Clasing leitet die Galerie bis 1989, als er im französischen Pont-Aven stirbt.

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