Gesetzesänderung zeigt Wirkung
Haus-Abriss wird ohne Genehmigung möglich

Münster -

Ein reich verziertes Jugendstilhaus an der Friedensstraße soll abgerissen werden. Die Stadt hat keine Einwände – und verweist darauf, dass es seit Anfang Januar ohnehin leichter geworden sei, Häuser abzureißen.

Donnerstag, 14.03.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 14.03.2019, 10:24 Uhr
Dieses Jugendstil-Haus an der Friedensstraße wird demnächst abgerissen. Nach Auskunft der Stadt macht es für einen Neubau Platz.
Dieses Jugendstil-Haus an der Friedensstraße wird demnächst abgerissen. Nach Auskunft der Stadt macht es für einen Neubau Platz. Foto: kal

Das Haus mit der reich verzierten Jugendstilfassade, irgendwann um 1900 errichtet, ist ein echter Blickfang. Zwischen den zu einem großen Teil nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten Wohngebäuden in der Friedensstraße sticht es mit seiner weiß-rosa Fassade heraus – allerdings nicht mehr lange: Das historische Gebäude wird in Kürze abgerissen, nach Auskunft der Stadt ist an seiner Stelle ein Neubau geplant.

So bedauerlich es sein mag, wenn ein historisches Gebäude verschwindet – verboten ist der Abriss nicht. „Das Haus steht nicht unter Denkmalschutz, und für die Friedensstraße gibt es keine Erhaltungssatzung“, betont Mechthild Mennebröcker von der städtischen Denkmalbehörde. Dirk Lohaus vom Bauordnungsamt betont: „Der Eigentümer hat das Recht, sich für einen Abriss zu entscheiden.“

Kenntnisnahme statt Genehmigung 

Wobei es seit Anfang des Jahres deutlich leichter geworden ist, Gebäude abzureißen. Hintergrund ist eine zum 1. Januar 2019 erfolgte Änderung der Landesbauverordnung. Danach benötigen Hauseigentümer, deren Gebäude weder unter Denkmalschutz stehen noch von einer großflächig angelegten Erhaltungssatzung betroffen sind, keine Abrissgenehmigung mehr. Die Gesetzesänderung soll der Entbürokratisierung dienen, betont Lohaus.

Eine Ausnahme stellen Gebäude dar, die an ein anderes Haus angebaut sind, sowie größere Immobilien. Will ein Eigentümer solche Häuser abreißen, muss er dies der Stadt im Vorfeld anzeigen. Doch auch hier gilt neuerdings: Eine ausdrückliche Genehmigung ist für einen Abriss nicht mehr erforderlich. „Wir nehmen ihn quasi nur noch zur Kenntnis“, sagt der Leiter des Bauordnungsamtes.

Mehr Verantwortung für den Eigentümer 

Der Rückzug der Stadt hat allerdings Folgen für den Eigentümer einer Immobilie. Er muss sich um alles, was mit dem Abriss zusammenhängt, selber kümmern – und bekommt, zum Beispiel zur An- und Abfahrt der Baufahrzeuge, keine Vorgaben von der Stadt mehr. Und wenn bei diesem Prozess etwas schief läuft? „Wenn etwas daneben geht, dann greifen wir natürlich ein“, sagt Lohaus.

Zurück zur Friedensstraße. Natürlich, sagt Mechthild Mennebröcker, sei es aus Sicht einer Denkmalpflegerin schade, wenn ein historisches Gebäude verschwindet. Doch wenn es keine Gründe gibt, die gegen einen Abriss sprechen, „dann sind wir außen vor“.

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