Schule entwirrt Klima-Diskussion
Gesamtschule will Schülern Protest ermöglichen

Münster -

Man hat es sich nicht leicht gemacht an der Mathilde-Anneke-Gesamtschule: Doch nun will man sich am Klima-Protest „Fridays for Future“ beteiligen. Allerdings mit der nötigen Vorbereitung, damit die Demo zum nachhaltigen Lernort wird.

Dienstag, 12.03.2019, 09:00 Uhr
Mit den Protesten der Initiative „Fridays for Future“ hat sich die münsterische Mathilde-Anneke-Gesamtschule in den vergangenen Wochen auseinandergesetzt und dabei auch entschieden, wie man mit der Thematik umgehen möchte.
Mit den Protesten der Initiative „Fridays for Future“ hat sich die münsterische Mathilde-Anneke-Gesamtschule in den vergangenen Wochen auseinandergesetzt und dabei auch entschieden, wie man mit der Thematik umgehen möchte. Foto: Oliver Werner

Kinder und Jugendliche sprechen darüber, ebenso ihre Eltern. Lehrer diskutieren. Die Kanzlerin ließ sich jüngst zu einem, wohlgemerkt von Teilen ihrer Partei widersprochenen, Lob für die Bewegung hinreißen, und sogar Christian Lindner hat eine Meinung zu „Fridays for Future“ – die von der schwedischen Schülerin Greta Thunberg ins Leben gerufene Initiative ist in aller Munde. In über 50 Ländern gehen Schüler mittlerweile an Freitagen auf die Straße.

Vor eine große Aufgabe stellt das vor allem die hiesigen Schulleiter. Ihnen wurde von der Bezirksregierung die Entscheidung überlassen, wie im Einzelfall mit der Thematik umzugehen ist. Warum das, trotz immer wiederkehrenden Rufen nach jugendlichem Engagement, keine leichte Aufgabe ist, erklärt Birgit Wenninghoff, Leiterin der münsterischen Mathilde-Anneke-Gesamtschule mit einem einfachen Vergleich: „Was ist bei der nächsten Sache? Was wäre, wenn die Schüler demnächst mit den Rechten auf die Straße gehen wollen?“, wählt Wenninghoff bewusst ein Beispiel, das gesellschaftlich weit weniger Akzeptanz finden würde.

Information steht an erster Stelle

Andererseits, und auch das räumt Wenninghoff ein, hat ihre Schule gerade erst zwei Auszeichnungen für ihre Bemühungen um Umweltschutz und Nachhaltigkeit erhalten. Demokratie leben und erleben seien zudem wichtige Bausteine, auf denen die Schulgemeinschaft errichtet sei. Und so kam Wenninghoff gemeinsam mit ihrem Kollegium und nach Rücksprache mit der Schulpflegschaft zur Überzeugung, man müsse sich sehr wohl positionieren. Und diese Position lautet zuallererst: „Die Schüler müssen informiert werden. Das muss Hand und Fuß haben.“

Kurze Unterrichtsreihen mit Zahlen, Daten und Fakten – damit jeder besser entscheiden kann, ob er für die Sache überhaupt auf die Straße gehen will. Doch dabei blieb es nicht. Die Nachricht der intensiven Auseinandersetzung der Schule mit dem Thema erreichte auch den gemeinnützigen Verein „Germanwatch“, der sich unter anderem für Entwicklungs- und Umweltorganisation engagiert und der vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung unterstützt wird.

"Gewissensentscheidung jedes Einzelnen"

Kurzerhand sagte Stefan Rostock von Germanwatch als Referent für Mittwoch sein Kommen zu – und wurde von den Schülern nicht nur mit offenen Armen empfangen, sondern auch mit Applaus verabschiedet. „Wir rufen nicht zu den Demos auf. Es ist die Gewissensentscheidung jedes Einzelnen“, machte Rostock im Gespräch mit unserer Zeitung deutlich. Seiner Meinung nach aber kommt „die Dynamik genau zur richtigen Zeit“. Kanzlerin Merkel, so Rostock, müsse nun zeigen, ob sie nachhaltige Politik mache oder eben nicht.

Die Mathilde-Anneke-Gesamtschule will sich, das Einverständnis der Eltern vorausgesetzt, mit einigen Schülern einmalig an den Protesten beteiligen. Die Demonstration am 15. März in Münster soll für die Schule dann zum „nachhaltigen Lernort“ werden. Bis Montagmittag hatten die Schüler dafür Zeit, im Sekretariat eine schriftliche Begründung abzugeben, warum sie sich für den Klimaschutz einsetzen wollen. Schulleiterin Wenninghoff zeigte sich schon wenige Stunden vor Abgabefrist beeindruckt: „Wir werden hier mit Schreiben geflutet. Manche haben ganze Briefe und Bewerbungen geschrieben.“

Für Birgit Wenninghoff und ihr Kollegium steht daher fest: „Wir wollen, dass die Schüler sich für ihre Überzeugungen auch einsetzen können.“

Erneuter Klima-Streik von Schülern und Studenten

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Netzreaktionen auf Statement von FDP-Chef 

FDP-Chef Christian Lindner plädierte am Wochenende dafür, dass Schüler für die Proteste nicht den Unterricht ausfallen lassen sollten. „In der Unterrichtszeit sollten sie sich lieber über physikalische und naturwissenschaftliche sowie technische und wirtschaftliche Zusammenhänge informieren“, sagte Lindner der „Bild am Sonntag“. „Ich bin für Realitätssinn. Von Kindern und Jugendlichen kann man nicht erwarten, dass sie bereits alle globalen Zusammenhänge, das technisch Sinnvolle und das ökonomisch Machbare sehen. Das ist eine Sache für Profis.“Das führte im Netz prompt zu Reaktionen: 

Christian Lindner bei Anne Will & Twitter:

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