Prozess gegen Müllsammler
Polizistin lotste Mann vom Kran

Münster -

Im Prozess gegen den massenhaft Müll hortenden Mann aus Kinderhaus arbeitet das Gericht minutiös die Geschehnisse auf: Die Frage dahinter: Wie gefährlich ist der psychisch kranke Mann Mann für seine Umwelt.

Mittwoch, 13.03.2019, 21:00 Uhr aktualisiert: 13.03.2019, 21:04 Uhr
Der hoch mit Müll bedeckte Garten im Haus des Angeklagten  im Jahr 2017.
Der hoch mit Müll bedeckte Garten im Haus des Angeklagten  im Jahr 2017. Foto: hpe

Für den An­geklagten geht es um viel – er könnte am Ende des Prozesses unbefristet in einer psychiatrischen Einrichtung zwangsuntergebracht werden. Der Richter der neunten Strafkammer am Land­gericht arbeitet in dem neu aufgerollten Prozess gegen den Müllsammler aus Kinderhaus, der wegen einer Vielzahl von Bedrohungen gegen seine Nachbarn an­geklagt ist, die Details ­akribisch auf. Dabei geht es um die Frage: Wie gefährlich ist der psychisch kranke Mann für seine Umwelt?

Am Mittwoch verfolgte der Angeklagte ruhig und diszipliniert den Prozess – anders als am 20. November vor dem Amtsgericht, als er wegen fortgesetzter Beleidigungen und Zwischenrufe aus dem Saal verbannt wurde, und er massiv Justizwachtmeister beleidigte, die ihn abführten, wie einer der Gerichtsbediensteten aussagte.

"Fass ist übergelaufen“

Als die Verhandlung damals zu Ende war, griff sich der Angeklagte auf dem Weg zum Zellentrakt einen liegengelassenen Akkuschrauber. Die Situation eskalierte, er wurde zu Boden gebracht und unter massiven Widerstand gefesselt. Die Wachtmeister stellten Strafanzeige. Warum? „Das Fass ist übergelaufen“, sagte der Zeuge, der dem Angeklagten gleichwohl zugestand, sich in einer Ausnahmesituation befunden zu haben.

Im Gespräch mit der als Zeugin geladenen Teamleiterin der Bezirkspolizei versuchte der Richter zu rekonstruieren, wie es dazu gekommen war, dass der Angeklagte im ­Sommer 2017, während er auf der Polizeiwache eine Anzeige aufgeben wollte, festgesetzt und in die Psychiatrie eingewiesen wurde.

Die Polizistin im Zeugenstand vermochte es auch, den Angeklagten im vergangenen Dezember per Megafon vom Dach eines der Bettentürme des Uniklinikums aus zu überreden, den hohen Kran am Klinikum zu verlassen. Dorthin war er nach einer Flucht von einem begleiteten Ausgang aus der Psychiatrie geklettert. Die Polizistin: „Der Angeklagte hat getan, was ich verlangt habe.“

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