Lesung im Franz-Hitze-Haus
Der Araber, der Juden vor Hitler rettete

Münster -

Der gebürtige Ägypter Mod Helmy praktizierte in den 1930er-Jahren als Arzt in Berlin – und rettete eine jüdische Familie. Der israelische Schriftsteller Igal Avidan hat über Helmy ein Buch geschrieben. Am Mittwoch stellt er es im Franz-Hitze-Haus in Münster vor.

Montag, 18.03.2019, 11:00 Uhr
Mod Helmy (großes Foto, r.) versteckte mehrere Juden vor der Gestapo. Der israelische Journalist Igal Avidan (kl. Foto) hat darüber ein Buch geschrieben.
Mod Helmy (großes Foto, r.) versteckte mehrere Juden vor der Gestapo. Der israelische Journalist Igal Avidan (kl. Foto) hat darüber ein Buch geschrieben. Foto: AdsD, Friedrich-Ebert-Stiftung/Yehuda Altmann

27 000 Menschen werden in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern“ geehrt, weil sie Juden gerettet haben. Unter ihnen sind 600 Deutsche – und ein Araber: Mod Helmy. Der Ägypter, der während des Dritten Reichs in Berlin als Arzt praktizierte, half dabei, eine jüdische Familie zu verstecken.

Der israelische Journalist Igal Avidan, der seit mehr als 30 Jahren in Berlin lebt, hat ein Buch über Helmy geschrieben. Am Mittwoch (20. März) um 19.30 Uhr wird er es auf Einladung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft im Franz-Hitze-Haus in Münster vorstellen. Seine Recherchen hatten ihn unter anderem in Münsters Partnerstadt Rishon Le-Zion geführt, wo nach dem Krieg die Berliner Nachbarn von Mod Helmy lebten.

„Ein Ägypter wie Mod Helmy könnte eine neue Identifikationsfigur für Araber werden und zur jüdisch-arabischen Annäherung beitragen“, ist Igal Avidan überzeugt.

Avidan zog 1988 von Israel nach Berlin. „Als die Mauer fiel, war ich der einzige israelische Journalist, der gerade vor Ort war“, erinnert er sich. Er blieb in der Stadt – und arbeitet heute für deutsche und israelische Zeitungen und Rundfunkstationen.

Auf Mod Helmy wurde Avidan aufmerksam, als eine israelische Zeitung über dessen Ehrung als „Gerechter unter den Völkern“ berichtete. „Mir war sofort klar, dass das ein spannendes Thema für einen Artikel ist.“ Drei Jahre dauerten seine Recherchen, die schließlich in ein Buch mündeten, das im dtv-Verlag erschienen ist. „Vielleicht kann man mit Hilfe dieser Geschichte den Holocaust auch Menschen mit einer Migrationsgeschichte näher bringen“, sagt Avidan – und so Vorurteile und Hass gegenüber Juden und Israel, die unter vielen Flüchtlingen aus dem Nahen Osten verbreitet sind, abbauen.

Mod Helmy stammte aus Ägypten, war Moslem, aber nicht religiös, wie Avidan berichtet. Er kam 1922 als Student nach Berlin und blieb dort, nachdem er eine deutsche Frau kennengelernt hatte. Nach der Machtergreifung weigerten sich immer mehr nichtjüdische Ärzte, Juden zu behandeln. Mod Helmy nicht.

Auch die Mitglieder der Familie, der er später half, sich zu verstecken, waren seine Patienten. „Aus seinem Pflichtgefühl als Arzt, aber auch, weil er der Sohn eines Offiziers war, war es für ihn selbstverständlich, Menschen in Not zu helfen“, ist Avidan überzeugt. Mod Helmy baute ein Netzwerk auf, da er es alleine nicht leisten konnte, die jüdische Familie zu schützen.

Allzu viel will Avidan im Vorfeld seiner Lesung am Mittwoch nicht verraten. Nur so viel: „In Israel wird er auch als israelischer Schindler bezeichnet.“ Der deutsche Unternehmer Oskar Schindler rettete während des Zweiten Weltkrieges mehr als 1000 Juden. Seine Geschichte wurde von Steven Spielberg verfilmt.

Dass Helmy als „Nichtarier“, der in NS-Deutschland selbst diskriminiert wurde, Juden half, macht seine Biografie noch bemerkenswerter, betont Igal Avidan.

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Die Lesung findet am Mittwoch (20. März) um 19.30 Uhr im Franz-Hitze-Haus statt.

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