Ambulantes Hospiz
Ein Lächeln in schwersten Stunden

Münster -

Seit zehn Jahren besteht das ambulante Hospiz des Johannes-Hospiz Münster. Sterbenden wird hier in ihrer letzten Zeit in ihren eigenen vier Wänden beigestanden.

Donnerstag, 14.03.2019, 14:58 Uhr aktualisiert: 14.03.2019, 15:57 Uhr
Claudia Bonenkamp (v.l.), Alexandra Hieck und Achim Wasserfuhr koordinieren die ehrenamtlichen Sterbebegleiter beim ambulanten Hospizdienst des Johannes Hospiz Münster.
Claudia Bonenkamp (v.l.), Alexandra Hieck und Achim Wasserfuhr koordinieren die ehrenamtlichen Sterbebegleiter beim ambulanten Hospizdienst des Johannes Hospiz Münster. Foto: Björn Meyer

Für Claudia Bonenkamp, Alexandra Hieck und Achim Wasserfuhr macht es keinen Unterschied, ob die Menschen, auf die sie treffen, arm oder reich sind. Es ist dem Trio auch egal, zu welcher Religion ihr Gegenüber sich zugehörig fühlt. Ob er oder sie gebildet ist. Und doch haben die Menschen, auf die sie treffen, eine Gemeinsamkeit: Alle werden sterben – nicht irgendwann, sondern schon sehr bald.

Bonenkamp, Hieck und Wasserfuhr sind die Ansprechpartner des Ambulanten Hospizes des Johannes Hospiz Münster. Sie stellen für 45 ehrenamtliche Sterbebegleiter den Erstkontakt zu Angehörigen und vor allem zu den Betroffenen her, denen in den letzten Monaten, Wochen und Tagen ihres Lebens beigestanden werden kann. „Wir hören zu, sind gesprächsbereit. Wir lesen aus der Zeitung vor. Wir verschenken Zeit“, sagt Claudia Bonenkamp, Leiterin des ambulanten Dienstes und fügt an: „Ich glaube, das ist sehr wertvoll in so einer Grenzsituation.“

Kostenloses Angebot 

Mindestens zwei bis drei Stunden wöchentlich kommen die ausgesuchten und vom Hospizdienst eigens in 100 Stunden Kursus ausgebildeten Sterbebegleiter zu den Menschen, deren Leben dem Ende entgegen geht. „Die Erfahrung zeigt aber, dass es häufig deutlich mehr wird“, sagt Bonenkamp über das kostenlose Angebot der Freiwilligen, die allen erwachsenen Altersstufen angehören. Dabei könne im Prinzip jeder den Dienst in Anspruch nehmen – ganz wichtig aber dabei: „Wir kommen nur, wenn das vom Betroffenen gewünscht ist“, sagt Bonnenkamp.

Und natürlich müsse sicher gestellt sein, dass Betroffener und Ehrenamtlicher zueinander passen: „Genau darin liegt die Kunst“, sagt Achim Wasserfuhr, der sich zudem der Trauerbegleitung, die zahlreiche Angebote bietet, widmet. Eine Botschaft dahinter: Mit dem Tod hört das Angebot des ambulanten Hospizes nicht auf.

Der Wunsch nach Alltag

„Viele möchten nur ein bisschen Alltag. Vielleicht einfach mal wissen, was in Münster passiert oder, wenn es denn geht, etwas unternehmen.“ Für die häufig überforderten, zumindest aber an ihre Grenze stoßenden Angehörige sei das eine große Entlastung. Und noch etwas sei wichtig: „Die Angehörigen sind in der Situation traurig“, sagt Bonenkamp. Die Sterbebegleiter könnten da mit einer Mischung aus Nähe und Distanz eine weitere Perspektive bieten. „Begleiten heißt, sich zurückzunehmen und dem Betroffenen nichts überzustülpen“, erklärt Alexandra Hieck.

Für die Sterbebegleiter bieten monatliche Treffen im Hospizhaus an der Rudolfstraße die Möglichkeit, dass Erlebte auf sich wirken zu lassen. Zudem diene ein externer Supervisor als Ansprechpartner. „Das Angebot erhält einen immer größeren Stellenwert“, so Bonenkamp. Ein Indiz: Grundsätzlich werde das Angebot von den Krankenkassen refinanziert. Für besondere Aktionen sei man auf Spenden angewiesen.  

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